London - Nach einer Woche in Haft sollte der WikiLeaks-Gründer Julian Assange eigentlich bis zur nächsten Verhandlung am 11. Januar gegen Kaution freikommen. Das hatte das Amtsgericht von Westminster am Dienstagnachmittag entschieden - und der Gegenseite zwei Stunden Zeit eingeräumt, um den Entscheid anzufechten.
Genau das ist passiert: Fünf Minuten vor Ablauf der Frist hat die Vertreterin der schwedischen Staatsanwaltschaft, Gemma Lindfield, Berufung eingelegt. Sie hatte bei dem Haftprüfungstermin versucht, eine Freilassung auf Kaution zu verhindern. Die Anschuldigungen gegen Julian Assange in Schweden seien ernst, führte sie an. Zu Großbritannien habe Assange nur schwache Verbindungen, dafür aber genug Geld, um zu verschwinden. Binnen 48 Stunden muss nun der Oberste Gerichtshof von England und Wales über die Berufung entscheiden.
Der Anwalt von Assange, Mark Stephens, kritisierte die Entscheidung zur Berufung gegen die Gerichtsentscheidung. "Dies hier verwandelt sich in einen Schauprozess", sagte er.
Vor einer Woche hatte sich der WikiLeaks-Gründer der britischen Polizei gestellt. Seitdem sitzt er in Haft. Schweden fordert die Auslieferung des Australiers. Er soll dort wegen mutmaßlicher Sexualdelikte befragt werden, die ihm von zwei Frauen zur Last gelegt werden. Assange hat die Vorwürfe zurückgewiesen und von einer Intrige gesprochen. Gegen eine Auslieferung nach Schweden will er zusammen mit seinen Anwälten vorgehen.
Das Gericht war am Dienstag zunächst dem Vorschlag von Assanges Anwalt Geoffrey Robertson gefolgt. Danach soll Assange 200.000 britische Pfund hinterlegen. Zusätzlich müssten zwei Bürgen 40.000 Pfund bereitstellen. Außerdem sei dem 39-jährigen Assange das Tragen einer elektronischen Fußfessel sowie ein Ausgehverbot zwischen 10 bis 14 Uhr und 22 bis 2 Uhr auferlegt worden. Er müsse seinen Pass abgeben und sich täglich um 18 Uhr auf einer Polizeidienststelle melden.
Assanges Unterstützer hatten am Dienstagabend damit begonnen, die geforderten 200.000 Pfund Kaution zusammenzubekommen. Dies könne einige Tage in Anspruch nehmen, hatte Assanges Anwalt gesagt. Mehrere Prominente, darunter Jemima Khan sowie die Filmemacher Ken Loach, Michael Moore und John Pilger, hatten im Vorfeld erklärt, für die Summe aufzukommen. Die Behörden akzeptieren aber keine Schecks - die Summe muss bar hinterlegt werden.
WikiLeaks hatte in den vergangenen Monaten Tausende vertrauliche Dokumente mit Informationen über die Kriege im Irak und in Afghanistan sowie über den Schriftverkehr internationaler Diplomaten veröffentlicht. Damit kam vor allem die US-Regierung in die Defensive.
ore/AFP/dapd
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