Drohnenkrieg in Afghanistan Nato stationiert leise Killer im Bundeswehrgebiet

Sie sind unbemannt, leise und tödlich präzise: Erstmals stationiert die Nato im Gebiet der Bundeswehr in Afghanistan vier Kampfdrohnen vom Typ "Gray Eagle". Von Masar-i-Scharif aus sollen sie mit Live-Bildern und "Hellfire"-Raketen bei der Jagd auf Taliban-Kämpfer eingesetzt werden.

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Drohne "Gray Eagle": Tödlich präzise
General Atomics

Drohne "Gray Eagle": Tödlich präzise


Berlin - Zur Unterstützung der meist von US-Spezialeinheiten geführten Jagd auf Taliban und andere Terrorgruppen im Einsatzgebiet der Bundeswehr können in Zukunft verstärkt bewaffnete Drohnen eingesetzt werden. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE werden ab Ende des Jahres vier unbemannte Drohnen vom Typ "Gray Eagle" auf dem Flughafen des deutschen Camps in Masar-i-Scharif in Nordafghanistan stationiert. Sie sollen nach einer Testphase von einigen Monaten im Jahr 2012 die ersten Missionen fliegen.

Grundsätzlich sind die unbemannten Drohnen, die mit vier Raketen vom Typ "Hellfire" oder acht "Stingers" bestückt werden können, in ganz Afghanistan einsetzbar. Mit rund 250 Kilometern pro Stunde können sie innerhalb von kurzer Zeit jeden Ort im Land am Hindukusch erreichen.

Aus dem Isaf-Hauptquartier war allerdings zu hören, dass die Drohnen vor allem bei den in den letzten Monaten verstärkten Operationen gegen Taliban-Kommandeure und andere Terror-Gruppen wie das Haqqani-Netzwerk im Einsatzgebiet der Bundeswehr verwendet werden sollen.

Die in Nordafghanistan eingesetzten US-Spezialkräfte haben ihre Jagd auf solche Ziele im laufenden Jahr immer mehr intensiviert. Fast jede Nacht gibt es solche Operationen. Dabei wurden in den vergangenen Monaten Dutzende mutmaßliche Taliban-Führer getötet und Hunderte festgenommen. Bei ihren Missionen werden die Special Forces fast immer durch Drohnen oder andere Aufklärungsflugzeuge unterstützt - sowohl bei der Vorbereitung als auch bei der Ausführungen der Operationen sind die "fliegenden Augen" unerlässlich.

Die "Gray Eagle " ist eine Weiterentwicklung der für ihre tödliche Präzision bekannten "Predator"-Drohne, mit der die US-Armee militärische Ziele in Häusern oder auch in fahrenden Autos angreift. Insgesamt 36 Stunden kann das unbemannte Flugzeug mit einer Spannweite von 17 Metern in der Luft bleiben. Durch die Flughöhe von bis zu 7600 Metern bleibt die knapp anderthalb Tonnen schwere Drohne am Boden fast immer unbemerkt. Meist hört man dort nur ein leichtes Surren des mit Kerosin angetriebenen Flugkörpers.

Die Hightech-Waffe ist in den letzten Jahren zu einem unersetzlichen Instrument der US-Armee geworden. Mit empfindlichen Sensoren und hochauflösenden Kameras, die Live-Bilder senden, kann sie die Spezialkräfte sowohl bei Operationen mit Luftbildern versorgen als auch direkt Raketen abfeuern. Per Joystick können Piloten am Boden jede Bewegung verfolgen, selbst in der Dunkelheit liefern Nachtsichtlinsen und Wärmesensoren gestochen scharfe Bilder aus dem Operationsgebiet.

Die Bundeswehr selbst hat mehrere Typen von unbemannten Drohnen, diese dienen allerdings nur der Überwachung und sind unbewaffnet. Die "Gray Eagle", die nun im Camp Marmal in Masar-i-Scharif stationiert werden sollen, werden allerdings von der Kommandozentrale der Nato in Kabul geführt. Die Deutschen können über den Kommandostrang nach Kabul auch Drohnen für laufende Operationen anfordern. Dies ist vor allem bei Operationen im Raum Kunduz in der Vergangenheit mehrmals passiert. Die gezielte Jagd auf die Taliban überlässt die Bundeswehr im Norden jedoch den US-Kräften.

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sitiwati 02.12.2011
1. Prima,
Zitat von sysopSie sind unbemannt, leise*und tödlich präzise: Erstmals stationiert die Nato im Gebiet der Bundeswehr in Afghanistan vier Kampfdrohnen vom Typ "Gray Eagle". Von Masar-i-Scharif aus sollen sie mit Live-Bildern und "Hellfire"-Raketen bei der Jagd auf Taliban-Kämpfer eingesetzt werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,801336,00.html
auch im Falle, wenn die Friedenstruppen nicht mehr in AFG hat man sicher vorher ein paar der Dinger versteckt installiert, die kann man dann aus dem Lagecentrum in Potsdam steuern, für was hat man denn 7.000.000.000 € ins neue Kommunikationssystem investiert !
nachdenklich1 02.12.2011
2. Vorstellung
Zitat von sysopSie sind unbemannt, leise*und tödlich präzise: Erstmals stationiert die Nato im Gebiet der Bundeswehr in Afghanistan vier Kampfdrohnen vom Typ "Gray Eagle". Von Masar-i-Scharif aus sollen sie mit Live-Bildern und "Hellfire"-Raketen bei der Jagd auf Taliban-Kämpfer eingesetzt werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,801336,00.html
Man stelle sich vor man wohnt in einem Rechtsstaat (Schutzmacht ISAF) und über einem kreisen in 7600 m Höhe Drohnen, die durch Joystickspieler aus der Ferne bedient werden und auf alles schießen, was sich am Boden bewegt und halbswegs wie ein böser Taliban aussieht.... Gerichtsurteile unwichtig, danebenschießen ist nur ein vertretbarer Kollateralschaden und kann schon mal im Sinne der guten Sache passieren.... Geht nur in der 3. -4. Welt.
ZiehblankButzemann 02.12.2011
3. Soweit ich mich erinnern kann...
... habe ich in letzter Zeit schon mindestens 2 Beiträge zum Thema Drohnen geschrieben. Waren aber wohl nicht lieblich genug. Ist aber auch nicht wirklich ein freundliches Thema. In einem aktuellen Wissenschaftsmagazin wird sich auch mit dem Thema Obama und seine Rolle, was Drohneneinsätze angeht, beschäftigt.
ratxi 02.12.2011
4. Titel unbemannt
Zitat von sitiwatiauch im Falle, wenn die Friedenstruppen nicht mehr in AFG hat man sicher vorher ein paar der Dinger versteckt installiert, die kann man dann aus dem Lagecentrum in Potsdam steuern, für was hat man denn 7.000.000.000 € ins neue Kommunikationssystem investiert !
Ich bin sehr gespannt, wann der erste Hacker das "Steuer übernimmt" von so einer Drohne, und sich dann ein kleines "Späßchen" damit gönnt. Klar, völlig unmöglich, wird man sagen. Demnach war es wohl immer vorgesehen, dass Hacker in´s Pentagon eindringen können...
wika 02.12.2011
5. Ja unbedingt …
… wo könnte man besser mit diesen teilen üben als in Afghanistan. *Das Thema Präventivtötung* (http://qpress.de/2010/07/27/praventivtoetung/) wird ja immer populärer. Und wenn man dann genügend in fernen landen geübt hat, dann müssen wir nur hier noch einige unliebsame Leute zu Terroristen umdeklarieren und schwups haben wir die neue Rechtsstaatlichkeit ohne Klagen und Fragen auch im eigenen Lande. Man muss halt immer das positive in diesen tollen Entwicklungen sehen und zur Beherrschung unartiger Massen ist ein ausgezeichnetes Instrument, kann man doch parallel zur Aufzeichnung der Unartigkeiten auch sogleich mit einer Hellfire ein wenig korrigierend eingreifen. Sind wir gut?! Meine Begeisterung kennt nahezu keine Grenzen … wie diese Drohnen übrigens auch nicht.
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