Drohende Deportation von US-"Dreamern" "Wir sind jetzt kampfbereit"

Präsident Trump droht damit, Kinder illegaler Migranten aus dem Land zu werfen - auch Karen Zapien könnte betroffen sein. Doch die 26-Jährige will sich das nicht bieten lassen.

"Dreamer" Zapien
Karen Zapien

"Dreamer" Zapien

Aufgezeichnet von , New York


Wir alle wussten, dass diese Entscheidung kommen würde. Trotzdem hat uns das sehr geschockt. Wir saßen alle zusammen zuhause und guckten NBC News, und es gab Tränen. Ich bin's so leid, wie wir benutzt werden, als politische Spielbälle, als Puppen. Wir sind keine Zahlen. Wir sind Menschen.

Ich war ein Jahr alt, als mich meine Eltern aus Mexiko in die USA schleusten. Jetzt bin ich 26 und habe gerade meinen Uni-Abschluss in Betriebswirtschaft gemacht. Ich habe einen Job in der Branche bekommen, aber ohne DACA (Deferred Action for Childhood Arrivals, das Schutzprogramm für "Dreamer", Anm.d.Red.) ist der jetzt in Gefahr. Eigentlich wollte ich Wirtschaftsprüferin werden, aber nun wird mich keiner anstellen. Erneut stecken meine Träume in der Sackgasse. Das war früher mein ganzes Leben. Ich bin es so leid. Keine Ahnung, wie ich nun weitermachen soll.

Da wir uns als "Dreamer" registrieren mussten, wissen die Einwanderungsbehörden, wo sie mich und meinen Bruder finden. Das macht uns viel Angst.

Meine Eltern leben auch in Angst. Sie sind illegal im Land und selbst noch relativ jung, meine Mutter ist 43, mein Vater 49. Eine meiner wichtigsten Botschaften richtet sich an sie.

Wir hören so viel von Eltern, die sich Vorwürfe machen, die sich schuldig fühlen, weil sie uns als Kinder hierher gebracht haben. Ich kann ihnen nur sagen: Keiner hat daran Schuld. Sie haben ihr ganzes Leben zurückgelassen, und ich möchte ihnen danken, dass sie sich für uns geopfert haben.

Die USA sind alles, was ich kenne. Jetzt wird mir gesagt, dass ich nicht mehr in das Land gehöre, in dem ich aufgewachsen bin. Ich habe das Gefühl, dass dies nicht mehr meine Heimat ist. Ich sitze irgendwo in der Mitte fest zwischen zwei Ländern, die mir beide nicht mehr vertraut sind. Es ist alles so traurig und frustrierend.

Trump spricht mit seiner rassistischen Agenda zwar nur zu einer Minderheit, aber er hat die Macht. Erst sagt er, er habe ein großes Herz für uns, und dann schmeißt er uns raus. Er und sein Justizminister Jeff Sessions verbreiten so viele Lügen. Sie sagen, dass DACA verfassungswidrig sei oder dass wir Kriminelle seien. Das stimmt alles nicht. Die Anforderungen für einen Dreamer-Status sind extrem hoch. Wir sind gute Staatsbürger. Wir sind gute Amerikaner. Wir gehören hierher.

Aber wir sind jetzt auch kampfbereit. Ich bin Chief Policy Analyst von Dream Team LA, einer Aktivistengruppe in Los Angeles. Wir werden den Kampf zum Kongress tragen. Das ist meine Hoffnung, dass für uns am Ende eine bessere Situation dabei herauskommt, dass unser Status endlich gesetzlich festgeschrieben wird. Wir werden für ein eigenständiges "Dreamer"-Gesetz kämpfen, das uns am Ende die Staatsbürgerschaft zugesteht. Wir müssen das selbst machen, denn sonst wird keiner für uns eintreten.

Unsere Eltern und Großeltern haben uns gelehrt, immer zu lächeln, immer positiv zu sein, egal, wie hart das Leben ist. Ich werde weiterkämpfen. Denn wenn wir nicht weiterkämpfen, werden wir für immer im Schatten leben. Sie haben uns so viel genommen. Nur unsere Angst nicht.



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