Experten-Warnung USA bekommen Konkurrenz im Drohnenkrieg

Die tödlichen Drohneneinsätze der Obama-Regierung könnten die USA in einen dauerhaften Krieg verwickeln. Davor warnt ein hochrangiges Gremium von ehemaligen Geheimdienst- und Militäroffizieren. Andere Staaten könnten die Strategie kopieren.

Predator-Drohne: US-Strategie könnte anderen Staaten als Vorbild dienen
DPA

Predator-Drohne: US-Strategie könnte anderen Staaten als Vorbild dienen


Hamburg - Eine Gruppe von Ex-Geheimdienstlern und Ex-Militärs will die US-Regierung von ihrem Drohnenkurs abbringen. Laut einem Bericht der "New York Times" warnen die Experten vor den Risiken dieser Art der Kriegsführung. Der Einsatz von unbemannten Flugkörpern zur gezielten Tötung von Menschen könne zu einem endlosen Krieg führen. Die Strategie könne anderen Staaten als Vorbild dienen.

Den Mahnern gegen den Drohnenkrieg gehören eine Vielzahl früherer Pentagon- und CIA-Mitarbeiter an. Sie werden angeführt von dem pensionierten General John P. Abizaid, ehemaliger Chef des US-Zentralkommandos, und Rosa Brooks, Jura-Professorin in Washington.

Nach mehr als einem Jahrzehnt Drohnenkrieg müsse Washington jetzt eine Bilanz ziehen, fordern die Experten. Es müsse eine Antwort auf die Frage geben, ob die Kosten der Tötungskommandos den Nutzen aufwiegen. Die Öffentlichkeit müsse erfahren, wie viele Zivilisten und wie viele Militante durch Drohnenangriffe ums Leben gekommen seien.

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Pannen bei der US-Air-Force: Wenn Drohnen vom Himmel fallen
Die USA setzen immer wieder - etwa in Pakistan - Kampfdrohnen ein, um mutmaßliche islamistische Extremisten zu bekämpfen. Weil dabei häufig Zivilisten sterben, ist das Vorgehen äußerst umstritten. Die US-Regierung besteht aber darauf, dass die Drohneneinsätze legal seien. Und erfolgreich: Das Terrornetzwerk al-Qaida sei dadurch massiv geschwächt worden.

Noch ist der Bericht nicht öffentlich. Er soll erst im Lauf des Donnerstags im Stimson Center, einem überparteilichen Think Tank in Washington, vorgestellt werden. Die "New York Times" zitiert vorab aus dem Report. Demnach wird darin vor allem der Aspekt kritisch gesehen, dass die US-Regierung die Drohneneinsätze nach wie vor strikter Geheimhaltung unterwirft.

Keine grundsätzliche Ablehnung

Zudem wird die Frage aufgeworfen, ob die Tötungskommandos nicht am Ende womöglich dazu führen, dass sich immer mehr Menschen radikalisieren. "Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die US-Strategie der Zerstörung von al-Qaida das Wachstum des sunnitischen Extremismus gedämpft hat", heißt es laut "NYT" weiter.

Der Bericht verurteilt Drohneneinsätze nicht grundsätzlich. Es gebe etwa deutliche Hinweise darauf, dass durch diese Angriffe weniger Zivilisten ums Leben kämen, als durch Attacken konventioneller Kampfflugzeuge. Auch bewahrheite sich offenbar nicht die Befürchtung, dass der Krieg mit Drohnen zu einer "Play-Station-Mentalität" bei den Piloten führe, die ihre Ziele per Joystick und Monitor anvisieren. Offenbar ist das Gegenteil der Fall, heißt es der "NYT" zufolge in dem Bericht. Weil die Piloten ihre Ziele oftmals über Tage oder Wochen beobachten, bevor sie den Abzug drücken, sind sie sogar anfälliger für posttraumatischen Stress.

Die Kritik der Experten entzündet sich eher daran, dass zwei aufeinanderfolgende US-Präsidenten, George W. Bush und Barack Obama, ein "Langzeit-Tötungsprogramm" verfolgt haben, ohne sich ausreichend mit den möglichen Konsequenzen zu befassen.

Was, wenn andere Länder identisch handeln? Um das Problem zu illustrieren, überträgt der Bericht die amerikanische Strategie auf eine aktuelle Krisenregion. Was wäre, wenn Russland Drohnen in der Ukraine mit der Begründung einsetzen würde, dort anti-russische Terroristen zu eliminieren? Und was, wenn es anschließend die Herausgabe von Unterlagen zu dem Schlag verweigern würde? "Wie könnten," fragt der Bericht, "die Vereinigten Staaten glaubwürdig gezielte russische Tötungen verurteilen?"

ler

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