Duell in Italien: Berlusconi und Monti streiten über Moral

Wer hat die größere Glaubwürdigkeit in Fragen der Moral? Berlusconi sagt: "Ich". Sein Rivale Monti hält dagegen. Es erübrige sich jeglicher Kommentar, wenn ausgerechnet der in Finanz- und Sexskandale verwickelte Ex-Regierungschef ihm vorwerfe, ethische Werte außer Acht zu lassen.

Monti (l.) und Berlusconi (Archivbild): "Ethische Werte oft wie eine Waffe gegen den Gegner" Zur Großansicht
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Monti (l.) und Berlusconi (Archivbild): "Ethische Werte oft wie eine Waffe gegen den Gegner"

Rom - Der Ton in Italien wird immer rauer - jetzt werfen sich Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi und sein Gegner Mario Monti gegenseitig fehlende Moral vor. Der scheidende Ministerpräsident Monti sprach seinem Vorgänger Berlusconi Glaubwürdigkeit in Fragen der Moral ab. "Jeglicher Kommentar" sei überflüssig, sagte Monti am Mittwoch dem Radiosender RAI, wenn gerade der in Finanz- und Sexskandale verwickelte Berlusconi ihm vorwerfe, ethische Werte außer Acht zu lassen. Monti fügte mit Blick auf Berlusconis Parteifreunde hinzu, diese hielten "ethische Werte oft wie eine Waffe gegen den Gegner hoch", ohne sie selbst zu befolgen.

Zum Jahresende hatte Berlusconi in einem Interview erklärt, er habe von der katholischen Kirche "viel Lob für Äußerungen zu ethischen Themen" bekommen. In Montis Programm gebe es dagegen "nicht ein Wort zu diesen für die Kirche so wichtigen Themen".

Am Mittwoch legte Berlusconi im Fernsehsender SkyTG24 nach: Monti habe bei den Italienern "keinerlei Glaubwürdigkeit", weil er bei seiner Amtsübernahme an der Spitze eines Expertenkabinetts zur Bekämpfung der Krise versprochen habe, sich nicht politisch einzumischen, dies nun aber doch mache.

Monti war Ende Dezember vom Amt des Regierungschefs zurückgetreten. Später erklärte er sich bereit, an der Spitze eines Zentrumsbündnisses in den Wahlkampf zu ziehen.

Bei der Parlamentswahl am 24. und 25. Februar will sich auch Berlusconi zum sechsten Mal in seiner Karriere zur Wahl stellen. Monti kann sich als Senator auf Lebenszeit nicht persönlich um ein Abgeordnetenmandat bewerben, aber mit der Regierungsbildung beauftragt werden. Die vatikanische Tageszeitung "L'Osservatore Romano" stellte sich zuletzt hinter Monti.

heb/AFP

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1.
washington.mayfair 02.01.2013
Zitat von sysopWer hat die größere Glaubwürdigkeit in Fragen der Moral? Berlusconi sagt: "Ich". Sein Rivale Monti, hält dagegen. Es erübrige sich jeglicher Kommentar, wenn ausgerechnet der in Finanz- und Sexskandale verwickelte Ex-Regierungschef ihm vorwerfe, ethische Werte außer Acht zu lassen. Duell in Italien: Berlusconi und Monti streiten über Moral - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/duell-in-italien-berlusconi-und-monti-streiten-ueber-moral-a-875490.html)
Berlusconi hat einfach den größeren Unterhaltungswert. Und ich bin mir noch nicht mal sicher, ob Monti wirklich der bessere Regierungschef ist. Er ist sicher der bessere Diplomat und weiß besser, wie man dem Ausland gefällt (zu Diensten ist). Aber für Italien, das muss man sehen.
2. Immer wieder verwunderlich ...
westerwäller 02.01.2013
... wie bigott unsere Journalisten sind. Inzwischen sollte es doch Allgemeingut sein, dass die Bettgeschichten von Mann/Frau, Mann/Mann, Frau/Frau niemanden auch nur die Bohne angehen. Wieso dann Berlusconi immer seine lasche Sexualmoral vorgeworfen wird, ist mir rätselhaft. Ebenso, wie - wahrscheinlich sollte man es positive Diskriminierung nennen - wie homosexuelle Politiker gepriesen werden. Das ist für mich genauso dämlich, wie die Verteufelung derselben vor Jahrzehnten. Was jemand mit seinen Genitalien - oder denen eines/einer anderen - anstellt geht kein Schwein etwas an ...
3.
Wasserfloh 02.01.2013
Zitat von westerwällerInzwischen sollte es doch Allgemeingut sein, dass die Bettgeschichten von Mann/Frau, Mann/Mann, Frau/Frau niemanden auch nur die Bohne angehen. Wieso dann Berlusconi immer seine lasche Sexualmoral vorgeworfen wird, ist mir rätselhaft.
Es geht ja auch nicht um die Sexgeschichten - die hätten die Italiener dem Cavaliere sicher nachgesehen (und die übrige Welt auch). Aber jemand, der Politik nur betreibt, um seinen persönlichen Wohlstand zu mehren und neue Gesetze schafft, um nicht wegen Betrug, Steuerhinterziehung, Bestechung und Bestechlichkeit und was noch alles hinter Gitter zu kommen, hat auch in Italien nichts an der politischen oder gesellschaftlichen Spitze verloren.
4. Berlusconi
besserewelt 02.01.2013
Zu Berlusconi fällt mir gerade dies ein: Der Papst und Berlusconi sterben. Aus Versehen kommt Berlusconi in den Himmel und der Papst in die Hölle.Die Verwechslung fliegt auf und auf dem Wegen in den Himmel sagt der Papst zu sich selber: "Endlich sehe ich die Jungfrau Maria." Berlusconi, der ihm entgegenkommt auf dem Weg in die Hölle antwortet: "Jungfrau? Da hättest du 10 Minuten eher kommen müssen!" Ich finde das passt ganz gut. Bei den ganzen Sexeskapaden und den Finanzskandalen kann manchen doch nicht mehr als seriösen Politiker ansehen. Er ist schlichtweg ein Verbrecher. Nicht umsonst wurde er verurteilt. Er hat Italien ins Unglück gestürzt und EU-Hilfen abgelehnt. Monti hat erstmals gehandelt und ein Sparprogramm verordnet. Dank ihm geht es teilweise aufwärts mit Italien. Es dürfte eigentlich gar keine Wahl sein sondern von Anfang an klar, dass nur Monti Regierungschefwerden darf!
5.
ehf 02.01.2013
"Spieglonline, Spieglonline, an der Wand, wer ist der moralischste im Italien-Land? Natürlich, Sie, Signore... Aber hinter den Monti-Bergen, bei den sieben Zwergen, behauptet einer, er sein noch ein Stück moralischer als Ihr" Hach, liebt ihr nicht auch die italienische Komische Oper?
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  • Mittwoch, 02.01.2013 – 20:25 Uhr
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Steckbrief Italien
REUTERS
Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Das Land hat im Gegensatz zu Griechenland zwar eine recht solide Wirtschaft, leidet aber ebenfalls unter einer gigantischen Staatsverschuldung. Die wichtigsten Daten im Überblick:
Wirtschaftsleistung 2011
1589 Milliarden Euro, zum Vergleich:

Deutschland: 2589 Milliarden Euro

Griechenland: 222 Milliarden Euro
Wirtschaftswachstum 2011
+0,7 Prozent, zum Vergleich:

Deutschland: 2,9 Prozent

Euro-Zone: 1,6 Prozent
Wirtschaftswachstum 2012
+0,6 Prozent
Staatsverschuldung
1911 Milliarden Euro, zum Vergleich:

Deutschland: 2133 Milliarden Euro

Griechenland: 351 Milliarden Euro
Staatsverschuldung in Prozent des BIP
120 Prozent. Das ist doppelt so viel wie nach dem europäischen Stabilitätspakt eigentlich erlaubt.
Neuverschuldung 2011
4,0 Prozent. Laut Stabilitätspakt dürften es nur 3,0 Prozent sein.
Arbeitslosenquote
8,3 Prozent. In der Euro-Zone sind es 10,0 Prozent.

Quelle: EU-Kommission

Fläche: 301.336 km²

Bevölkerung: 59,571 Mio.

Hauptstadt: Rom

Staatsoberhaupt:
Giorgio Napolitano

Regierungschef: Enrico Letta

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