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Brief an Obama: Ex-Piloten geben US-Drohnenkrieg Mitschuld an Terror

US-Drohne in Afghanistan: Kritik von Ex-Piloten Zur Großansicht
AFP

US-Drohne in Afghanistan: Kritik von Ex-Piloten

Vier ehemalige Mitglieder der US-Luftwaffe haben einen offenen Brief an Barack Obama geschrieben. Darin bezeichnen sie den Drohnenkrieg als "eine der verheerendsten Triebfedern des Terrorismus".

Der Brief ist an US-Präsident Barack Obama adressiert, an US-Verteidigungsminister Ashton B. Carter und an CIA-Chef John O. Brennan. Geschrieben haben ihn vier ehemalige Drohnenpiloten der US-Luftwaffe. Sie üben darin heftige Kritik am Drohnenkrieg ihrer Regierung in Afghanistan, dem Irak und anderen Krisenregionen. Das berichten der britische "Guardian" und "Zeit Online".

Das Töten unschuldiger Zivilisten befeuere Hassgefühle, die den Terrorismus und Gruppen wie den "Islamischen Staat" (IS) antreiben, heißt es in dem Schreiben. Der Drohnenkrieg wirke wie ein "Rekrutierungsprogramm für Terroristen". Er sei "eine der verheerendsten Triebfedern des Terrorismus und der Destabilisierung weltweit".

Einer der vier Unterzeichner des Briefes ist Brandon Bryant. Fünf Jahre lang steuerte er Kampfdrohnen aus der Ferne, tötete Dutzende Menschen - bis er eines Tages nicht mehr so weitermachen wollte, hinschmiss und öffentlich über Details seiner Arbeit sprach. Seitdem ist der Whistleblower auf der Flucht. Der 30-Jährige denkt offenbar darüber nach, in Deutschland politisches Asyl zu beantragen.

"Die Regierung ließ uns fallen"

Im April hatte der SPIEGEL enthüllt, dass ein umstrittener Part der US-Kriegsführung in Deutschland stattfindet. Bryant hatte bereits 2013 über die Rolle Ramsteins als zentralem Datenknotenpunkt gesprochen. Im Oktober sagte er als Zeuge im NSA-Untersuchungsausschuss in Berlin aus.

"Jeder Einzelne von uns entwickelte eine posttraumatische Belastungsstörung, als die Schuld zu groß wurde", heißt es in dem Brief. Sie seien mit ihrer Rolle beim "systematischen Zerstören unschuldiger Leben" nicht klargekommen. "Aber die Regierung, der wir so viel gegeben hatten, ließ uns fallen."

Ein weiterer Vorwurf: Über die Effektivität des Drohnenprogramms sei gelogen worden. Die Gefahr für Zivilisten wurde offenbar heruntergespielt. Das Londoner Bureau of Investigation hatte bereits vor Jahren Drohnenangriffe in Pakistan analysiert. Demnach kamen bei mehr als 300 Angriffen etwa 2400 Menschen ums Leben - mindestens 400 davon Zivilisten.

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Zu ihrer Motivation, den Brief zu veröffentlichen, schreiben die vier Ex-Piloten: "Wir können Tragödien wie den Anschlägen von Paris nicht einfach schweigend zusehen, während wir die verheerenden Effekte kennen, die das Drohnenprogramm hat."

Bryant und Cian Westmoreland, ein weiterer Unterzeichner des Briefes, kommen auch in einem Film über das US-Drohnenprogramm zu Wort. "Im Moment erscheint es politisch sinnvoll", sagte Westmoreland laut "Guardian". Aber auf lange Sicht werde es sich als Fehler erweisen.

"Wir müssen verhindern, dass solche Menschen geschaffen werden", sagte Bryant über die Attentäter von Paris. Aber im Moment halte man den Kreislauf der Gewalt am Leben.

Der Brief schließt laut "Zeit Online" mit den Worten: "Wir fordern Sie auf, Ihre Perspektive zu überdenken, auch wenn eine solche Bitte angesichts der beispiellosen Verfolgung von Whistleblowern, die uns vorangegangen sind - wie zum Beispiel Chelsea Manning, Julian Assange und Edward Snowden - womöglich vergeblich ist. Im Interesse dieses Landes hoffen wir jedoch, dass es sich nicht so verhält."

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1. Feige, feiger, am feigsten?
foerensauth 19.11.2015
Drohnenanschläge sind wohl so wie Selbstmordattentate - nur ohne Selbstmord. Das könnte einem fast Respekt vor den Attentätern abnötigen. Braucht es aber nicht, denn wir sind schließlich die "good guys", oder?
2. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen
Dramaturg 19.11.2015
Außer, dass unsere Regierung diesen Brief aufmerksam lesen und endlich die richtigen Konsequenzen ziehen sollte!!!
3. das Offensichtliche
Tingletangle 19.11.2015
wird endlich ausgesprochen. Wer diese Zusammenhänge nicht erkennt muss schon sehr blind sein. Wer sie leugnet, macht sich mitschuldig. Empfohlene Lektüre hierzu: "The Drone Papers" von Glenn Greenwald auf der Seite Intercept.
4. ...
mb1978 19.11.2015
Wenn es nicht im Interesse der USA liegen würde die Spirale der Gewalt aufrecht zu erhalten, hätte sich bereits vieles geändert.
5. Nachvollziehbar.
Trolf77 19.11.2015
Wenn ich nur noch diese Wahl hätte, würde ich auch lieber von einem Menschen getötet werden als von einer gesichtslosen Maschine. Möglicherweise nehmen Hass- und Schuldgefühle umso mehr zu, je weniger man dem Gegner "in die Augen schauen" kann.
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