Bürgerkrieg Dschihadisten aus Dinslaken offenbar in Syrien gestorben

Er posierte mit den Köpfen getöteter Gegner, jetzt soll der Dschihadist Mustafa K. gestorben sein: Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen kam der Dinslakener bei Gefechten in Syrien ums Leben.

Von und , Düsseldorf

Mustafa K. im syrischen Azaz: Gestorben bei Gefechten

Mustafa K. im syrischen Azaz: Gestorben bei Gefechten


Knapp ein Jahr ist es her, dass ein früherer Paketzusteller aus dem niederrheinischen Dinslaken mit grauenvollen Bildern für Entsetzen sorgte: Der Dschihadist Mustafa K., damals 24, posierte im syrischen Azaz mit den abgeschlagenen Köpfen getöteter Gegner. Die schrecklichen Aufnahmen verbreiteten sich schnell, K. wurde zum Gesicht des deutschen Terrortourismus.

Doch nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen soll K. seit nunmehr einigen Wochen tot sein. Er starb nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden offenbar im Dezember bei Gefechten in Syrien. Auch seine Weggefährten Hassan D. und Marcel B. leben wohl nicht mehr. Ihr Freund Philipp B., ein ehemaliger Pizzabote, hatte sich bereits im vergangenen Sommer als Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll Marcel B. Wachmann in Gefängnissen der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) gewesen sein, in denen der IS auch westliche Geiseln festhält. Das wissen deutsche Nachrichtendienste aus eigenem Aufkommen. In diesen Kerkern werden Häftlinge und Geiseln regelmäßig gefoltert. Ob B. sich ebenfalls an den Wehrlosen verging, ist unklar, aber nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden alles andere als unwahrscheinlich.

Vom Niederrhein nach Syrien

Alle drei zuletzt getöteten Dschihadisten gehörten zur sogenannten Lohberger Gruppe, benannt nach dem Dinslakener Stadtteil, in dem sie sich um den selbsternannten Prediger Mustafa T. geschart hatten. 2013 waren die jungen Männer als Gotteskrieger in den syrischen Bürgerkrieg gezogen. Als erster starb Anfang 2014 David G. alias Abdullah Dawud, seine Glaubensbrüder verkündeten den vermeintlichen Märtyrertod.

Erst am Samstag hatte ein nordrhein-westfälisches Spezialeinsatzkommando in Dinslaken den Syrien-Rückkehrer Nils D., 24, festgenommen. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm Mitgliedschaft im IS vor. Nils D. soll im Herbst 2013 in den Bürgerkrieg gezogen und im vergangenen November zurückgekehrt sein. D. ist mit dem als Selbstmordattentäter gestorbenen Philipp B. verwandt.

Mustafa K. wiederum war einer der Prototypen militanter Islamisten, chancenlos, abgehängt, gesellschaftlich gescheitert. Die Hauptschule in Dinslaken hatte er ohne Abschluss verlassen, einen Ausbildungsplatz nie gefunden. Eine Zeitlang schlug er sich als Paketzusteller und bei einer Industriereinigungsfirma durch, doch eine Perspektive eröffnete sich ihm nicht. Syrien war für ihn mehr als ein Abenteuer.

Dass K. nach Deutschland zurückkehren würde, schien nie wahrscheinlich. In Sicherheitskreisen war stets zu hören, er habe "keine Rückkehrabsicht". Die Aufnahme mit den abgeschlagenen Köpfen sei eine Schlussbotschaft gewesen. Und auch seine Frau stellte sich allem Anschein nach schon früh auf ein Leben ohne ihren Mann ein. Eine Angehörige sagte bereits im vergangenen Jahr SPIEGEL ONLINE: "Sie muss jetzt wieder verheiratet werden."

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