Dubai-Mord Mutmaßliche Agenten sollen nach der Tat in die USA und nach Israel gereist sein

Neue Details zum Tod des Hamas-Funktionärs Mabhuh: Nach Angaben der Dubaier Polizei sind die mutmaßlichen Täter und ihre Helfer nach dem Mord in die USA und nach Israel gereist. Das Opfer soll demnach vor der Tat mit einem Beruhigungsmittel kampfunfähig gemacht worden sein.

Ermordeter Hamas-Führer Mabhuh: Mutmaßliche Täter sollen alle in Israel sein
AFP

Ermordeter Hamas-Führer Mabhuh: Mutmaßliche Täter sollen alle in Israel sein


Dubai - Die Ermittlungen zum Dubaier Mordfall kommen voran: Die Mörder des Hamas-Funktionärs Mahmud al-Mabhuh und ihre Helfer sind nach der Tat in die USA und nach Israel gereist. Das berichtete die in Dubai erscheinende Zeitung "Gulfnews" am Montag unter Berufung auf die Polizei. Die Polizei hatte früher erklärt, die Verschwörer hätten das Golfemirat in Richtung Europa und Asien verlassen. Inzwischen stehe jedoch fest, dass sie von dort aus weiter in die USA und nach Israel reisten, erklärte die Polizei.

Derzeit befänden sich alle Tatverdächtigten in Israel. "Ich bin sicher, dass alle Verdächtigen in Israel sind", sagte Dubais Polizeichef Dhahi Chalfan. Wenn die mutmaßlichen Täter in Israel blieben, würden sie nicht festgenommen werden, fügte Chalfan hinzu. Sollten sie das Land verlassen, könnten sie "vielleicht" gefasst werden. Die Dubaier Polizei macht den israelischen Geheimdienst Mossadfür die Ermordung des Hamas-Führers Mahmud al-Mabhuh verantwortlich. Auch die deutschen Behörden gehen davon aus, dass der Mossad hinter dem Mord steckt.

Die Polizei in Dubai teilte unter Berufung auf das rechtsmedizinische Gutachten weiter mit, dass Mabhuh zunächst mit einem Beruhigungsmittel betäubt und dann erstickt worden sei. Der Polizeichef erklärte laut einem Bericht der Tageszeitung "Al-Chaleedsch", inzwischen sei ein 27. Verdächtiger in dem Mordfall identifiziert worden. Dieser habe einen europäischen Pass gehabt, sagte Chalfan, ohne weitere Details zu nennen. Auch die 26 anderen Verdächtigen sollen mit Pässen westlicher Staaten in das Emirat eingereist sein. Zwölf von ihnen verfügten nach Angaben der Polizei von Dubai über britische Pässe, ein weiterer über einen deutschen.

Mabhuh, der für die radikal-islamische Palästinenserbewegung Hamas Waffen beschaffte, war am 19. Januar in einem Luxus-Hotel in Dubai ermordet worden. Der Fall belastet das Verhältnis zwischen Israel und der EU. Mehrere mutmaßliche Täter hatten sich für die Reise nach Dubai Pässe europäischer Staaten erschlichen.

Israel macht den Anführer der radikalislamischen Palästinenserorganisation für die Entführung und Ermordung zweier israelischer Soldaten zu Beginn des ersten Palästinenseraufstands Intifada (1987-1993) verantwortlich.

Nach Informationen des SPIEGEL haben die deutschen Behörden derweil ihre Ermittlungen im Fall des in Dubai getöteten Hamas-Führers ausgeweitet. Demnach ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft jetzt auch wegen des Verdachts auf Mord.

Auch ein Sonderermittler aus dem Vereinigten Königreich ist am Samstag nach Israel geflogen. Ein Sprecher der britischen Botschaft in Jerusalem sagte, der Ermittler wolle mit den in Israel lebenden Briten sprechen, deren Identitäten für das Attentat auf Mahmud al-Mabhuh gestohlen wurden.

anr/AFP/dpa

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