US-Reaktion auf Drohungen Obama will Kim abschrecken

Droht ein neuer Krieg in Korea? Barack Obama lässt wegen der Drohungen von Diktator Kim Jong Un am 38. Breitengrad aufrüsten - mit Tarnkappenbombern und Zerstörern. Doch auch der US-Präsident weiß: Ohne China geht gar nichts.

Präsident Obama an der Grenze zu Nordkorea (2012): "Keine Truppenbewegungen"
AP

Präsident Obama an der Grenze zu Nordkorea (2012): "Keine Truppenbewegungen"

Von , Washington


Beim letzten Mal riskierten Chinesen und Nordkoreaner den Dritten Weltkrieg, während Amerikas wichtigster General den Einsatz der Atombombe erwog. Beides konnte glücklicherweise verhindert werden. Nach drei Jahren Krieg um Korea stand man sich wieder am 38. Breitengrad gegenüber. Also dort, wo der Kampf 1950 begonnen hatte.

60 Jahre liegt der Korea-Krieg zurück, doch der Konflikt um die Halbinsel wurde über all die Jahre nie entschärft. Im Gegenteil: Jetzt droht der Kalte Krieg am 38. Breitengrad erneut ein heißer zu werden. "Zutiefst besorgt" zeigt sich Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon, der Südkoreaner: "Die Krise ist schon zu weit fortgeschritten. Nukleare Drohungen sind kein Spiel."

Amerika bereitet sich vor

Überreizt Nordkoreas kommunistischer Diktator Kim Jong Un? Wann greift Amerika ein, die Schutzmacht Japans und Südkoreas? Schritt für Schritt eskaliert der Diktator schon seit Februar die Lage, seit seinem dritten Atomtest. Südkorea, mit dem es nie einen Friedensvertrag gab, hat er am Samstag den Kriegszustand erklärt, den USA droht er mit einem nuklearen Angriff. Am Dienstag kündigte das Regime an, seinen Atomreaktor in der Anlage Yongbyon wieder in Betrieb zu nehmen. Wann wird aus dem Spieler Kim der Kriegsherr Kim?

Amerika jedenfalls geht auf Konfrontationskurs, die Supermacht lässt die Muskeln spielen.

Die USA haben Tarnkappenjäger und -bomber sowie Zerstörer in die Region verlegt; eine schwimmende Radarplattform wurde näher an die Küste des Nordens gebracht, um einen möglichen Raketenangriff zu unterbinden. US-Präsident Barack Obama setzt auf Abschreckung. Bisher aber, so heißt es aus Washington, sehe man trotz Kims harscher Worte "keine großangelegten Mobilisierungen oder Truppenbewegungen".

Spätestens übers Osterwochenende ist Amerikas Bevölkerung einer neuen Gefahr gewahr geworden. Hielten doch viele US-Bürger das nordkoreanische Regime zumindest bis zum Tod Kim Jong Ils im Dezember 2011 für eine Art Operettendiktatur mit "geliebtem Führer", der regelmäßig dokumentieren ließ, wie er mit ernster Miene BHs oder Hühnereier inspizierte. Nun gehen Analysten zwar nicht davon aus, dass die Nordkoreaner überhaupt einen Angriff auf die USA starten könnten, doch sieht man im Weißen Haus die Stabilität in Südostasien ernsthaft bedroht. Ein Zwischenfall wie im November 2010, als der Norden eine südkoreanische Insel beschießen ließ, könnte heute einen weitreichenden Brand auslösen.

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Yongbyon: Nordkoreas umstrittener Atomkomplex
"Seit 2010 haben sich die Dinge geändert", stellte US-General Walter Sharp gegenüber CBS fest. Sharp kommandierte damals die US-Truppen in Südkorea und befasste sich danach auch mit der Planung von Gegenschlägen. Wenn das Regime noch einmal einen solchen Angriff führe, so Sharp, würden wohl die US-Streitkräfte gemeinsam mit den Südkoreanern eine "rasche und entschiedene" Antwort geben: "Wir sollten in der Lage sein, Kim Jong Un etwas Wertvolles wegzunehmen." Was er damit meine? Nun, sagte Sharp, man müsse eben sehen, wo die Nordkoreaner am meisten investiert hätten: "in Atomanlagen und ballistische Raketen".

Jenseits dieser militärischen Überlegungen ist den Amerikanern allerdings klar, dass ohne und vor allem gegen China nichts geht. Trotz zunehmender Verärgerung über den nordkoreanischen Verbündeten steht Peking weiterhin zu Pjöngjang. Der Grund: Chinas Führung fürchtet Instabilität an seinen Grenzen und wachsenden Einfluss der USA in der Region mehr als alles andere. "Während unsere Militärjets interessante Schlagzeilen bringen mögen, ist China das einzige Land, das Nordkoreas Verhalten ändern könnte", kommentiert das "Wall Street Journal". Tut es aber bisher nicht. Obama scheint machtlos zu sein.

Mehr noch: Die USA haben bisher keine klare Strategie verfolgt. George W. Bush rechnete Nordkorea zu Beginn seiner Amtszeit zur "Achse des Bösen", dachte an "Regime Change". Später verhandelte er, ohne Ergebnis. Größte Sorge Amerikas ist nicht die nukleare Bewaffnung Nordkoreas, sondern die mögliche Weiterverbreitung atomaren Materials an Terroristen oder andere Diktaturen. Obama seinerseits suchte die Zusammenarbeit mit China, um Nordkorea unter Druck zu setzen, verweigerte aber neue Gespräche, um nicht das übliche Spiel Pjöngjangs mitzuspielen: Zugeständnisse des Westens haben bisher stets zu neuen Drohungen geführt. Als Bedingung für weitere Verhandlungen dagegen forderte Obama insbesondere ein Aussetzen der Atom- und Raketentests sowie den Stopp des Programms zur Urananreicherung.

Gebracht hat das nichts. "Es gibt keinen Beweis dafür, dass Druck das Verhalten Nordkoreas ändert", schreibt US-Nordkorea-Experte Mike Chinoy in der "Washington Post". Obamas Regierung solle es stattdessen mit "Engagement auf höchsten Ebenen" versuchen. Heißt: Der Präsident soll einen Top-Verhandler nach Pjöngjang schicken.

Bisher aber herrscht offenbar Funkstille, auf allen Ebenen: "Ich habe keine Kommunikation mit den Nordkoreanern mitzuteilen", sagte Obamas Sprecher Jay Carney. Es sei schließlich "ziemlich klar", dass Pjöngjang um die US-Positionen wisse. "Ich denke, diese Nachricht ist bei ihnen angekommen."

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cashcows_return 02.04.2013
1. Aussichtslos
Zitat von sysopAPDroht ein neuer Krieg in Korea? Barack Obama lässt wegen der Drohungen von Diktator Kim Jong Un am 38. Breitengrad aufrüsten - mit Tarnkappenbombern und Zerstörern. Doch auch der US-Präsident weiß: Ohne China geht gar nichts. http://www.spiegel.de/politik/ausland/drohungen-aus-nordkorea-wie-us-praesident-obama-reagiert-a-892102.html
Das Ganze ist aussichtslos. Während die Nordkoreaner ohne mit der Wimper zu zucken 100.000de opfern würden und könnten, hätte jeder US-Präsident bei einigen tausenden Gefallenen zu Hause ein ernstes Problem... Ein US-Atomschlag verbietet sich wegen der Nähe zu China. Selbst wenn den USA ein schneller Einmarsch wie im Irak gelänge, hätte man anschließend ein Problem à la Vietnam oder Afghanistan. Und ich fürchte, die Nordkoreaner wissen das genau.
Pietätskontrolle 02.04.2013
2. Fachmännische Bestätigung
---Zitat--- Was er damit meine? Nun, sagte Sharp, man müsse eben sehen, wo die Nordkoreaner am meisten investiert hätten: "in Atomanlagen und ballistische Raketen." ---Zitatende--- Da sagt es auch der Fachmann, was ich entgegen dem scheinheiligen Weltuntergangstheater hier im Forum schon häufiger gesagt habe: Es ist militärisch kein Problem, sämtliche (angebliche) Atomraketen und sonstige Atomanlagen Nordkoreas präventiv zu zerstören. Und mit Blick auf das Völkerrecht wäre ein solcher Präventivschlag zwingend, es sei denn, das Völkerrecht habe ein Interesse daran, die Unangreifbarkeit faschistischer Regime zu garantieren. Ein ausgedehnter Krieg mit Bodentruppen wäre auch bei einem solchen Präventivschlag nicht zu befürchten, denn vermutlich machen die Nordkoreaner nach den ersten Bombeneinschlägen ihrem kleinen Diktator schneller den Garaus, als wir das selbst könnten. Und China wird natürlich für Nordkorea auch nicht das Risiko eines Weltkrieges eingehen.
derandersdenkende 02.04.2013
3. Obama will Kim abschrecken?
Zitat von sysopAPDroht ein neuer Krieg in Korea? Barack Obama lässt wegen der Drohungen von Diktator Kim Jong Un am 38. Breitengrad aufrüsten - mit Tarnkappenbombern und Zerstörern. Doch auch der US-Präsident weiß: Ohne China geht gar nichts. http://www.spiegel.de/politik/ausland/drohungen-aus-nordkorea-wie-us-praesident-obama-reagiert-a-892102.html
Ja wäre es da nicht preiswerter und außerdem unblutiger, entlang der Grenze in Richtung Nordkorea Großfotos von Bush, Cheney, Rumsfeld oder Obama selbst aufzustellen?
waldi4711 02.04.2013
4. Drohne?
Bei Kim Jong Un könnte man zum Drohnenfan werden.
kidsdochongkong 02.04.2013
5. China
China help !
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