New York - Zwei Monate alt ist Fulhado Daud Aliyow, seine Mutter hat sich mit ihm in das Flüchtlingslager bei Dadaab in Kenia retten können. Dort versorgen ihn Ärzte notdürftig - der kleine Junge ist unterernährt wie so viele Kinder in der Region. Sie sind die Schwächsten und daher besonders schwer betroffen von der verheerenden Dürre am Horn von Afrika. Rund 500.000 Kinder sind vom Tod bedroht, schätzt das Uno-Kinderhilfswerk Unicef.
Die Uno-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) berief für kommenden Montag ein Krisentreffen ein. Es werde am FAO-Sitz in Rom abgehalten, teilte die Organisation am Montag mit.
Besonders litten arme Familien in Kenia, Somalia, Äthiopien und Dschibuti. Viele Menschen seien bereits zu krank oder zu schwach, um sich in andere Gebiete zu retten, sagte der geschäftsführende Unicef-Direktor Anthony Lake, der am Wochenende von der Dürre betroffene Gegenden in Kenia besucht hatte. Da der nächste Regen frühestens im Oktober falle und erst im kommenden Jahr wieder eine Ernte zu erwarten sei, würden die kommenden sechs Monate sehr hart.
Die Organisation rief zu Spenden auf, um eine drohende Katastrophe abzuwenden. Zehntausende Zelte würden nach Äthiopien und Kenia geflogen, kündigte Uno-Sprecher Martin Nesirky an.
Die Dürre am Horn von Afrika bedroht rund zwölf Millionen Menschen. In Somalia, Äthiopien, Kenia, Dschibuti und Uganda sind wegen einer seit zwei Jahren anhaltenden Trockenheit mehrere Ernten ausgefallen. Steigende Lebensmittelpreise und Unterernährung sind die Folge. In den Gebieten, die am schwersten von der Trockenheit betroffen sind, leben auch die ärmsten Menschen der Region. Viele Menschen betreiben Viehzucht, aber durch die Dürre sterben Tausende Rinder und Ziegen. Die überlebenden Tiere sind oft ausgemergelt und krank.
Verschärft werden die Probleme durch den Bürgerkrieg in Somalia. Allein im Juni flohen nach Uno-Angaben rund 54.000 Menschen vor der Dürre und der Gewalt aus dem Land. Insgesamt sind 430.000 Somalier auf der Flucht - sie suchen Schutz in den Nachbarländern. Die Uno geht davon aus, dass inzwischen in Äthiopien 4,5 Millionen Menschen und in Kenia 3,5 Millionen Menschen hilfsbedürftig sind.
"Katastrophalste Situation seit einer Generation"
Der britische Premierminister David Cameron rief die internationale Gemeinschaft am Montag am Rande eines Besuchs in Südafrika zu "dringendem und entschiedenem Handeln" auf. Die Länder am Horn von Afrika würden die "katastrophalste Situation" seit einer Generation erleben, sagte Cameron.
Der britische Entwicklungsminister Andrew Mitchell hatte bei einem Besuch im Osten Kenias zu mehr Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft aufgerufen. Es gebe lediglich "einige lächerliche Angebote" reicher europäischer Staaten. "Es ist furchtbar, wenn in der heutigen Welt ein Baby am Mangel an Nahrung stirbt." Er versprach eine Aufstockung der britischen Hilfsmittel um umgerechnet 59 Millionen Euro. Auch die deutsche Bundesregierung erhöhte ihre Hilfe für die Region um fünf Millionen Euro. Zugleich rief sie die Deutschen auf, die Hungernden auch mit privaten Spenden zu unterstützen.
Die Europäische Union kündigte am Montag an, ihre Nothilfe für die Region deutlich zu aufzustocken. Die für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgieva kündigte eine "bedeutende Erhöhung" der EU-Mittel für die von der Hungersnot betroffenen Gebiete an. Vorvergangene Woche hatte die Kommission ihre Hilfe für 2011 um 5,7 Millionen Euro auf rund 70 Millionen Euro erhöht. Zur Bitte der islamistischen Schabab-Miliz in Somalia um internationale Hilfe von Anfang Juli äußerte sich Georgieva mit gemischten Gefühlen. Dies sei "ein Zeichen von Verzweiflung und von Hoffnung" für die Hungernden, sagte die EU-Kommissarin.
Die Miliz hatte jahrelang in den von ihr kontrollierten Gebieten ausländischen Helfern die Arbeit verboten, unter dem Eindruck der Hungerkatastrophe ihre Haltung jedoch geändert. Erstmals seit zwei Jahren hatten die Vereinten Nationen am Sonntag wieder eine Lieferung in die von der Schabab-Miliz kontrollierten Gebiete Somalias gebracht. Die Unicef bereite weitere Lieferungen in die von den Rebellen kontrollierten Gebiete vor.
kgp/AFP/dpa/dapd
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