Dutzende Tote bei Protesten Machthaber Assad kämpft gegen sein Volk

Mehr als zwei Dutzend Tote an einem Tag. Syriens Sicherheitskräfte gehen nach den Freitagsgebeten mit aller Härte gegen Anhänger der Demokratie-Bewegung vor. In vielen Städten ließ das Regime sogar Panzer gegen die Demonstranten anrücken.

Demonstrationen in Banias (am 6. Mai): "Baschar, tritt ab und lass uns leben!"
AP

Demonstrationen in Banias (am 6. Mai): "Baschar, tritt ab und lass uns leben!"


Berlin - Syrische Truppen haben nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten bei neuerlichen Protesten gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad am Freitag mehr als zwei Dutzend Menschen getötet. In mehreren großen Städten eröffneten die Sicherheitskräfte das Feuer mit scharfer Munition auf Demonstranten. In der Stadt Homs im Westen etwa feuerten die Sicherheitskräfte auf die Menschen, als sie am Freitag nach dem Mittagsgebet aus der Moschee auf die Straße strömten. Elf Demonstranten starben allein bei diesem Blutbad.

In den Orten Daraja und Barsa nahe Damaskus wurden wohl sechs Demonstranten getötet, in der nordwestlichen Stadt Maarat al-Numan vier, in der Nähe von Daraa im Süden zwei. Sechs Menschen sollen in dem südsyrischen Dorf Sanamein ums Leben gekommen sein, aus der im Osten gelegenen Stadt Bukamal werden drei Todesopfer gemeldet. In vielen Städten hatte das Regime Panzer auffahren lassen, um die Proteste zu ersticken.

Die Demonstrationen finden meist am Freitag statt, dem islamischen Wochenfeiertag. Oppositionsaktivisten berichten zudem von Panzern, die rund im die im Norden gelegene Stadt Maaret al Numan aufgefahren seien. In der Stadt gebe es Dutzende Verletzte, und die Krankenhäuser benötigten Blutspenden, teilte ein örtliches Komitee mit, das die Demonstrationen mitorganisiert hatte.

US-Präsident Obama setzt Assad unter Druck

Große Menschenmengen demonstrierten auch in der Mittelmeer-Stadt Banias und in Kamischli im nordöstlichen Kurden-Gebiet. In Banias hätten die Regierungstruppen in die Luft geschossen und seien außerdem mit Stöcken auf die Menge losgegangen, um sie zu zerstreuen, berichtete ein Augenzeuge. Dabei seien etliche Menschen verletzt worden.

Häufig riefen die Protestierenden: "Baschar, tritt ab und lass uns leben!". An den Rändern von Damaskus wurden zahlreiche Sicherheitskräfte zusammengezogen, um Kundgebungen mit Gewalt zu verhindern, hieß es von den Aktivisten.

Aus Tel Kalach an der Grenze zum Libanon zog sich das Militär nach einer Woche wieder zurück. Tausende Menschen waren aus Angst vor Repressionen der Geheimpolizei über die Grenze ins Nachbarland geflüchtet. Nach Angaben von Augenzeugen töteten die Sicherheitskräfte in dieser Zeit 30 Menschen, 300 weitere wurden verschleppt. Truppen rückten hingegen in Al-Arida, einem anderen Grenzort, ein.

Die Demonstrationen an diesem Freitag legten es nahe, dass die Opposition versucht, sich neu zu formieren. Die jüngsten Proteste seien größer und weiter verbreitet als noch vor einer Woche, sagte Rami Abdul-Rahman, Direktor der syrischen Menschenrechtsgruppe SOHR. Trotz der verstärkten Präsenz von Streitkräften und Polizei in einigen Städten seien noch mehr Menschen zum Demonstrieren auf die Straße gegangen. "Das ist sehr bedeutend", sagte Abdul-Rahman.

Die syrische Führung verurteilte indes die Ansprache von US-Präsident Barack Obama, in der dieser am Vortag Machthaber Assad vor die Wahl gestellt hatte, den Wandel zu Demokratie anzuführen oder "zur Seite zu treten". Dies zeige deutlich, wie sehr sich "die USA in die inneren Angelegenheiten Syriens einmischen", stellte die staatliche Nachrichtenagentur Sana in einer Erklärung am Freitag fest.

Die Nato schließt ein militärisches Eingreifen in Syrien angesichts der tödlichen Angriffe von Militär, Polizei und Geheimdienst auf friedliche Demonstranten jedoch aus. Das nordatlantische Bündnis habe keinen Einsatz geplant, "auch wenn wir die Brutalität der syrischen Sicherheitskräfte und die eiserne Faust gegen die Zivilbevölkerung scharf verurteilen", erklärte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in einem Interview mit der italienischen Nachrichtenagentur Ansa.

Der einzig mögliche Ausweg für das Regime sei es, den "legitimen Forderungen des Volkes nachzugeben und einen friedlichen Übergang zu einer Demokratie zuzulassen". Seit Beginn der Proteste in Syrien Mitte März wurden nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen mehr als 850 Menschen getötet.

Kurz vor Obamas Rede hatten die USA zum ersten Mal Strafmaßnahmen gegen Assad verhängt. Demnach wird sein Vermögen in den USA eingefroren und US-Bürgern ist es verboten, Geschäfte mit ihm zu tätigen. Die Sanktionen gelten nicht nur für den Präsidenten selbst, sondern auch für andere ranghohe Mitglieder des Regimes. Welche praktischen Auswirkungen die Sanktionen haben werden, ist bisher noch unklar. Ebenso ist unbekannt, ob die Betroffenen überhaupt über Vermögen in den USA verfügen.

sef/dpa/dapd/AFP/Reuters

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alnemsi 04.06.2011
1. Peinlich
Zitat von sysopMehr als zwei Dutzend Tote an einem Tag. Syriens Sicherheitskräfte gehen nach den Freitagsgebeten mit aller Härte gegen Anhänger der Demokratie-Bewegung vor. In vielen Städten ließ das Regime sogar Panzer gegen die Demonstranten anrücken. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,764005,00.html
Liebes SPON Team, bitte definieren Sie Demokratiebewegung. Würden Sie die gewalttätigen Demonstranten am 1. Mai als Demokratiebewegung bezeichnen? Wo genau ist der Unterschied zwischen Randalierern mit pseudopolitischen Zielen und einer "Demokratiebewegung" für Sie? Auch der Titel "Machthaber Assad kämpft gegen sein Volk" ist ja wohl völlig daneben. Insbesondere aufgrund Ihres Selbstanspruches, welchen Sie ja in anderen Medien immer wieder klar zum Ausdruck bringen, ist es überraschend, dass Sie einen inhaltlich teilweise falschen, jedoch offensichtlich großteilig hintergrundwissensfreien Artikel mit reißerischer Überschrift, viel Meinung, und ganz ganz wenig Objektivität gebracht haben. Da ich nicht geneigt bin, Ihnen ein IQ unter Raumtemperatur zu unterstellen, und ich sagen muss, dass mein 12jähriger Neffe den gleichen ****** hätte produzieren können, finde ich es offensichtlich, dass SIE HIER PROPAGANDA BETREIBEN. Dies ist ein verabscheuungswürdiger Vorgang, und steht nicht mehr über BILD-Niveau. Einfach nur noch peinlich.
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