Doppelanschlag in Jakarta Attentäter gab sich als Hotelgast aus

Der Terror ist nach Indonesien zurückgekehrt. Bei Anschlägen auf zwei Luxushotels in Jakarta wurden neun Menschen getötet und mehr als 50 verletzt. Ein Selbstmordattentäter hatte sich als Hotelgast ausgegeben. Experten vermuten die Islamisten-Gruppe Jemaah Islamiah als Drahtzieher.


Jakarta - Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono hat die Anschläge auf zwei Luxushotels in Jakarta als "grausamen und unmenschlichen Angriff" verurteilt. Die Attentate sollten die Sicherheit in Indonesien erschüttern, sagte Yudhoyono bei einer Fernsehansprache. Er machte Terroristen für den Doppelanschlag verantwortlich und kündigte eine gründliche Untersuchung an.

Einer der mutmaßlichen Attentäter hat sich laut Polizei als Hotelgast ausgegeben und so Zutritt zum Marriott-Hotel erlangt. "Der Angreifer hat sich als Hotelgast getarnt", sagte Polizeichef Wahyono in der indonesischen Hauptstadt. So sei der Selbstmordattentäter in das Café des Hotels gelangt, wo er eine mitgebrachte Bombe gezündet habe.

Der indonesische Geheimdienst habe bereits während der Wahlen Anfang Juli Hinweise auf Anschlagspläne erhalten, sagte Präsident Yudhoyono.

In den Luxushotels Marriott und Ritz-Carlton waren am Morgen im Abstand von fünf Minuten Sprengsätze explodiert. Neun Menschen wurden dabei getötet und mehr als 50 verletzt, darunter viele Ausländer. Nach Angaben von Sicherheitsminister Widodo Adi Sucipto habe es sich um "hochexplosive Bomben" gehandelt. Wie die Polizei mitteilte, sollen die Bombenleger Gäste im Marriott gewesen sein.

Experten verdächtigen Islamisten-Gruppe

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"Es lagen Körper auf dem Boden, einer hatte keinen Bauch mehr", sagte ein Augenzeuge der "Times of India". Der in der Nähe des Hotels Wohnende traf noch vor den Rettungshelfern am Marriott-Hotel ein. "Es war schrecklich." Die Hotels liegen unweit voneinander im Geschäftsviertel Kuningan. In der bei Ausländern und Indonesiern gleichermaßen beliebten Gegend gibt es viele Bars, Büros und Botschaften.

Angesichts der großen Schäden gehen die Ermittler davon aus, dass die Sprengsätze trotz strikter Kontrollen in die Gebäude gebracht wurden und dort detonierten. Sicherheitskräfte fanden später im 18. Stock des Marriott einen zweiten, nicht detonierten Sprengsatz.

Experten vermuten die Islamisten-Gruppe Jemaah Islamiah hinter den Anschlägen. Die Organisation, die in Südostasien einen großen islamischen Staat gründen will, soll bereits 2003 einen Anschlag auf das Marriott-Hotel ausgeführt haben, damals starben zwölf Menschen. Präsident Yudhoyono sagte, man wisse noch nicht mit Sicherheit, ob es sich im jetzigen Fall um dasselbe Terrornetzwerk handele.

Attentate nach mehreren Jahren ohne Anschläge

Nach Einschätzung eines australischen Sicherheitsexperten waren die Anschläge nur eine Frage der Zeit. Ein harter Kern von Mitgliedern der verdächtigten Terrororganisation Jemaah Islamiah sei desillusioniert gewesen und habe seit längerem spektakuläre Aktionen geplant, sagte der Direktor des Instituts für Strategische Politik, Carl Ungerer.

Seit mehreren Jahren hatte es in Indonesien keine Anschläge mehr gegeben. Auch die unter großen Sicherheitsvorkehrungen stattfindende Präsidentschaftswahl Anfang des Monats verlief friedlich. Moderate Elemente hätten in letzter Zeit dafür plädiert, sich auf politische Ziele zu konzentrieren - einen streng islamischen Staat. Das sei vom harten Kern in letzter Zeit immer stärker in Frage gestellt worden, sagte Ungerer.

"Es gab in den vergangenen Monaten Anzeichen, dass diese Hardliner innerhalb der Jemaah Islamiah unzufrieden waren, weil in den letzten Jahren keine Anschläge mehr verübt wurden, und es war klar, dass sie etwas tun wollten", sagte Ungerer dem australischen Rundfunk.

Zwischen 2002 und 2005 hatte es in Indonesien zahlreiche Attentate gegeben, für die die islamistische Extremistenorganisation verantwortlich gemacht wurde. Darunter waren auch die Bombenanschläge auf der Insel Bali 2002, bei denen 202 Menschen getötet wurden. Damals waren 400 der geschätzten 4000 Mitglieder der Terror-Organisation festgenommen worden. Viele würden aber bereits wieder freigelassen, sagte Ungerer.

Unklarheiten über Autobombe

Nur wenige Stunden nach den Bombenexplosionen ereignete sich in Jakarta eine weitere Explosion. Ein Polizeisprecher korrigierte einen Fernsehbericht, es habe sich um eine Autobombe gehandelt. Dass hatte der Sender TV One zuvor unter Berufung auf die Polizei berichtet. Die Explosion sei durch eine kaputte Autobatterie ausgelöst worden, sagte ein Polizeisprecher. Dabei sei ein Insasse des zerstörten Kleinlasters ums Leben gekommen.

ore/Reuters/AFP/AP/dpa



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