Duma-Wahlen Russlands Parteien und ihre Spitzenkandidaten

Von , Moskau

Liberal-Demokratische Partei Russlands - Wahlverein des "Russen-Hitlers"


Wladimir Schirinowski: Stets verlässlich an der Seite der Kreml-Partei "Einiges Russland"
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Wladimir Schirinowski: Stets verlässlich an der Seite der Kreml-Partei "Einiges Russland"

Spitzenkandidat: Wladimir Schirinowski

Um Missverständnisse zu vermeiden: Schirinowskis Liberaldemokraten sind weder liberal noch demokratisch. Als nationalistisches Schreckgespenst jagte der "Russen-Hitler" mit chauvinistischem Gepolter einst dem Westen Angst ein. In Russland mimt Schirinowski seit 20 Jahren den Anwalt des kleinen Mannes und schürt fremdenfeindliche Ressentiments.

Wladimir Schirinowski, zugleich Vizevorsitzender der Duma, brachte in einer Auflage von zwölf Millionen Stück eine Broschüre unters Volk, in der er die angeblich russenfeindliche Haltung der Regierung geißelt. Sie ziehe "dem arbeitenden Iwan Geld aus der Tasche, um es dem Banditen Mohammed zu geben, der Iwan dann in Stücke schneidet und sich selbst einen dritten Mercedes kauft".

Schirinowski kritisiert damit die Politik des Kreml, die moslemisch dominierten Unruheprovinzen des Nordkaukasus zu subventionieren. Wird in der Duma abgestimmt steht Schirinowski aber stets verlässlich auf der Seite der Kreml-Partei "Einiges Russland". Kein Wunder: Bei der Gründung der LDPR stand vor zwei Jahrzehnten schon der sowjetische Geheimdienst Pate.

Wahlchancen

Schirinowski absorbiert seit 20 Jahren verlässlich Stimmen am rechten Rand, damit rechts neben der handzahmen LDPR keine starke rechte Oppositionspartei entsteht. Bei den diesjährigen Wahlen aber sieht sich Schirinowski politischen Produktpiraten gegenüber: Weil immer mehr Russen nationalistischen Parolen wie "Russland den Russen" zustimmen rücken auch die anderen Parteien nach rechts. Für den Kreml geht Russlands Nato-Botschafter Dmitrij Rogosin auf Stimmenjagd, der Russlands Großstädte zu "Zentren der Diktatur russischer Kultur" machen will. Selbst Kommunistenführer Gennadij Sjuganow, traditionell eigentlich der Völkerfreundschaft verbunden, profiliert sich als verlässliche Kraft im "aufflammenden nationalen Befreiungskampf".

Demoskopen sehen Schirinowskis LDPR deshalb nur leicht stärker bei 11 bis 13 Prozent.



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