Drohungen gegen Benedikt: Nervosität vor Papst-Auftritt in Rom

Trotz des Einlenkens aus dem Vatikan haben sich die Wogen um die umstrittenen Islam-Äußerungen des Papstes nicht geglättet: Für das heutige Angelusgebet werden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft – es gibt Morddrohungen gegen Benedikt XVI..

Rom – Für das sonntägliche Gebet würden Personen auf der Sommerresidenz Castel Gandolfo schärfer kontrolliert, hieß es in einem Bericht des italienischen Fernsehens ohne Angaben von Quellen. Gefährdet seien auch italienische Soldaten, die unter anderem im Irak, in Afghanistan und im Libanon stationiert sind. Die Maßnahmen würden diskret getroffen, um die Andacht am Sonntagmittag nicht zu stören, hieß es weiter. Das Angelusgebet (zu deutsch "Der Engel des Herrn") spricht der Papst jeden Sonntag um 12 Uhr vom Fenster seiner Wohnung aus.

Eine bewaffnete irakische Terrorgruppe, Dschaitsch el Mudschahedin, hatte wegen der Islam-Äußerungen Papst Benedikts XVI. mit einem Anschlag auf den Vatikan gedroht. In einer im Internet veröffentlichten Erklärung drohte die Gruppe den "widerlichen Kreuzrittern" damit, "nicht eher zu ruhen, bis eure Throne und eure Kreuze auf eurem eigenen Territorium zerstört sein werden". Mit direktem Bezug auf Rom und den Vatikan heißt es in der Erklärung, deren Echtheit nicht zunächst geklärt werden konnte: "Wir schwören, dass wir ihr Kreuz im Herzen von Rom zerstören werden (...) und dass ihr Vatikan getroffen wird". Die Gruppe hatte in der Vergangenheit für zahlreiche Anschläge gegen irakische und US-Truppen im Irak die Verantwortung übernommen. Mit Spannung wird erwartet, ob Papst Benedikt beim Angelus-Segen persönlich in der Öffentlichkeit Stellung zu diesem Thema nehmen wird.

Anlass der Proteste in der moslemischen Welt waren von Benedikt während seines Bayern-Besuchs zitierte Aussagen des byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaiologos, denen zufolge der Prophet Mohammed "nur Schlechtes und Inhumanes" in die Welt gebracht habe.

Heute ließ der Vatikan eine Erklärung verbreiten, wonach der Papst seine Wortwahl bedauere. Der islamistischen Moslembruderschaft in Ägypten reicht das jedoch nicht aus – die Vereinigung fordert eine persönliche Entschuldigung des Pontifex. "Wir empfinden, dass er einen gravierenden Fehler begangen hat, der uns betrifft, und dieser Fehler kann nur durch eine persönlich vorgebrachte Entschuldigung beseitigt werden", sagte der Vizechef der Organisation, Mohammed Habib. Das, was der Vatikan bisher verbreitet habe, sei keine persönliche Entschuldigung für Aussagen, von denen der Papst überzeugt sei.

Der Vatikan hatte zuvor mitgeteilt, dass der Papst seine Wortwahl bedauere. Staatssekretär Tarcisio Bertone, der Außenminister des Vatikan, erklärte: Die Haltung des Papstes zum Islam stehe in Einklang mit der Lehre der Kirche, die "die Muslime achtet, die den einen Gott lieben". Deshalb sei der Papst "sehr bestürzt", dass Teile seiner Rede so geklungen haben könnten, dass sie die Gefühle gläubiger Muslime verletzten. Diese Passagen seien "so interpretiert worden, wie es nicht der Absicht" der Papstes entspreche, erklärte Bertone.

Offenbar als Reaktion auf die Äußerungen wurden in den palästinensischen Gebieten am gestrigen Samstag fünf Kirchen angegriffen. Allein im Westjordanland wurden vier Kirchen verschiedener christlicher Glaubensrichtungen beschossen und mit Brandsätzen beworfen. Verletzt wurde niemand. Der palästinensische Innenminister Said Sijam äußerte einen verstärkten Schutz für Kirchen an. Eine Gruppe namens Löwen des Monotheismus teilte in einem Telefonanruf bei der Nachrichtenagentur AP mit, auf diese Weise solle gegen die jüngsten Äußerungen von Papst Benedikt XVI. über den Islam protestiert werden.

reh/AFP/AP/dpa

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