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"Dritter Weltkrieg": Weißes Haus relativiert Bushs Aussage

Ein atomar bewaffneter Iran könnte einen Dritten Weltkrieg auslösen, sprach US-Präsident Bush am Mittwoch vor Journalisten – nun spielt das Weiße Haus die Aussage herunter: Die Bemerkung sei "rein rhetorisch" gewesen.

Washington - "Der Präsident hat damit keine Kriegspläne verkündet, und er hat auch keine Erklärung abgegeben", sagte seine Pressesprecherin Dana Perino. Er habe damit lediglich seine Auffassung und die der internationalen Gemeinschaft bekräftigt, dass Iran nicht in den Besitz von Nuklearwaffen kommen sollte.

Bush: "Rein rhetorisch"
REUTERS

Bush: "Rein rhetorisch"

Bush hatte am Mittwoch vor Journalisten erklärt, wer einen Dritten Weltkrieg verhindern wolle, müsse daran interessiert sein zu verhindern, dass Iran die Technologie zur Herstellung von Atomwaffen erlange.

Das Außenministerium in Teheran verurteilte die Bemerkung als Kriegsrhetorik, die eine Gefahr für den Frieden und die internationale Sicherheit darstelle. Perino bekräftigte indes die amerikanische Auffassung, dass im Falle iranischer Atomwaffen in der Tat eine Situation bestünde, die zu einem Dritten Weltkrieg führen könnte.

USA will Raketenschild-Pläne auf jeden Fall vorantreiben

Das US-Außenministerium will auch im Falle einer Aussetzung der Urananreicherung durch Iran die umstrittenen Pläne für ein Raketenabwehrsystem in Osteuropa wie geplant vorantreiben. Ministeriumssprecher Tom Casey stellte in Washington eine anderslautende Äußerung von Staatssekretär Daniel Fried richtig.

Fried hatte am Mittwoch in Brüssel in Aussicht gestellt, dass das Abwehrsystem langsamer vorangetrieben werde, sollte Teheran im Atomstreit einlenken. "Das ist einfach nicht wahr", sagte Casey. "Die Haltung der USA ist klar - es gibt eine Bedrohung durch die Raketen von Schurkenstaaten."

Unbeeindruckt von Moskaus neuem Atomprogramm

Von den russischen Raketenpläne zeigen sich die USA unbeeindruckt. US-Verteidigungsminister Robert Gates sagte, mit seiner Ankündigung neue Atomraketen zu entwickeln, habe der russische Präsident Wladimir Putin geltend machen wollen, dass sein Land auf der internationalen Bühne zurück ist und "ernst genommen" werden will. Dies sei aber nicht alarmierend.

Moskau habe in den vergangenen Jahren seine Öleinnahmen konstant für die Modernisierung seiner Streitkräfte eingesetzt. "Aber ich möchte darauf hinweisen, dass wir von einem sehr niedrigen Niveau ausgehen", sagte Gates. In den neunziger Jahren sei das russische Militär sehr zurückhaltend gewesen. Jetzt gebe Russland vielleicht zehn Prozent dessen für Verteidigung aus, was die USA investierten.

Putin hatte gestern die Entwicklung neuer Atomraketen angekündigt. Im Zuge der Entwicklung der Raketentechnologie seien "ganz neue" strategische Systeme in Vorbereitung, sagte Putin während einer im Fernsehen und Radio ausgestrahlten Frage-Antwort-Sendung mit Bürgern. Zuvor hatten die russischen Streitkräfte erfolgreich eine Interkontinentalrakete getestet.

Bereits in der vergangenen Woche hatte Putin mit einem Ausstieg aus dem so genannten INF-Vertrag (Intermediate Range Nuclear Forces) gedroht. Im Juli hatte er angekündigt, Russland werde im Dezember den Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) einseitig aussetzen.

asc/AP/AFP

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