Angriff in Pakistan: Drohne tötet mehrere Taliban

Bei einem US-Drohnenangriff sind in Pakistan mindestens acht Taliban getötet worden. Die amerikanischen Streitkräfte hatten mehrere Raketen auf zwei Anlagen der radikalislamischen Aufständischen gefeuert. Unter den Toten soll ein bekannter Terrorist sein.

Hamburg - Bei einem US-Drohnenangriff im Nordwesten Pakistans sind mehrere Taliban-Kämpfer ums Leben gekommen. In Süd-Waziristan an der Grenze zu Afghanistan hätten US-Drohnen am Sonntag mehrere Raketen auf zwei Anlagen der radikalislamischen Aufständischen abgefeuert, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte. Mindestens acht Taliban seien getötet und mehrere weitere verletzt worden.

Geheimdienstmitarbeiter in Miranshah sagten, ihnen lägen Berichte über zwölf getötete Aufständische vor. Unter den Opfern sei auch Wali Muhammed, der als Drahtzieher mehrerer Selbstmordanschläge der Taliban gilt.

Zu den Todesopfern gehörten laut den Berichten auch Mitglieder der Gruppe Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP). Die Identifizierung der übrigen Toten sei schwierig, da die Leichen verbrannt seien. Bewohner der Region berichteten, die Taliban-Kämpfer hätten das Gebiet abgeriegelt, um in den Trümmern nach weiteren Opfern zu suchen.

Vergangene Woche hatte im Nordwesten Pakistans eine US-Drohne den führenden pakistanischen Rebellenkommandeur Mullah Nazir sowie zwei seiner Stellvertreter und drei weitere Kämpfer getötet. Nazirs Gruppe kämpft gegen die Regierung im benachbarten Afghanistan und die dort stationierten ausländischen Truppen. Sie soll enge Kontakte zum Haqqani-Netzwerk haben, das einige der blutigsten Anschläge in Afghanistan verübte.

cst/afp/Reuters

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1. verstehe ich nicht
RudiLeuchtenbrink 06.01.2013
In Syrien sind das Freiheitskämpfer, in Pakistan werden diese Leute mit Drohnen gejagt. Der Feind meines Feindes....
2. Ich meine,
derandersdenkende 06.01.2013
Zitat von sysopBei einem US-Drohnenangriff sind in Pakistan mindestens acht Taliban getötet worden. Die amerikanischen Streitkräfte hatten mehrere Raketen auf zwei Anlagen der radikalislamischen Aufständischen gefeuert. Unter den Toten soll ein bekannter Terrorist sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/drohne-toetet-mehrere-taliban-a-876005.html
beim Drohneneinsatz verfolgt man das Ziel, möglichst viele Zivilisten zu töten. Immerhin meint man damit potentielle Aufständische zu treffen. Die Taliban siehe Libyen und Syrien hat man längst zu seinem Verbündeten gemacht.
3. Obama dumm und böse?
taglöhner 06.01.2013
Zitat von derandersdenkendebeim Drohneneinsatz verfolgt man das Ziel, möglichst viele Zivilisten zu töten. Immerhin meint man damit potentielle Aufständische zu treffen. Die Taliban siehe Libyen und Syrien hat man längst zu seinem Verbündeten gemacht.
Äh, wäre dann deren Einsatz nicht eher in Ballungsgebieten angezeigt? Der ist nämlich nicht ganz billig. Und was hätte die US-Regierung davon, Bauern und Hirten umzubringen?
4. Schon wieder die bösen Drohnen....
heinrich9 07.01.2013
Liebe Spon Redakteure, Drohnen töten nicht von alleine sondern es ist das US Militär, bzw. Friedensnobelpreisträger (sic!) Obama, bitte schreibt doch nicht mehr so einen Blödsinn. Daneben ist es sicher nicht zuviel verlangt in Zusammenhang mit solchen Artikeln auf die Völkerrechtswidrigkeit dieser menschenverachtenden Praxis hinzuweisen. Amerika und jeder Unterstützer solcher Tötungen hat jegliches Recht verloren von Rechtsstaatlichkeit und Völkerrecht zu sprechen.
5. Man muß Erfolge vorweisen
derandersdenkende 07.01.2013
Zitat von taglöhnerÄh, wäre dann deren Einsatz nicht eher in Ballungsgebieten angezeigt? Der ist nämlich nicht ganz billig. Und was hätte die US-Regierung davon, Bauern und Hirten umzubringen?
Und Bauern und Hirten kann man offensichtlich leichter umbringen. Mit AlQaida und Taliban scheint dies schwieriger zu sein, deshalb versucht man diese durch punktuelle Unterstützung zum Partner zu machen. Gleichzeitig sichert man damit die zukünftigen exorbitanten Profite des militärisch-industriellen Komplexes ab. Ich habe mich stets für die Internationale Ächtung der ABCD-Waffen eingesetzt. Die USA sind die einzige Nation die diese sämtlichst zur Tötung von Zivilisten eingesetzt haben und dies gehört international angeklagt und nicht durch einen Friedensnobelpreis für Herrn Obama belohnt!
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Fakten über Pakistan
Staatsgründung
REUTERS
Pakistan entstand 1947 aus den überwiegend muslimischen Teilen von Britisch-Indien. Zunächst bestand es aus den beiden Landesteilen West- und Ostpakistan, zwischen denen mehr als 1500 Kilometer Entfernung lagen. Beiden Teilen mangelte es jedoch an einer gemeinsamen nationalen Identität. Nach einem Krieg, bei dem Indien dem Osten half, entstand 1971 als neuer Staat Bangladesch .
Kaschmir-Konflikt
REUTERS
Seit der Staatsgründung führte Pakistan zwei große Kriege mit dem Nachbarn Indien um die Grenzregion Kaschmir , 1947/48 und 1965. Der Fürstenstaat Kaschmir hatte sich zunächst zu Indien zugehörig erklärt. Der islamische Staat Pakistan beanspruchte das überwiegend von Muslimen bewohnte Kaschmir jedoch für sich und gewann die Herrschaft über den westlichen und nördlichen Teil der Region. Doch auch Indien betrachtete Kaschmir als sein Territorium. Die von der Uno 1948 vorgeschlagene und vom indischen Premierminister versprochene Volksabstimmung, in der die kaschmirische Bevölkerung selbst über ihre Zukunft entscheiden sollte, wurde nie durchgeführt.

Seit den achtziger Jahren kämpfen im indischen Teil Kaschmirs muslimische Rebellen für die Unabhängigkeit der Region oder einen Anschluss an Pakistan. 1999 kam es wieder zu größeren militärischen Auseinandersetzungen mit mehreren hundert Toten, und 2001 standen die Atommächte Indien und Pakistan erneut am Rande eines Krieges. 2004 wurde ein Friedensprozess zwischen Neu-Delhi und Islamabad eingeleitet.

Der pakistanische Geheimdienst ISI steht im Verdacht, Kontakte zu islamistischen Terroristen zu pflegen. Indien wirft Pakistan die Unterstützung muslimischer Terroristen vor. Auch hinter der Anschlagserie in Mumbai 2008 vermutet Neu-Delhi islamistische Terroristen aus Pakistan.

Islam
AP
Mit der Verfassung von 1956 wurde Pakistan die erste islamische Republik der Welt. Der Islam ist Staatsreligion, gleichzeitig garantiert die Verfassung jedoch Religionsfreiheit. 96 Prozent der Pakistaner sind Muslime, der Präsident muss ebenfalls Muslim sein. Seit der Staatsgründung haben Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen über die Rolle des Islam im Staatsverständnis die Innenpolitik beherrscht.

Immer wieder gab es auch islamistische Tendenzen. So führte Diktator Zia ul-Haq die Scharia , die islamische Rechtsprechung, ein. 1997 erkannte Pakistan als erster Staat das extremistische Taliban -Regime in Afghanistan an und unterstützte es bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 . Während die Zentralregierung in Islamabad zu einem der wichtigsten Verbündeten der USA im Anti-Terror-Krieg avancierte, erstarkte die islamistische Opposition im Land.

Macht der Taliban
REUTERS
In den Stammesgebieten in der nordwestlichen Provinz an der Grenze zu Afghanistan hat die pakistanische Zentralregierung nur begrenzten Einfluss. Dort herrschen islamistische Extremisten und pakistanische Taliban , die sich teilweise auf die Hilfe der regionalen Stammesführer stützen. Die Enttäuschung über die korrupte staatliche Justiz und Verwaltung erhöhte die Attraktivität des Islamismus in der Bevölkerung.

Verstärkung erhielten die radikalen Islamisten von afghanischen Taliban aus den Reihen von Mullah Omar sowie Qaida -Kämpfern, die aus Afghanistan geflohen sind. Militante betreiben hier in Waziristan auch Ausbildungslager für international operierende Dschihadisten.

Kampf gegen die Extremisten
dpa
Die pakistanische Armee führte ab 2003 wiederholt Militäraktionen im Nordwesten gegen die Taliban - und Quaida -Terroristen durch. Als Reaktion verübten Terroristen verheerende Anschläge in pakistanischen Städten.

Die Amerikaner versuchen, die islamistischen Extremisten in ihren pakistanischen Verstecken mit ferngesteuerten Präzisionsraketen zu treffen. Doch diese Drohnen -Angriffe sind bei der Bevölkerung äußerst unpopulär und treiben die Menschen in die Arme der militanten Islamisten.

Das pakistanische Militär scheute zunächst die ernsthafte Konfrontation mit den Extremisten. Die Armee und der pakistanische Geheimdienst ISI haben diese Gruppierungen zum Teil Anfang der achtziger Jahre selbst aufgebaut, um im Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan mitzumischen, und haben sie später im Kaschmir-Konflikt eingesetzt. Und noch immer betrachten viele Offiziere die Taliban nicht als ihren eigentlichen Gegner – der wahre Feind sei Indien .

Um die Aufständischen in den Stammesgebieten ruhigzustellen, versuchte schon Präsident Pervez Musharraf , Abkommen mit ihnen zu schließen, und versagte. Im April 2009 scheiterte ein Friedensabkommen, das sein Nachfolger, Staatschef Asif Ali Zardari , ausgehandelt hatte: Die Taliban sollten die Waffen niederlegen und im Gegenzug in der Region Malakand, zu der das Swat-Tal und fünf weitere Distrikte gehören, die Scharia anwenden dürfen. Mit Hilfe des islamischen Rechts können sich die Taliban die Bevölkerung legal gefügig machen - wer sich gegen ihre Herrschaft auflehnt, wird geköpft. Statt einer Feuerpause brachten sie vom Swat-Tal aus mehrere Distrikte unter ihre Kontrolle und rückten bedrohlich nahe an die Hauptstadt Islamabad heran, bis die Armee im Frühjahr 2009 eingriff und die Gebiete zurückeroberte. Im Oktober 2009 begann das Militär außerdem einen Krieg gegen die Taliban in der Region Südwaziristan.

Atomwaffen
REUTERS
1985 wurde in Pakistan erstmals Uran angereichert, seit 1998 besitzt das Land nachweislich Atomwaffen : Nur Tage nach indischen Atomtests zündete Pakistan im Mai 1998 in der Nähe der unbewohnten Chagai-Berge erfolgreich Kernwaffen. Die genaue Zahl der atomaren Sprengköpfe ist nicht bekannt, aber es sollen 60 bis 100 sein, die an verschiedenen Stellen im Land gelagert und von rund 10.000 Soldaten bewacht werden.

Damit gehört Pakistan neben den fünf offiziellen Atommächten USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China sowie Indien, Israel und Nordkorea zum Kreis der neun Nuklearmächte, was die Bedeutung des verarmten Landes stark erhöht.

Militärbeobachter befürchten, Nuklearwaffen aus dem pakistanischen Waffenarsenal könnten aufgrund der Instabilität des Landes in die Hände von Extremisten fallen. Diese hätten damit ein Mittel in der Hand, dem Westen ihre Bedingungen zu diktieren. Geschürt wird die Angst vor diesem Horrorszenario dadurch, dass die Taliban in den vergangenen Monaten ihre Basis in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan ausgebaut haben. Im April 2010 rückten sie bis auf 100 Kilometer Entfernung auf die Hauptstadt Islamabad vor, bevor sie vom pakistanischen Militär zurückgedrängt wurden.


SPIEGEL ONLINE

Fläche: 796.000 km²

Bevölkerung: 184,753 Mio. Einwohner

Hauptstadt: Islamabad

Staatsoberhaupt:
Mamnoon Hussain

Regierungschef: Nawaz Sharif

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