Angst vor Staatsbankrott Amerikaner und Briten bieten Ukraine Finanzhilfe

Die Gewalt in der Ukraine ist gestoppt, doch die wirtschaftliche Krise in dem EU-Nachbarland verschärft sich. Um die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden, sind Milliardenhilfen nötig. Die USA und Großbritannien signalisieren umfangreiche Unterstützung.

Aktivisten vor der ukrainischen Nationalbank: Am Rand der Zahlungsunfähigkeit
AP/dpa

Aktivisten vor der ukrainischen Nationalbank: Am Rand der Zahlungsunfähigkeit


Kiew - Die Warnung von Alexander Turtschinow war deutlich. Kaum hatte der ukrainische Übergangspräsident sein Amt übernommen, wies er am Sonntagabend auf die katastrophale Finanzlage seines Landes hin. Monate der Krise hätten die Ukraine "an den Rand einer Zahlungsunfähigkeit" gebracht. Um dies zu verhindern, formiert sich international eine breite Front der Unterstützer, die dem Land Hilfen in Milliardenhöhe in Aussicht stellen.

US-Finanzminister Jack Lew hat die Ukraine aufgefordert, wegen Finanzunterstützung zügig auf den Internationalen Währungsfonds (IWF) zuzugehen. Sobald eine Übergangsregierung stehe, sollte sich das Land um Hilfen bemühen, sagte Lew einem Vertreter des Ministeriums zufolge. Sowohl die USA als auch Europa seien bereit, den IWF zu unterstützen.

Nach der Bildung einer Übergangsregierung könnten IWF-Mittel ausgeschüttet werden, um "die Ukraine bei der Rückkehr zu Demokratie, Stabilität und Wachstum zu unterstützen" - und die Folgen überfälliger Wirtschaftsreformen besonders für Geringverdiener abzumildern, wie aus US-Delegationskreisen beim G-20-Finanzministertreffen in Sydney verlautete.

Diese Einschätzung teilt die britische Regierung. Finanzminister George Osborne sagte am Montag: "Wir sollten bereit sein, Finanzhilfe durch Organisationen wie den IWF zur Verfügung zu stellen. Natürlich wird dies in Form von Krediten geschehen. Aber es wird gute Investitionen in die ukrainische Wirtschaft geben." Die Menschen im Land hätten bewiesen, dass sie eine engere Bindung an Europa anstreben, so Osborne weiter. Das sollte von Europa gewürdigt werden.

Die EU hat der Ukraine zwar finanzielle Unterstützung zugesagt, knüpft diese aber an Reformen der neuen Regierung. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton wird am Montag in Kiew erwartet. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte dem Krisenland bereits am Wochenende finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt. "Eine Ukraine, die bankrottgeht, die zahlungsunfähig wird, wird eine zu große Belastung sowohl für den großen Nachbarn im Osten wie für die Europäische Union", sagte der SPD-Politiker am Sonntag in der ZDF-Sendung "Berlin direkt".

Merkel und Putin diskutieren Ukraine-Rettung

Bei einem Telefonat zwischen Kanzlerin Angela Merkel und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Sonntag sei es darum gegangen, "nach Wegen und Möglichkeiten zu suchen, die Ukraine wirtschaftlich zu stabilisieren". Russland hatte als Reaktion auf den Machtwechsel den Geldhahn zugedreht und Milliardenhilfen auf Eis gelegt. Steinmeier selbst wird in dieser Woche in Washington Gespräche mit dem IWF über die Situation der Ukraine führen.

Nach den Tumulten der vergangenen Woche hat sich die Lage im Land beruhigt. In Kiew hatte es blutige Auseinandersetzungen zwischen Regierungsgegnern und den Sicherheitskräften von Präsident Wiktor Janukowitsch gegeben. Die Ukraine schien kurz vor einem Bürgerkrieg. Erst nach Tagen des Blutvergießens setzte sich die Opposition durch, Janukowitsch verlor sein Amt, und die Oppositionsikone Julija Timoschenko wurde aus der Haft entlassen. Vom gestürzten Präsidenten fehlt seitdem jede Spur.

jok/dpa/AFP/Reuters

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thomas_gr 24.02.2014
1.
Die Ukraine ist Transitland für russisches Gas. Da wundert diese Regime Change Aktion keinen. Jetzt nur noch das Land an den IWF Tropf hängen und es besteht keine Gefahr mehr. Der Patient ist tot.
McKofFly 24.02.2014
2. optional
und die Falle schnappt zu.
skynet77 24.02.2014
3. Natürlich
bieten die beiden Pleiteländer der Ukraine finanzielle Hilfe an.Die wollen ja schließlich auch ihre Truppen vor Russlands Toren positionieren.Die großen Samariter Amerika und England.Übrigens sind sie auch die größten Ausbeuter-und Kollonialmächte.Mich wundert es wirklich,das Russland die Füße so still hält.Aber irgendwann kommt es zum Knall und dann wollen wir mal sehen.Hier geht es dem Westen überhaupt nicht um die Ukraine,sondern nur darum,Russland zu schwächen.Ob es der Westen will oder nicht,aber Russland wird durch seine Resourcen weiter an wirtschaftlicher Macht gewinnen.Nur dieses mal wird Russland diesen Kalten Krieg gewinnen.Ich mache die Foristen hier nur darauf aufmerksam,das Russland fast allein steht,aber das große und mächtige Amerika die halbe Welt braucht,um Russland unter Kontrolle zu halten.Soviel zur Macht von Amerika...
Juergen_Spaeth 24.02.2014
4.
Zitat von sysopAP/dpaDie Gewalt in der Ukraine ist gestoppt, doch die wirtschaftliche Krise in dem EU-Nachbarland verschärft sich. Um die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden, sind Milliardenhilfen nötig. Die USA und Großbritannien signalisieren umfangreiche Unterstützung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/drohender-bankrott-usa-und-briten-bieten-ukraine-finanzhilfen-an-a-955230.html
Da ist es nun. Das Wettsubventionieren des Westens. Dabei ist die Ukraine ein durch und durch korruptes Land, egal, ob Janutschenko oder Timoschenko. Während unsere Gutmenschen jahrelang genölt haben, als Berlusconi aus Angst vor Verlust der Immunität sich den Staat Italien gekrallt hat, finden es die selben Typen ganz toll, dass Frau Timoschenko nun wieder an der Macht ist. Dass diese Frau kein Deut bessere Absichten hegt als Berlusconi, stört unsere feinen moralinsauren Politexperten in der EU, Deutschland und natürlich quer durch die Presse nicht. Wir füllen unsere Steuergelder in ein Faß ohne Boden, diesmal nicht so sehr wie in Griechenland, um den Banken was Gutes zu tun, sonder um eine blonde Politikerkaste vor der Strafverfolgung zu retten.
kilroy-was-here 24.02.2014
5. wenn die USA helfen...
ist Vorsicht angebracht; nicht, dass dann an der russischen Grenze dann Raketen stehen...! Und Frau Timoschenko möge auch ihr auf die Seite geschafftes Geld dem Volk zurück geben...!
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