Bürgerkrieg und Dürre 40.000 Menschen im Südsudan vom Hungertod bedroht

Jeder vierte Südsudanese braucht Nahrungsmittelhilfe, 40.000 drohen zu verhungern. Selbst wenn der Uno-Appell für mehr Hilfe wirkt - wegen des Kriegs sind viele von jeder Versorgung abgeschnitten.

Erschöpfte Flüchtlingskinder im Südsudan (Archivbild): Zehntausende vom Hungertod bedroht
DPA/ UNICEF

Erschöpfte Flüchtlingskinder im Südsudan (Archivbild): Zehntausende vom Hungertod bedroht


Eine Dürrekatastrophe sucht derzeit mehrere Länder in Afrika heim - darunter Äthiopien, Malawi sowie die Krisenstaaten Somalia, Simbabwe und den Südsudan. Dabei gilt eine grausame Faustregel: Je instabiler ein Land, umso schneller gerät die Bevölkerung dadurch in Lebensgefahr.

Mehrere Uno-Organisationen rufen nun zu größerer Spendenbereitschaft auf und warnen vor möglichen Hungertoten - ganz besonders im Südsudan, wo zur momentanen Trockenheit auch noch ein verheerender Bürgerkrieg hinzukommt.

In dem Krisenstaat nimmt die Hungersnot laut Uno ein noch nie dagewesenes Ausmaß an. Drei Uno-Organisationen erklärten, rund 2,8 Millionen Menschen - etwa ein Viertel der Bevölkerung - benötigen dringend Nahrungsmittelhilfe. Mindestens 40.000 Menschen seien akut vom Hungertod bedroht.

Besonders betroffen seien Binnenflüchtlinge in der umkämpften Provinz Unity State im Norden des Landes, wie das Welternährungsprogramm (WFP), das Kinderhilfswerk Unicef und die Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) mitteilten.

Viele Vertriebene dort ernährten sich bislang von Fischen und Wasserlilien, doch "wegen des sinkenden Wasserpegels verlieren sie ihre letzten Nahrungsquellen", heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Unicef-Sprecher Jonathan Veitch sagte, aufgrund der schlechten Sicherheitslage sei es schwierig, manche der betroffenen Gegenden zu versorgen.

Der Südsudan ist das jüngste Land auf dem afrikanischen Kontinent. Schon kurz nach dem Unabhängigkeitsreferendum von 2011 kam es zu Spannungen in der Regierung. Ende 2013 führten der Präsident Salva Kiir und sein ehemaliger Vize Riek Machar das ölreiche Land in einen von ethnischen Konflikten und Habgier befeuerten Bürgerkrieg. Mehr als 2,3 Millionen Menschen sind wegen der Gewalt auf der Flucht.

Somalia: "Jeden Tag Schwierigkeiten, Essen zu bekommen"

Auch für den Krisenstaat Somalia schlug die Uno Alarm. In Somalia benötigt demnach fast die Hälfte der Bevölkerung Nahrungsmittelhilfe, rund 4,7 Millionen Menschen. Fast 950.000 Menschen hätten "jeden Tag Schwierigkeiten, genug zu Essen zu bekommen", erklärte die Uno-Organisation der Nothilfekoordination (OCHA). Wegen der Dürre könnte die Zahl der akut bedrohten Menschen bis Mitte des Jahres auf 3,6 Millionen steigen.

Die Dürre soll unter anderem auf das Klimaphänomen El Niño zurückzuführen sein; allerdings gilt der Zusammenhang zwischen der warmen Pazifikströmung und der Dürre in Afrika manchen Experten auch als weit hergeholt. Im zu Somalia und zum Südsudan benachbarten Äthiopien wird ebenfalls mit einer Hungersnot gerechnet. Dort sind Uno-Zahlen zufolge 10,2 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Auch im diktatorisch regierten Simbabwe ist, wie im Südsudan, jeder vierte Einwohner auf Nahrungshilfe angewiesen.

cht/dpa

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