In Kriegsgebieten und in den USA Mehr als 400 US-Drohnen seit 2001 abgestürzt

Technisches Versagen, schlechtes Wetter, falschen Knopf gedrückt: 418 US-Drohnen sind nach Recherchen der "Washington Post" in den vergangenen zwölf Jahren vom Himmel gefallen. Einige verpassten um wenige Meter eine große Katastrophe.

DPA

Sie fielen in Seen, krachten in Gebirge, auf Farmen und sogar in ein bemanntes Flugzeug: Zwischen dem Jahr 2001 und Ende 2013 sind 418 US-Drohnen abgestürzt, nicht nur in Kriegsgebieten, sondern auch auf heimischem Boden.

Das berichtet die "Washington Post", die mehr als 50.000 Seiten mit Unfallberichten untersuchte. Demnach hätten die unbemannten Flugzeuge wegen technischer Defekte, menschlichen Versagens, schlechtem Wetter und aus anderen Gründen versagt. Die Drohnen seien auch in Häuser, Farmen, Landebahnen, in Berge oder ins Wasser gekracht. Nach Angaben der "Washington Post" gab es keine tödlichen Vorfälle, aber diese wurden bei den untersuchten Abstürzen teilweise nur knapp vermieden.

Eine Drohne soll mitten in den Schulhof einer Grundschule gestürzt sein - kurz nachdem die Schüler nach Hause gegangen waren. Eine fiel in den Lake Ontario. Der gefährlichste Unfall ereignete sich im August 2011 in Afghanistan: Die Drohne flog direkt in ein bemanntes Air-Force-Flugzeug. Der linke Flügel war getroffen, Treibstoff trat aus. Der Pilot konnte das Flugzeug schnell landen, niemand wurde getötet oder auch nur verletzt.

Falschen roten Knopf gedrückt

Neben technischen Unzulänglichkeiten und Defekten macht der Bericht fehlende Kollisions-Warnsysteme, Pilotenfehler und die immer wieder zusammenbrechende Satellitenverbindung zwischen Pilot und Drohne verantwortlich. fast die Hälfte der Drohnen vom Typ "Predator", die die US-Air Force kaufte, waren in einen größeren Unfall verwickelt. Insgesamt hat das US-Militär 10.000 Drohnen.

In den von Air Force, Army, Navy und Marine zur Verfügung gestellten Dokumenten werden auch Pilotenfehler beschrieben: Eine Drohne sei abgestürzt, weil der Pilot nicht gemerkt habe, dass sie über Kopf fliegt. Eine stürzte ab, weil der Pilot den falschen roten Knopf auf seinem Joystick drückte, der das Flugobjekt ins Trudeln brachte. Einige der Drohnen, vor allem in abgeschiedenen Gebieten, wurden nie mehr wiedergefunden.

Auch in Deutschland landete Drohne auf der Autobahn

Die USA, die Drohnen seit Jahren für Angriffe im Anti-Terror-Kampf und zur Überwachung einsetzen, haben die Maschinen auch für Flüge über bewohnten Gebieten stets als sicher eingestuft. Kommerzielle Flüge sollen in Zukunft ansteigen: So kann sich unter anderem der Internet-Versandhändler Amazon vorstellen, irgendwann einmal Drohnen nutzen, um Waren an den Kunden direkt auf die Türschwelle liefern zu lassen.

Ebenfalls am Freitag war bekannt geworden, dass auch in Deutschland eine Drohne fast einen schwereren Unfall verursacht hätte: Beim Mähen des Mittelstreifens der A392 hat ein Arbeiter eine fünf Kilo schwere Drohne gefunden. Man vermute, dass das Fluggerät beim Kreuz Ölper notgelandet sei, nachdem es den Kontakt zur Fernsteuerung verloren habe. "Glücklicherweise ist sie wohl sanft zu Boden gegangen und hat bei der Landung keine Unfälle verursacht", sagte ein Polizeisprecher.

Der Besitzer wird gebeten, sich zu melden.

mia/AFP

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