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Dschibuti: Drei Deutsche bei Selbstmordanschlag verletzt

Attentäter im ostafrikanischen Dschibuti haben drei Menschen getötet und mehrere verletzt - unter ihnen auch drei Deutsche. Eine Maschine holt die Angehörigen einer EU-Mission jetzt nach Deutschland, sie befinden sich außer Lebensgefahr.

Bei einem Selbstmordanschlag im ostafrikanischen Dschibuti sind drei Menschen getötet und mindestens 15 verletzt worden. Und ihnen sind auch drei Deutsche, Angehörige einer EU-Mission in Dschibuti. Alle drei seien außer Lebensgefahr, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Sonntag in Berlin. Eine Maschine der Bundeswehr startete in Berlin, um sie nach Deutschland zu holen.

Dschibuti ist ein Ausgangspunkt für den internationalen Einsatz gegen somalische Piraten. Soldaten des Landes sind zudem am Einsatz der Afrikanischen Union (Amisom) gegen die islamistische Schabab-Miliz im Nachbarland Somalia beteiligt.

Die beiden Attentäter, die bei dem Anschlag ums Leben kamen, seien aus Somalia, berichtete die dschibutische Nachrichtenagentur ADI unter Berufung auf die Regierung. Es habe sich um einen Mann und eine verschleierte Frau gehandelt. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag.

Dschibutischer Präsident spricht von "blindem Terroranschlag"

Nach Diplomatenangaben zündeten die Attentäter zwei Sprengsätze vor einem bei westlichen Ausländern beliebten Restaurant in der Hauptstadt Dschibuti, dem "La Chaumière". Mehrere leicht Verletzte seien Franzosen, teilte das französische Außenministerium mit.

Der dschibutische Präsident Ismail Omar Guelleh machte laut ADI indirekt die somalische Schabab-Miliz verantwortlich. Er verurteilte das Attentat als "gewaltsame Reaktion auf unsere Beteiligung am Stabilisierungs- und Sicherungsprozess der Region". Dieser "blinde Terroranschlag" werde die Entschlossenheit des Staates und der internationalen Gemeinschaft bei der Bekämpfung dieser "Plage" nicht wanken lassen.

Bei einem Anschlag der Extremisten auf das Parlament in der somalischen Hauptstadt Mogadischu waren erst am Samstagvormittag mindestens 24 Menschen ums Leben gekommen. Wenige Stunden nach der Tat, an die sich rund fünfstündige schwere Kämpfe anschlossen, erklärte Innenminister Abdikarim Hussein Gulled seinen Rücktritt.

Fliegende Krankenstation von Berlin nach Dschibuti

Die USA haben in Dschibuti eine strategisch wichtige Militärbasis: Von Camp Lemonnier aus fliegt das US-Militär vor allem Drohnenangriffe gegen radikalislamische Extremisten im Jemen und in Somalia. Auch Frankreich unterhält in seiner ehemaligen Kolonie Dschibuti einen Militärstützpunkt. Die zivile EU-Ausbildungsmission Eucap Nestor, der die drei Deutschen angehören, hat zum Ziel, Dschibuti und andere ostafrikanische Staaten zu befähigen, durch eigenen Küstenschutz die Piraterie am Horn von Afrika zu bekämpfen. Im November stimmte der Uno-Sicherheitsrat einer Aufstockung der Truppen um 4400 auf 22.100 zu.

Das französische und auch das deutsche Außenministerium warnten vor Reisen in das ostafrikanische Land. Deutschen vor Ort riet das Auswärtige Amt, öffentliche Orte wie Gastronomiebetriebe oder Supermärkte bis auf Weiteres nach Möglichkeit zu meiden.

Die Bundeswehr teilte mit, am Sonntagmorgen mit einer fliegenden Krankenstation von Berlin nach Dschibuti gestartet zu sein. Der MedEvac der Luftwaffe wurde dafür vorzeitig von der Internationalen Luft- und Raumfahrtmesse in Berlin abgezogen.

In Somalia tobt seit dem Sturz von Machthaber Siad Barre 1991 ein blutiger Bürgerkrieg. Eine funktionierende Staatsgewalt im gesamten Land gibt es nicht. Die Schabab-Miliz kontrolliert weiterhin weite Teile im Zentrum und Süden Somalias und verübt immer wieder Anschläge auf die Behörden und Sicherheitskräfte.

hei/AFP/dpa

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