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Ebola-Epidemie in Liberia: Armee setzt Quarantäne mit scharfer Munition durch

Soldat in Monrovia: "Sie haben nicht auf friedliche Bürger geschossen" Zur Großansicht
Getty Images

Soldat in Monrovia: "Sie haben nicht auf friedliche Bürger geschossen"

Liberias Regierung hat ein Elendsviertel in der Hauptstadt Monrovia abgeriegelt, um die Ebola-Ausbreitung zu stoppen. Die 50.000 Einwohner von West Point reagieren panisch. Die Armee hat scharf auf Protestierende geschossen.

Monrovia - Liberias Regierung will die weitere Ausbreitung des Ebola-Virus um jeden Preis verhindern. Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf verhängte eine nächtliche Ausgangssperre und stellte West Point, ein Elendsviertel der Hauptstadt Monrovia, unter Quarantäne.

Die Sicherheitskräfte in Liberia setzen die Abriegelung des Stadtteils, in dem etwa 50.000 Menschen leben, mit aller Härte durch. Die Armee feuerte mit scharfer Munition und Tränengas auf Anwohner, die das Viertel verlassen wollten. Zuvor hatten Hunderte mit Steinen auf die Sicherheitskräfte geworfen, um aus West Point zu fliehen. Bei den Zusammenstößen wurden mindestens vier Personen verletzt.

"Die Soldaten setzen scharfe Munition ein", bestätigte Armeesprecher Dessaline Allison. "Sie haben sich an die Einsatzregeln gehalten und nicht auf friedliche Bürger geschossen."

Lebensmittel in Liberia werden knapp

West Point wurde am Mittwochmorgen abgeriegelt. Die Sicherheitskräfte errichteten Barrikaden aus Tischen, Stühlen und Stacheldraht. Viele Anwohner können nun nicht mehr zur Arbeit gehen, außerdem werden sie von der Versorgung mit Nahrungsmitteln abgeschnitten. Direkt nach der Abriegelung des Viertels seien die Preise für Lebensmittel und selbst für abgefülltes Trinkwasser in die Höhe geschnellt, berichten Leute vor Ort.

Am Wochenende hatte in West Point eine aufgebrachte Menschenmenge 17 Patienten aus einer provisorischen Ebola-Quarantänestation herausgeholt. Von ihnen fehlt jede Spur. Reuters-Journalisten in Monrovia berichten, es machten Gerüchte die Runde, dass die Regierung mit der Abriegelung das Ebolavirus überhaupt erst nach West Point einschleusen wolle.

Liberia ist von der Ebola-Epidemie in Westafrika am stärksten betroffen. Etwa 500 Menschen sind bislang an dem Fieber gestorben. Inzwischen werden Benzin und andere Waren des täglichen Bedarfs knapp, weil sich viele Reedereien und Fluggesellschaften weigern, das Land weiter anzufliegen.

syd/Reuters

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insgesamt 39 Beiträge
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1. Die Massnahmen sind leider notwendig!
thunderstorm305 21.08.2014
Die Ebola-Epidemie konnte auch deshalb entstehen, weil in den jetzt betroffenen Ländern diese Krankheit nie ausgebrochen war. Die Einwohner denken dass es eine Erfindung der Regierungen ist, um an internationale Hilfsgelder zu kommen. Aufgrund dieser Unwissenheit und Unaufgeklärtheit ist es verständlich dass die Regierungen zu so drastischen Massnahmen genötigt sind.
2. Leider
Pegu 21.08.2014
Leider keine andere Möglichkeit. Die Bewohner dieses Viertels haben sogar Ebola Kranke bewaffnet aus einem Krankenhaus "befreit".
3. Die 17 Kranken
DerSponner 21.08.2014
sind doch freiwillig wieder zurückgekommen, hatte der Spiegel berichtet.
4. Geht nicht anders.
ratxi 21.08.2014
Wenn die begründete Entscheidung gefallen ist, Personen oder ganze Viertel unter Quarantäne zu stellen, muss diese auch durchgesetzt werden, so hart das ist und klingt. Manchmal muss es eben primär um die noch Gesunden gehen.
5. Wie im Film
schmusel 21.08.2014
Ich kann mich nicht erinnern, in den letzten Jahrzehnten (oder überhaupt) davon gehört zu haben, dass eine Quarantäne mit Waffengewalt durchgesetzt werden musste. Dann ist es um diese Epidemie wahrhaftig schlimm bestellt!
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Das Ebolavirus
Ebolafieber
Die Erkrankung beginnt wie eine Erkältung: Fieber, Kopf-, Hals- und Muskelschmerzen sind meistens die ersten Symptome. Hinzu kommen Übelkeit und, nach fünf bis sieben Tagen, schwere Schleimhautblutungen im Magen-Darm- und Genitaltrakt. Die für die Blutgerinnung wichtigen Blutplättchen (Thrombozyten) sind bei vielen Patienten stark verringert, die Patienten drohen innerlich zu verbluten. Später versagen die Nieren ihren Dienst, schließlich das Herz-Kreislauf-System. Eine Heilung gibt es bislang nicht, 50 bis 80 Prozent aller Betroffenen sterben.
Virus
Die Viren stammen vor allem aus Afrika und Südostasien. Sie gehören zu den sogenannten Filo-Viren, von denen bislang drei Stämme bekannt sind (Ebola-, Marburg- und Reston-Virus). Vor allem Ebola- und Marburg-Virus ähneln sich stark und lassen sich anhand der Symptome beim Menschen nur schwer unterscheiden. Allerdings unterscheiden sie sich in ihren Antigenstrukturen.
Ansteckung
Die Übertragung der Ebolaviren von Mensch zu Mensch findet durch infizierte Körpersekrete statt. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis 21 Tage. Ist von einer Infektion noch nichts bekannt, können sich die Viren innerhalb eines Krankenhauses immer dann ausbreiten, wenn Hygienemaßnahmen nicht streng verfolgt werden. Zur Vermeidung von Ansteckungen muss das Krankenhauspersonal engen Kontakt zum Infizierten meiden und ihn isolieren. Vor allem mit Blut und anderen Sekreten kontaminiertes Material muss fachgerecht entsorgt werden.

In Deutschland gibt es in neun Städten Sonderisolierstationen: in Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Düsseldorf, Leipzig, Würzburg, Stuttgart und Saarbrücken.
Nachweis
Um eine Infektion mit Ebolaviren zu diagnostizieren, muss ein Labor entweder die Viren selbst, Bestandteile oder spezifische Antikörper gegen die Erreger nachweisen. Es besteht Meldepflicht.
Epidemien
Häufig gehen Epidemien beim Menschen von infizierten Menschenaffen aus, der Hauptwirt des Virus ist jedoch noch nicht bekannt.

2000 erkrankten in Uganda 425 Menschen bei ein Epidemie, mehr als die Hälfte (53%) starb.

2003 breitete sich das Virus in Kongo-Brazzaville aus, 140 Menschen erkrankten, 123 starben.

2007 war wieder Uganda betroffen: Laut Weltgesundheitsbehörde WHO erkrankten 121 Menschen, 35 fielen der Infektion zum Opfer.

2009 war die Demokratische Republik Kongo betroffen: Von 36 Betroffenen starben nach Angaben der WHO zwölf.

Seit Dezember 2013 grassiert das Ebolavirus in Westafrika. Es ist der bisher größte bekannte Ausbruch. Bis Mitte August 2014 starben mehr als 1000 Menschen an den Folgen einer Infektion.

Zu weiteren Ausbrüchen kam es im Sudan, Gabun und an der Elfenbeinküste.


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