Dubioses Geisterschiff Chinesische Waffen offenbar doch in Simbabwe - Südafrikas Mbeki in Erklärungsnot

70 Tonnen Waffen für Diktator Mugabe sollen in Simbabwe gelandet sein - mit Hilfe von Südafrika. Für Präsident Mbeki könnte die Affäre um die Fracht des chinesischen Schiffs "An Yue Jiang" zum Todesstoß werden. Seine Gegner werfen ihm Versagen vor, in Johannesburgs Elendsvierteln grassiert die Gewalt.

Von Karl-Ludwig Günsche, Kapstadt


Kapstadt - Thabo Mbekis Sprecher Mukoni Ratshitanga reagierte so schnell wie selten. "Alles Propaganda," tönte er. Sogar der stellvertretende Verteidigungsminister Mluleki George musste an die Front: "Diese Unterstellungen haben keinerlei Substanz."

Chinesisches Geisterschiff "An Yue Jiang": Ladung soll nach Harare gebracht worden sein
DPA

Chinesisches Geisterschiff "An Yue Jiang": Ladung soll nach Harare gebracht worden sein

Die Aufregung der südafrikanischen Regierungsspitze ist verständlich: Nach übereinstimmenden Medienberichten aus Mosambik und Südafrika ist die tödliche Fracht des chinesischen Frachters An Yue Jiang am Ende doch bei Robert Mugabe in Simbabwe angekommen– unter maßgeblicher Mitwirkung des wegen seiner Mugabe-freundlichen Politik ohnehin in die Kritik geratenen südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki.

Der Versorger der südafrikanischen Marine "SAS Drakensberg" sei auf "direkte Anweisung" Mbekis in Marsch gesetzt worden, um außerhalb südafrikanischer Gewässer das chinesische Schiff aufzutanken, hieß es am Wochenende.

Seit Anfang April war die An Yue Jiang mit über 70 Tonnen Waffen und Munition für den simbabwischen Diktator an Bord durch die Gewässer des südlichen Afrika gekreuzt. Doch nirgends konnte sie ihre gefährliche Fracht löschen.

Aus dem südafrikanischen Hafen Durban musste es Mitte April fliehen, nachdem die deutsche Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW) wegen ausstehender Staatsschulden Simbabwes bei der Förderbank einen Beschlagnahmebefehl erwirkt hatte. Mosambik, Namibia und Angola weigerten sich, die Container in ihren Häfen entladen zu lassen. Die "Entwicklungsgemeinschaft der Staaten des südlichen Afrika" (SADC) und die westliche Staatengemeinschaft hatten alle afrikanischen Staaten dazu aufgerufen, den Transport nach Simbabwe unter allen Umständen zu verhindern, weil zu befürchten sei, dass Mugabe Waffen und Munition gegen die eigene Bevölkerung einsetzen werde.

Simbabwes Regierung hat Auslieferung der Munition bestätigt

Eine Schlüsselrolle bei der Jagd auf Mugabes Geisterschiff spielten die Gewerkschaften: Die Internationale Transportarbeiter-Föderation ITF hatte ihre Mitglieder im gesamten südlichen Afrika zum Boykott des Schiffes aufgerufen. Wo auch immer die An Yue Jiang anlegte: Ein ITF-Beauftragter war bereits vor Ort, um zu verhindern, dass die Mugabe-Munition an Land gebracht werden konnte.

Zuletzt hatte die ITF das Schiff am vergangenen Donnerstag südlich von Port Elizabeth im Indischen Ozean geortet. Doch auch die ITF hatte Entwarnung gegeben, nachdem China offiziell angekündigt hatte, das Schiff werde unverrichteter Dinge in seinen Heimathafen zurückkehren.

Wie es letztendlich doch gelungen ist, Waffen und Munition in das von Gewalt und Terror erschütterte Simbabwe zu schaffen, war zunächst unklar. Nach Medienberichten sind die Container im kongolesischen Hafen Ponta Negra entladen und sofort mit einer Transportmaschine des russischen Typs Iljuschin Il-76 nach Harare geflogen worden. Simbabwes stellvertretender Informationsminister Bright Matonga habe inzwischen die Auslieferung der Munition an die simbabwische Armee bestätigt.

Armee, Polizei und Geheimdienst sind die treuesten Verbündeten Mugabes beim Kampf um die Macht. Seit 28 Jahren regiert er das wirtschaftlich ruinierte Land, das mit 165.000 Prozent die höchste Inflationsrate weltweit hat. Doch bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen am 29. März musste Mugabe eine verheerende Niederlage einstecken: Seine Zanu-PF-Partei verlor zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit 1980 die Mehrheit in beiden Kammern des Parlaments. Er selbst wurde von seinem Herausforderer Morgan Tsvangirai von der "Bewegung für einen demokratischen Wandel" (MDC) in eine Stichwahl um das Präsidentenamt gezwungen.



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