Einsatz in Syrien USA fliegen Luftangriff gegen IS-Mörder "Dschihadi John"

Ein britischer Islamist mit dem Spitznamen "Dschihadi John" war in mehreren Enthauptungsvideos des "Islamischen Staats" zu sehen. Nun haben die USA ihn bei einem Luftangriff in Syrien ins Visier genommen. Ob der Mann starb, ist noch unklar.

Kampfflieger F/A-18E der USA-Luftwaffe: Angriff in Syrien
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Kampfflieger F/A-18E der USA-Luftwaffe: Angriff in Syrien


Die USA haben bei einem Luftangriff in Syrien einen berüchtigten Mörder aus Enthauptungsvideos der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) ins Visier genommen. Der Angriff erfolgte in der IS-Hochburg Rakka, wie der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Peter Cook, in der Nacht auf Freitag mitteilte. Der Luftschlag sei von einer Drohne ausgeführt worden und habe sich gegen ein Fahrzeug gerichtet, in dem der Terrorist saß.

Ob der Brite Mohammed Emwazi, bekannt als "Dschihadi John", dabei getötet wurde, blieb zunächst unklar. "Wir prüfen die Ergebnisse des nächtlichen Einsatzes", sagte Cook.

"Dschihadi John" ist eine der bekanntesten Figuren der sunnitischen Extremistengruppe. Er war erstmals im Enthauptungsvideo des US-Journalisten James Foley im August 2014 aufgetaucht. Er war an mehreren weiteren Enthauptungen beteiligt.

Foley war im November 2012 in Syrien von IS-Milizen entführt worden. Knapp zwei Jahre später tauchte ein Video auf, dass seine Enthauptung als Rache für US-Luftangriffe im Nordirak präsentierte. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums war "Dschihadi John" außerdem in Videos zu sehen, die unter anderem die Tötung folgender Personen zeigen: die Amerikaner Steven Sotloff und Abdul-Rahman Kassig, die Briten David Haines und Alan Henning sowie der Japaner Kenji Goto.

Interner Spitzname: "The Beatles"

Der Mann trat in den IS-Videos stets vermummt auf und sprach Englisch mit britischem Akzent. Emwazi soll zu einer Gruppe von IS-Kämpfern gehören, die aus Großbritannien zu den Extremisten kamen und intern "The Beatles" genannt werden, wie die US-Zeitung "Washington Post" berichtet. Nach Angaben ehemaliger Gefangener soll er auch die berüchtigte Foltermethode "Waterboarding" bei IS-Häftlingen angewendet haben.

Die freigelassenen Geiseln schilderten ihn als ruhig und intelligent. Als sie 2014 nach Rakka, in die Hauptstadt des "Islamischen Staats" verlegt wurden, sei "Dschihadi John" mit ihnen gekommen. In Rakka haben nach Erkenntnissen westlicher Geheimdienste auch die Enthauptungen der Geiseln stattgefunden, mit denen der Brite zu einem der meistgesuchten Terroristen der Welt wurde.

Nach Erkenntnissen westlicher Geheimdienste wurde Emwazi in Kuwait geboren und ist in West-London aufgewachsen. Er soll etwa 27 Jahre alt sein.

Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden im Vereinigten Königreich soll er einen Hochschulabschluss in Informatik besitzen. 2012 sei er nach Syrien gereist und habe sich dort den Dschihadisten angeschlossen.

Bekannte, die ihn aus der Londoner Zeit kennen, beschrieben "Dschihadi John" als höflichen jungen Mann. Er habe sich zwar modisch gekleidet, die islamischen Glaubensvorschriften aber streng befolgt. Augenkontakt mit Frauen habe er gemieden.

aar/syd/dpa/Reuters/AP/AFP



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