Drohneneinsatz im Gazastreifen Stille Waffe

Sechs Wochen lang wollen Palästinenser im Gazastreifen an Flucht und Vertreibung vor 70 Jahren erinnern. Der Auftakt der Aktion war blutig und zeigte, wie Israel neue Technologie einsetzt, um Nahkämpfe zu vermeiden.

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Am Tag danach ist das ganze Ausmaß zu sehen - es ist verheerend. Israels Sicherheitskräfte haben am Freitag mindestens 15 Palästinenser erschossen, mehr als 1400 Menschen wurden verletzt. Tausende Männer, Frauen und Kinder hatten entlang der Grenze zu Israel demonstriert.

Das israelische Militär sagt, Demonstranten hätten Steine geworfen, Reifen in Brand gesetzt und versucht, die Grenzanlage zu beschädigen. Sie wirft der radikalislamischen Terrororganisation Hamas, die seit 2007 in der Mittelmeerenklave herrscht, gezielte Provokationen vor. "Was wir gestern gesehen haben, war ein organisierter Terrorakt", sagte ein Armeesprecher.

Es habe auch Versuche gegeben, Raketen auf Israel abzufeuern. Nur aktive Gewalttäter seien getötet worden, keine friedlichen Demonstranten, betonte er. Die Vereinten Nationen fordern eine unabhängige Untersuchung. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte nach den Konfrontationen an der Grenze zu Israel einen Tag der Trauer ausgerufen.

Erster Tag von vielen Wochen

Dass die Gewalt schnell endet, scheint unwahrscheinlich. Der Grund: Die Demonstrationen am gestrigen Freitag waren Teil der Protestaktion "Marsch der Rückkehr". Diese soll sechs Wochen lang, bis Mitte Mai, dauern.

Anlass sind die Feiern zum 70. Jahrestag der Gründung Israels. Die Palästinenser begehen den 15. Mai als "Tag der Nakba" ("Tag der Katastrophe"), da im ersten Nahostkrieg 1948 rund 700.000 Palästinenser flohen oder vertrieben wurden. (Hier lesen Sie mehr zu den Hintergründen.)

Die israelische Armee hatte - wie bereits zuvor in ähnlichen Situationen - ihre Truppen entlang der Mittelmeerenklave aufgestockt und unter anderem mehr als hundert Scharfschützen in den Süden des Landes geschickt.

Drohneneinsatz in der Probephase

Neu war, dass die israelischen Sicherheitskräfte - auch die Grenzpolizei war am Freitag vor Ort - nicht mehr allein auf Mannschaften am Boden setzten, sondern auch Drohnen zum Versprühen von Tränengas nutzten. Diese sollen in Höhe von zehn bis 20 Metern über der Menschenmenge geflogen sein.

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Proteste im Gazastreifen: Tränengas und Scharfschützen

Die israelischen Sicherheitskräfte hatten nach Angaben der Tageszeitung "Haaretz" diese stille Waffe erstmals am zweiten Märzwochenende dieses Jahres bei Unruhen am Grenzzaun des Gazastreifens erprobt. Ein Militärsprecher sagte damals, der Drohneneinsatz befinde sich noch in der Probephase.

Die Vorteile bei der Nutzung von Drohnen aus Sicht Israels: Die eigenen Soldaten und Polizisten können die Hightechgeräte aus der Ferne steuern, begeben sich selbst nicht in Gefahr.

Hohe Alarmbereitschaft

Die israelische Armee ist auch am Wochenende weiter in hoher Alarmbereitschaft. Es gebe Geheimdienstinformationen, dass militante Palästinenserorganisationen die Proteste für Anschläge auf israelische Ziele nutzen wollten, erklärte ein Sprecher.

"Wir werden kein Vordringen von Massen auf unser Gebiet erlauben", sagte er. Sollten die Proteste wie angekündigt in den nächsten Tagen und Wochen andauern, "werden wir keine Wahl haben, als auch innerhalb des Gazastreifens zu reagieren", so der Sprecher weiter.

dop/dpa/AFP



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