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Kampf gegen Ebola: Elfenbeinküste macht Grenzen dicht

Uno-Soldat auf Patrouille in der Elfenbeinküste (Archivbild): Abschottung wegen Ebola Zur Großansicht
AFP

Uno-Soldat auf Patrouille in der Elfenbeinküste (Archivbild): Abschottung wegen Ebola

Aus Angst vor dem Ebola-Virus hat die Elfenbeinküste ihre Grenzen zu den Nachbarn Liberia und Guinea geschlossen. Laut Weltgesundheitsorganisation wird der Kampf gegen das tödliche Virus noch Monate dauern.

Abidjan/Genf - Die Elfenbeinküste hat ihre Grenzen zu den Nachbarländern Liberia und Guinea geschlossen. In beiden westafrikanischen Ländern ist das Ebola-Virus ausgebrochen. Mit der Schließung der Grenzen soll verhindert werden, dass sich die Krankheit auf das Territorium der Elfenbeinküste ausbreitet.

"Angesichts neuer Ausbrüche der Epidemie hat sich die Regierung der Elfenbeinküste entschlossen, die Grenzen zu ihren Schwesterstaaten Guinea und Liberia zu schließen", heißt es in einer Verlautbarung, die am späten Freitagabend im staatlichen Fernsehen des Landes verlesen wurde.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO ist die Zahl der Ebola-Toten unterdessen auf 1427 gestiegen. In den vier betroffenen Ländern Guinea, Liberia, Nigeria und Sierra Leone seien 77 weitere Menschen an der Seuche gestorben, teilte die WHO am Freitag in Genf mit. Insgesamt seien mehr als 2600 Fälle von Erkrankungen bekannt.

Trotz dieser an sich schon erschreckenden Zahlen gab die WHO überdies an, das wahre Ausmaß der Ebola-Seuche in Westafrika würde unterschätzt, weil viele Familien ihre erkrankten Angehörigen verstecken. Viele Menschen fürchteten eine Ausgrenzung, sollte bei ihnen Ebola diagnostiziert werden. Um solches Verhalten zu unterbinden, hat das Parlament in Sierra Leone es am Samstag für illegal erklärt, Infizierte zu verstecken. Als Strafe drohen bis zu zwei Jahre Haft.

Mindestens ein halbes Jahr noch

Gleichzeitig kündigte die WHO an, in Liberia weitere Behandlungsplätze für Ebola-Patienten zu schaffen. In der Hauptstadt Monrovia sollen weitere Gesundheitszentren errichtet werden, um in den kommenden sechs Wochen die Zahl der Betten um 500 zu erhöhen, wie die Uno-Organisation am Samstag mitteilte. Die bisherige Bettenzahl sei angesichts der erwarteten weiteren Zunahme an Ebola-Patienten unzureichend.

Laut der jüngsten WHO-Bilanz wurden in Liberia 1082 Infizierte gezählt. In 624 Fällen verlief die Krankheit tödlich. Liberia ist damit stärker von der Epidemie betroffen als Guinea, Sierra Leone und Nigeria, in denen sich das Virus ebenfalls ausgebreitet hat.

Der WHO-Vertreter Keiji Fukuda sagte am Freitag in Monrovia, ausgehend von der Erfahrung mit früheren Ebola-Epidemien erwarte seine Organisation, dass das Virus in sechs bis neun Monaten wieder unter Kontrolle sein werde.

Experimente mit "ZMapp"

Experten gehen davon aus, dass derzeit Aufklärung und Isolierung Erkrankter die einzigen Erfolg versprechenden Möglichkeiten sind, die Epidemie zu bekämpfen. Erste Ergebnisse mit einem experimentellen Mittel tragen zwar zur vorsichtigen Hoffnung bei, dass es irgendwann ein wirksames Heilmittel geben wird, doch brachte die Behandlung damit nicht bei allen Patienten den erhofften Erfolg.

Zwei Ebola-Patienten in Liberia seien nach der Behandlung mit dem experimentellen Wirkstoff "ZMapp" auf dem Weg der Besserung, teilte die WHO am Freitag mit. Bei einer Krankenschwester und einem Arzt, die sich bei der Arbeit infiziert hatten, sei jeweils eine "deutliche Verbesserung" des Gesundheitszustands eingetreten. Der Zustand eines weiteren mit dem Präparat behandelten Arztes in Liberia sei zwar noch ernst, aber auch bei ihm sei eine Besserung zu beobachten.

Der Anti-Ebola-Wirkstoff ist aufgebraucht

Zwei in die USA ausgeflogene Patienten wurden ebenfalls nach der Behandlung mit "ZMapp" als geheilt entlassen. Ein spanischer Geistlicher, der sich mit dem Virus infiziert hatte, starb allerdings trotz der Behandlung mit dem Wirkstoff.

Hinzu kommt, dass die Vorräte des Mittels laut WHO nun aufgebraucht sind. Wann die US-Herstellerfirma wieder Dosen liefern kann, sei unklar. Auch von anderen experimentellen Mitteln, die zur Therapie oder als Impfung verwendet werden könnten, gibt es laut WHO nur geringe Mengen, sodass sie nicht zur Eindämmung des aktuellen Ebola-Ausbruchs herangezogen werden können.

mak/Reuters/AFP

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POTENZIELLE MITTEL GEGEN EBOLA
ZMapp
Bei dem Serum namens ZMapp handelt es sich um einen Cocktail aus drei verschiedenen sogenannten monoklonalen Antikörpern. ZMapp, in Studien auch MB-003 genannt, wird von der US-Firma Mapp Biopharmaceutical Inc. aus San Diego hergestellt. Dazu werden gentechnisch veränderte Tabakpflanzen genutzt, aus denen die Antikörper isoliert und aufgereinigt werden. Doch die Herstellung dauert Monate.

2012 erschien erstmals eine Studie in den "Proceedings of the National Academy of Sciences", die die Wirkung des Serums beschreibt. Spätere Versuche bei Affen zeigten, dass die Antikörper dem Immunsystem helfen, infizierte Zellen zu eliminieren - auch wenn man das Serum verabreicht, nachdem die ersten Anzeichen des Ebola-Fiebers ausgebrochen sind.

Bei dem Ebola-Ausbruch in Westafrika wurden bis Mitte August drei Menschen mit ZMapp behandelt: Eine Missionarin und ein Arzt aus den USA sowie ein Geistlicher aus Spanien, der inzwischen verstorben ist. Ob ZMapp den US-Amerikanern geholfen hat, ist völlig unklar. Ebenso welche Nebenwirkungen es im Menschen haben kann.
TKM-Ebola
TKM-Ebola ist ein gentechnisch hergestelltes Mittel, das von der kanadischen Firma Tekmira Pharmaceuticals in Burnaby produziert wird. Es handelt sich dabei um kleine Erbgut-Schnipsel, sogenannte siRNA-Moleküle, die die Vermehrung des Virus bremsen sollen.

Im Januar hatte die Tekmira mit ersten Versuchen an Menschen begonnen. Doch die US-Zulassungsbehörde FDA hatte die Versuche aus Mangel an Daten darüber wie die Therapie wirkt und aus Mangel an Daten zur Sicherheit des Medikaments, zunächst unterbrochen. Inzwischen hat die FDA die Studie wieder unter Auflagen freigegeben.

Auch TKM-Ebola hatte bei Versuchen an Primaten Wirkung gezeigt. Im Gegenteil zu ZMapp aber könnte es sein, dass sich TKM-Ebola nur für eine rasche Behandlung sofort nach der Ansteckung mit dem Virus eignet. Vorteil: Das Mittel lässt sich schneller produzieren als ZMapp.
VSV-Vakzine
Neben den Mitteln, die Erkrankten helfen sollen, das Ebola-Virus zu besiegen, gibt es auch Impfstoffe in der Entwicklung. Sie sollen vor einer Infektion mit Ebola schützen.

Einer der Impfstoffe stammt ursprünglich aus dem Labor von Geisberts Forscherteam. 2005 veröffentlichten die Wissenschaftler erstmals eine Studie über die sogenannte VSV-Vakzine. Diese besteht aus dem Vesicular stomatitis Virus, ein Virus, das eng mit dem Tollwutvirus verwandt ist und dessen Erbgut gentechnisch verändert ist, sodass es zwar keine Krankheit mehr im Menschen verursachen kann, aber dennoch die Immunabwehr dazu anregt, Antikörper dagegen zu produzieren.

Auch in Kanada forschen Wissenschaftler an einer solchen VSV-Vakzine namens VSV-EBOV, die bisher nur an Affen und nicht an Menschen getestet wurde. Am 13. August erklärte die kanadische Gesundheitsbehörde, dass man der WHO 800 bis 1000 Ampullen VSV-EBOV zur Verfügung stellen werde. Die Firma NewLink Genetics Corp hält die Lizenz für den Impfstoff. Sie kündigte an, die VSV-Vakzine in Zusammenarbeit mit US-Sondereinheit Defense Threat Reduction Agency (DTRA) bald in einer ersten humanen klinischen Studie zu testen. Dazu sollen in den nächsten Wochen weitere Dosen des Impfstoffs produziert werden.

Der Imfpstoff könnte nach Angaben des Virologen Stephan Becker von der Universität in Marburg ab Herbst auch vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung an Menschen getestet werden, falls genügend Impfdosen zur Verfügung stehen - und sich Geldgeber finden.


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