Doppelanschlag in Dagestan Kaukasus-Attacken schüren Furcht vor neuer Terrorwelle

Wieder kamen sie am Morgen, wieder sprengten sie sich im Abstand von rund 40 Minuten in die Luft: Zwei Selbstmordattentäter rissen in der russischen Teilrepublik Dagestan mindestens zwölf Menschen in den Tod. Moskau fürchtet nun den Beginn einer Terrorserie.

Von , Moskau


Moskau - Rund 48 Stunden nach den verheerenden Bombenanschlägen auf die Moskauer U-Bahn am Montag haben sich in der nordkaukasischen Stadt Kisljar zwei Angreifer selbst in die Luft gesprengt - und mindestens zwölf Menschen getötet.

Unter den Toten befinden sich zahlreiche Milizionäre, auch der örtliche Polizeichef kam offenbar ums Leben. Einer der Selbstmordattentäter wollte laut Angaben des russischen Innenministeriums mit seinem verminten Wagen in Richtung Innenstadt fahren, wurde aber von einer Polizeistreife aufgehalten, in unmittelbarer Nähe eines Kindergartens und einer Polizeiwache. Dann detonierte der Sprengsatz. Der zweite Angreifer, selbst verkleidet als Milizionär, mischte sich nach der ersten Explosion unter herbeieilende Beamte und Rettungskräfte.

Hinter dem Doppelanschlag in Dagestan stecken nach Einschätzung von Regierungschef Wladimir Putin möglicherweise die gleichen Drahtzieher wie auf die Moskauer U-Bahn. "Ich schließe nicht aus, dass hier die gleichen Banditen am Werk waren", sagte Putin laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax bei einer Kabinettssitzung.

In Moskau wächst jetzt die Furcht, dass die Bombenattentate vom Montag, bei denen in den U-Bahn-Höfen Park Kultury und Lubjanka 39 Menschen starben, nur der Beginn einer neuen Terrorwelle sein könnten, die auf Russland zurollt.

Am späten Dienstagabend sperrten russische Sicherheitskräfte die Nikolskaj-Straße mitten im Herzen Moskaus wegen Bombenalarms. Die Straße liegt in unmittelbarer Nähe zum Hauptquartier des Inlandsgeheimdienstes FSB an der Station Lubjanka. Zur Entschärfung der vermeintlichen Autobombe wurde eiligst ein Roboter herbeigeschafft, doch der Sprengsatz entpuppte sich als harmloser Koffer.

Sprengstoffexperten im Einsatz

Am Mittwochmorgen mussten Sprengstoffexperten erneut ausrücken. Moskauer Milizionäre hatten unter einem ihrer Fahrzeuge verdächtige Gegenstände ausgemacht: zwei mit Klebeband verbundene Flaschen, dazu Batterien.

Eine Attrappe, stellten die Sicherheitsexperten später fest. Die Flaschen waren nicht mit Sprengstoff gefüllt, sondern mit Urin. Trotzdem wächst die Anspannung in der Hauptstadt angesichts des neuen Anschlags im Nordkaukasus.

Zwar hat noch immer keine Terrorgruppe offiziell die Verantwortung für die Bomben in den U-Bahnen übernommen. Moskauer Beobachter fürchten jedoch seit langem eine neue Offensive islamistischer Terroristen aus Russlands Unruheprovinzen im Süden. Deren Anführer, der selbsternannte "Emir des Nordkaukasus", der tschetschenische Untergrundkämpfer Doku Umarow, hatte bereits im Februar gedroht, die Zone "militärischer Operationen auf das Gebiet Russlands" auszuweiten. Mitte März prahlte er damit, man werde bald auch "die Region Krasnodar, Astrachan" sowie die Wolgagebiete "befreien", die sich unter der Knute der russischen Ungläubigen befänden.

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Metro in Moskau: Anschläge in der Rushhour
Bei den Anschlägen von Moskau habe es sich um die "sorgfältig geplante, intensiv vorbereitete Aktion erstarkender Kräfte" gehandelt, sagt der Kaukasusexperte des Moskauer Carnegie-Zentrums, Nikolai Petrow. Russland habe jahrelang mit der Illusion gelebt, der Terror sei besiegt. Dabei seien die Probleme im Kaukasus ungelöst, glaubt auch Generalmajor Wladimir Owtschinskij, einst russischer Interpol-Chef. "Wir müssen uns der Realität stellen. Wir müssen begreifen, dass der Krieg der Terroristen gegen Russland in Wahrheit nie geendet hat."

Russlands Führung präsentiert sich derweil als Herr der Lage. Präsident Dmitrij Medwedew drohte, man werde die Hintermänner der Anschläge "fassen und vernichten." Regierungschef Putin forderte die Sicherheitsorgane des Landes ebenfalls energisch zur Suche nach den Drahtziehern auf. Die "Komplizen und Hintermänner der Tat" hielten sich versteckt und müssten "vom Boden der Kanalisation gekratzt und ans Tageslicht gebracht" werden, sagte Putin im russischen Fernsehen. Dies sei "eine Frage der Ehre für die Sicherheitskräfte".

Russland geht gleichwohl schon jetzt mit großer Härte gegen die Kämpfer aus dem Nordkaukasus vor. Anfang März töteten Sicherheitskräfte acht Terroristen, darunter ihren Anführer Said Burjatskij. Russische Boulevardmedien vermeldeten den Schlag gegen den Terror triumphal, und präsentierten Fotos der entstellten Leiche des Terrorfürsten.

Dabei aber, gibt Sergej Markedonow vom Moskauer "Institut für politische und militärische Analyse" zu bedenken, dürfe man nicht vergessen, dass jede Spezialoperation neuen Hass auf die Russen sähe. "Jede Liquidierung", sagt Markedonow, "schafft neue Kämpfer."

Forum - Anschläge in Moskau - was ist die richtige Antwort auf den Terror?
insgesamt 741 Beiträge
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Seite 1
spieglfechter 29.03.2010
1.
Zitat von sysopMindestens 37 Tote, viele Verletzte: Nach den Anschlägen in Moskaus Metro schwört Präsident Medwedew Russland auf einen unerbittlichen Kampf gegen Extremisten ein. Was ist die richtige Antwort auf die Terroranschläge?
Die richtige Antwort ist, wie bei den Anschlägen in New York, Bali, Madrid, London, Mumbai ..., die Frage: Cui bono ?
eikfier 29.03.2010
2. ....dann lieber gar nicht, Homer ist sowieso schöner.....
Zitat von spieglfechterDie richtige Antwort ist, wie bei den Anschlägen in New York, Bali, Madrid, London, Mumbai ..., die Frage: Cui bono ?
...ach wissen Sie, dafür ist mir unsere jetzige Staatsform zu wertvoll, um mich hier dazu erniedrigen zu lassen, zwischen den Zeilen schreiben zu müssen, um einen nicht genehmen Gedanken durchzubekommen.... See you....!
jacknife 29.03.2010
3.
Zitat von sysopMindestens 37 Tote, viele Verletzte: Nach den Anschlägen in Moskaus Metro schwört Präsident Medwedew Russland auf einen unerbittlichen Kampf gegen Extremisten ein. Was ist die richtige Antwort auf die Terroranschläge?
Egal von wessen Seite dieser Anchlag ausging (Islamisten aus Tschetschenien, irgendwelche sonstige Separatisten): Die Russen sollten ihre harte Linie beibehalten. Nur so demonstriert man Entschlossenheit gegenüber Terroristen und zeigt ganz unmissverständlich, dass solche feigen Anschläge nicht ungesühnt bleiben.
Titmouse 29.03.2010
4. Antwort mit Fragezeichen
Zitat von spieglfechterDie richtige Antwort ist, wie bei den Anschlägen in New York, Bali, Madrid, London, Mumbai ..., die Frage: Cui bono ?
Soll "cui bono?" eine Antwort sein? Flugs heraus mit Ihre Verschwörungstheorie !
henningr 29.03.2010
5.
Zitat von sysopMindestens 37 Tote, viele Verletzte: Nach den Anschlägen in Moskaus Metro schwört Präsident Medwedew Russland auf einen unerbittlichen Kampf gegen Extremisten ein. Was ist die richtige Antwort auf die Terroranschläge?
Man sollte den NATO-Verteidigungsfall ausrufen, das zweite Mal nach 9/11. Dann den Schuldigen benennen (spätestens einen Tag nach den Anschlägen, mit denen man vorher natürlich nicht gerechnet hat, da U-Bahn-Anschläge an sich total abwegig sind), der natürlich aus einem Land kommt wo man gerne mal einmarschieren würde... Halt! Achso die Russen sind nicht in der NATO? Das ist natürlich doof. Trotzdem: das Theater mit dem abhängigen Untersuchungsaussschuss kann man sich diesmal sparen.
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