Drohnenschlag gegen Taliban-Führer Pakistan bestellt US-Botschafter ein

Nach dem US-Drohnenschlag gegen Taliban-Chef Hakimullah Mehsud muss sich der US-Botschafter in Pakistan vor der Regierung erklären. Die Nato-Truppen in der Region sind alarmiert: Aus Protest könnten die Versorgungslinien über den Khyber-Pass gekappt werden.


Islamabad - Um offiziell gegen den tödlichen US-Drohnenschlag zu protestieren, bei dem Hakimullah Mehsud getötet wurde, hat die pakistanische Regierung den US-Botschafter einbestellt. Innenminister Chaudhry Nisar sprach von Mord und einem Versuch der USA, die geplanten Friedensgespräche mit den Taliban zu blockieren. An diesem Samstag sollten die Gespräche über einen möglichen Frieden mit den Taliban beginnen. Nun werde jeder Aspekt der Zusammenarbeit mit den USA auf den Prüfstand gestellt.

Hakimullah Mehsud galt als einer der gefährlichsten Terroristen des Landes. Er war am Freitag in Nord-Waziristan von einer US-Drohne getötet worden. Der Mann soll Hunderte Anschläge gegen Polizisten, Soldaten und Zivilisten angeordnet haben. Die USA hatten ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt.

"Die Ermordung Hakimullahs ist der Mord an allen Bemühungen, Frieden zu schließen", sagte Nisar. "Die Amerikaner sagen, dass sie uns dabei unterstützen, Frieden zu schaffen. Ist das ihre Art der Unterstützung?" Dass Mehsud von der US-Drohne getötet wurde, sei unerheblich, sagte Nisar. "Die pakistanische Regierung sieht diesen Drohnenangriff nicht als Angriff auf ein Individuum, sondern als Angriff auf den Friedensprozess."

Nato-Versorgungsroute in Gefahr

Die Regierung in Islamabad hat wiederholt die Angriffe der US-Luftwaffe und des Geheimdienstes CIA mit unbemannten Flugzeugen auf ihrem Staatsgebiet verurteilt.

Die Provinzregierung von Khyber Pakhtunkhwa drohte mit einer Unterbrechung der Nato-Versorgungslinien ins benachbarte Afghanistan. Ein Sprecher der Provinzregierung von Khyber Pakhtunkhwa erklärte, das Provinzparlament werde am Montag darüber abstimmen, ob die Nachschubwege der Nato nach Afghanistan gekappt werden sollten. Eine der wichtigsten Versorgungsrouten läuft über den Khyber-Pass.

Nach unbestätigten Meldungen hatte Mehsud vor seiner Tötung an einem Treffen mit 25 Taliban-Anführern teilgenommen, bei dem es um die Haltung zum Gesprächsangebot der Regierung ging. Ein Sprecher der Islamistengruppe kündigte Vergeltungsangriffe an: "Jeder Tropfen seines Blutes wird sich in einen Selbstmordattentäter verwandeln."

Taliban suchen Nachfolger

Nach der Tötung ihres Anführers Mehsud suchen die pakistanischen Taliban einen Nachfolger. Der oberste Rat der Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP), die sogenannte Schura, traf sich am Samstag an einem geheimen Ort zu entsprechenden Beratungen. Die Gespräche könnten einige Zeit andauern, "die Mitglieder der Schura wechseln ständig den Ort ihrer Versammlung", sagte ein Taliban-Kommandeur der Nachrichtenagentur AFP. Die Islamisten wollten so die Gefahr von Angriffen durch US-Drohnen mindern.

Mehsud hatte im August 2009 die Führung der Taliban übernommen, nachdem sein Vorgänger und Mentor Baitullah Mehsud ebenfalls bei einem Drohnenangriff getötet worden war. Auch dessen Vorgänger war auf diese Art zu Tode gekommen.

jul/Reuters/AFP/dpa



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insgesamt 158 Beiträge
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carolian 02.11.2013
1. Mord ist Mord,
egal, ob er von den US-Geheimdiensten oder anderen Terroristen begangen wird.
rolandjulius 02.11.2013
2. Die Drohnenherrschaft
Bei dreitausend Drohnen-einsetzen wurden circa dreißig tausend Menschen getötet. Das klingt bei mir nach Massenmord.
ShieTar 02.11.2013
3.
Zitat von sysopDPANach dem US-Drohnenschlag gegen Talibanchef Hakimullah Mehsud muss sich der US-Botschafter in Pakistan vor der Regierung erklären. Die Nato-Truppen in der Region sind alarmiert: Aus Protest könnten die Versorgungslinien über den Khyber-Pass gekappt werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/drohnenschlag-gegen-taliban-pakistan-bestellt-us-botschafter-ein-a-931454.html
Von was soll er sonst sprechen wenn Menschen in seinem Land von Ausländern getötet werden, ohne das Pakistan mit dem Herkunftsland der Drohne im Krieg wäre? Und warum meint Spiegel Online, hier wären Anführungszeichen angebracht?
judasmüller 02.11.2013
4. Hat Pakistan kein Militär?
So eine Drohne dürfte sich doch auch abschiessen lassen, oder?
ShieTar 02.11.2013
5.
Zitat von judasmüllerSo eine Drohne dürfte sich doch auch abschiessen lassen, oder?
Im Prinzip, ja. Wenn man es auf einen Krieg gegen die USA ankommen lässt. Das dürfte aber für Pakistan in absehbarer Zukunft noch keine Option sein.
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