Katastrophe vor Lampedusa Deutschland soll mehr Flüchtlinge aufnehmen

EU-Parlamentspräsident Schulz verlangt Konsequenzen aus der Schiffskatastrophe vor Lampedusa. Der Sozialdemokrat forderte die Bundesregierung auf, mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Die Rettungskräfte in Italien bargen inzwischen Dutzende weitere Leichen.


Berlin - Nach der Bootskatastrophe vor Lampedusa hat EU-Parlamentspräsident Martin Schulz die Bundesregierung zur Aufnahme zusätzlicher Flüchtlinge aufgefordert. "Es ist eine Schande, dass die EU Italien mit dem Flüchtlingsstrom aus Afrika so lange alleingelassen hat", kritisierte der SPD-Politiker in der "Bild"-Zeitung. Die Flüchtlinge müssten in Zukunft gerechter auf die EU-Mitgliedstaaten verteilt werden. "Das heißt auch, dass Deutschland zusätzliche Menschen aufnehmen muss", verlangte Schulz. Über das Thema müssten die EU-Staaten auf ihrem Gipfel in Oktober in Brüssel beraten, zitiert ihn die Zeitung.

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) unterstrich die Aufgabe der Entwicklungspolitik, für bessere Chancen der Menschen in den Heimatländern zu sorgen. Die Tragödie zeige aber auch, "dass wir eine gemeinsame europäische Migrations- und Flüchtlingspolitik brauchen". Der Unions-Außenexperte Philipp Mißfelder forderte in der Zeitung mehr Unterstützung für Afrika.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sprach sich für schärfere Maßnahmen gegen Schlepper aus. "Feststeht, dass wir noch stärker die Netzwerke organisierter und ausbeuterischer Schleusungskriminalität bekämpfen müssen", sagte Friedrich der "Welt am Sonntag". "Die Schleuser-Verbrecher sind es, die die Menschen mit falschen Versprechungen in Lebensgefahr bringen und oftmals in den Tod führen."

Wind und Wellen behindern die Rettungstaucher

Am Donnerstag war ein Boot mit 500 Flüchtlingen aus Eritrea und Somalia vor der italienischen Insel Lampedusa gesunken. Taucher haben am Wochenende Dutzende weitere Tote geborgen. Wie die Küstenwache mitteilte, wurden am Sonntag die Leichen von 70 ertrunkenen afrikanischen Bootsflüchtlingen an die Wasseroberfläche gebracht. Damit wurden nach Behördenangaben bislang 181 Menschen tot geborgen. Mehr als hundert wurden weiter vermisst. Hoher Seegang und starker Wind behinderten die Arbeit der rund 40 Bergungstaucher. Das Schiffswrack befindet sich in 47 Metern Tiefe.

Die Überlebenden müssen mit Strafanzeigen und einer Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro rechnen. Die Flüchtlinge berichteten Parlamentsabgeordneten am Samstag, sie hätten an ihre Schlepper Tausende Dollar für die Reise durch die Sahara und über das Mittelmeer bezahlt. Unter dem Eindruck der Katastrophe hat Italien die Europäische Union um mehr Hilfe gebeten.

ler/Reuters/dpa

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genlok 07.10.2013
1.
Deutschland muss gar nichts. Italien macht milliarden Umsatz mit seinen Stränden und Tourismus, der negative Aspekt von Straenden ist dann halt auch mal die Afrikaner an diesen zu begegnen.
maxuli 07.10.2013
2. Deutschland soll mehr Flüchtlinge aufnehmen
Herr Niebel, Herr Mißfelder und Herr Friedrich geben hier wohlfeile Statements ab, die natürlich richtig sind, aber nicht die Mahnung von Herrn Schulz kommentieren. Herr Niebel, Herr Mißfelder und Herr Friedrich, jetzt und sofort ist Hilfe gefragt! Ihre Ursachenbekämpfung ist lange überfällig und es steht zu befürchten, dass sie, nachdem sich die Lage wieder beruhigt hat, im Sande verlaufen wird.
maxuli 07.10.2013
3.
Empfehle zu diesem Thema einen Kommentar von Heribert Prantl in der sueddeutschen.de.
grauwolf44 07.10.2013
4.
Deutschland wie auch Europa sind zu klein um der Retter der ganzen Welt zu sein! Und zu den Forderungen von Schulz und den anderen EU - Staaten: Bismarck antwortete mal seinem Kaiser: "Ich habe das Wort Europa immer im Munde derjenigen Politiker gefunden, die von anderen Mächten etwas verlangten, was sie im eigenen Namen nicht zu fordern wagten."
buerger2013 07.10.2013
5. Gibt
Zitat von sysopREUTERSEU-Parlamentspräsident Schulz verlangt Konsequenzen aus der Schiffskatastrophe vor Lampedusa. Der Sozialdemokrat forderte die Bundesregierung auf, mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Die Rettungskräfte in Italien bargen inzwischen Dutzende weitere Leichen. Drama vor Lampedusa: Deutschland soll mehr Flüchtlinge aufnehmen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/drama-vor-lampedusa-deutschland-soll-mehr-fluechtlinge-aufnehmen-a-926392.html)
es eigentlich für Leute wie diesen Schulz auch eine Schmerzgrenze? Jeder Flüchtling, der dort ums Leben kam, tut mir unendlich leid. Aber bin ich rechtsradikal, wenn ich behaupte, dass wir nicht halb Afrika bei uns aufnehmen können? Wer soll das alles bezahlen. Ausserdem führt das doch unweigerlich auch hier zu Unruhen. Selbst in diesem so reichen Deutschland steigt die Armut und die Anzahl der Verlierer ständig an. Das sind doch Tatsachen, die auch mal angesprochen werden müssen.
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