Drohnenangriff in Afghanistan Isaf-Kommandeur bedauert Tod eines Kindes

Hamid Karzai verschärft den Ton. Der afghanische Präsident hat den Tod eines Kindes bei einem US-Drohnenangriff gegen Taliban verurteilt. Jetzt drücken Nato und Isaf ihr Bedauern aus. Der Streit zwischen den Regierungen in Washington und Kabul eskaliert.

Isaf-Kommandeur Joseph F. Dunford (Archivbild): "Tiefes Bedauern"
AFP

Isaf-Kommandeur Joseph F. Dunford (Archivbild): "Tiefes Bedauern"


Kabul - Ein Nato-Bombardement in Afghanistan gefährdet das ohnehin umstrittene Sicherheitsabkommen des Landes mit den USA. Die Militärallianz sah sich am Freitag zu einer Entschuldigung genötigt, nachdem Afghanistans Präsident Hamid Karzai den Tod eines zweijährigen Jungen bei dem US-geführten Luftangriff scharf verurteilt hatte.

"Solange solche willkürlichen Taten und die Unterdrückung durch ausländische Truppen andauern, wird das Sicherheitsabkommen mit den Vereinigten Staaten nicht unterzeichnet", sagte der afghanische Präsident Hamid Karzai laut einer Mitteilung vom Freitag. "Dieser Angriff zeigt, dass die amerikanischen Truppen das Leben und die Sicherheit des afghanischen Volkes und die Entscheidung der Loja Dschirga nicht respektieren." Karzais Büro erklärte, eine US-Drohne habe am Donnerstag in der Provinz Helmand ein Wohnhaus beschossen. Dabei seien ein zwei Jahre alter Junge getötet und zwei Frauen verletzt worden.

Die Nato bestätigte am Freitag die Ereignisse vom Vortag und versicherte, sie bedaure "jedes zivile Opfer durch diesen Luftangriff zutiefst". Aus der Internationalen Schutztruppe Isaf hieß es, Kommandeur Joseph Dunford habe Karzai angerufen und "tiefes Bedauern über den Vorfall" ausgedrückt. Ziel des Angriffs sei ein mittlerer Taliban-Kommandeur gewesen. Es sei kein Haus, sondern eine Straße getroffen worden. "Unglücklicherweise waren die zivilen Opfer in der Nähe." Dunford habe eine gemeinsame Untersuchung zugesagt. Ein Vertreter von Helmands Provinzregierung sagte, der Taliban-Kommandeur sei offenbar bei einem zweiten Luftschlag getötet worden.

Eine Große Ratsversammlung (Loja Dschirga) in Kabul hatte dem Abkommen am Sonntag im Kern zugestimmt und Karzai ebenfalls zu einer Unterzeichnung noch in diesem Jahr aufgefordert. Die Delegierten sprachen sich allerdings unter anderem dafür aus, dass ausländische Truppen nicht mehr in afghanische Häuser eindringen dürften. Karzai stellte anschließend diese und weitere Forderungen an die USA. Washington betont dagegen, das Abkommen sei fertig ausgehandelt.

Das Sicherheitsabkommen regelt den Verbleib von US-Soldaten in Afghanistan nach dem Abzug aller ausländischen Kampftruppen bis Ende 2014. Mehrere tausend von ihnen sollen dort bleiben, um einheimische Sicherheitskräfte auszubilden und zu beraten. Das Abkommen würde unter anderem US-Soldaten Immunität vor der afghanischen Justiz garantieren.

bos/dpa/AFP

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