Kampf gegen Ebola Liberias Präsidentin verhängt Ausgangssperre

Kein Land ist so schwer von der Ebola-Epidemie betroffen wie Liberia, doch viele Menschen ignorieren das Problem. Nun verhängt Präsidentin Johnson Sirleaf eine nächtliche Ausgangssperre - und stellt 50.000 Menschen unter Quarantäne.

Präsidentin Johnson   Sirleaf: "Gott möge uns schützen und den Staat retten"
AP/dpa

Präsidentin Johnson Sirleaf: "Gott möge uns schützen und den Staat retten"


Monrovia - Liberia ergreift drastische Maßnahmen im Kampf gegen die Ebola-Epidemie. Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf verhängte eine nächtliche Ausgangssperre, die ab Mittwoch jede Nacht von 21 Uhr bis 6 Uhr gelten soll. Außerdem stellten die Behörden zwei ganze Stadtviertel unter Quarantäne, darunter eines in der Hauptstadt Monrovia, in dem etwa 50.000 Menschen leben.

In dem Stadtteil West Point hatten aufgebrachte Anwohner am Wochenende eine Quarantänestation gestürmt und mehrere Ebola-Patienten befreit. Nun sollen Sicherheitskräfte dafür sorgen, dass niemand mehr das Viertel betritt oder verlässt.

"Wir haben die Ausbreitung nicht kontrollieren können, weil der Ernst der Lage noch immer ignoriert wird, wegen der Beerdigungspraktiken, wegen der Nichtbeachtung von Hinweisen des Gesundheitswesens und wegen der Missachtung von Warnungen der Regierung", sagte die Präsidentin in einer Ansprache. Deshalb habe sich das Virus in Monrovia und dem Umland ausbreiten können. "Gott möge uns schützen und den Staat retten", sagte Johnson Sirleaf.

466 Ebola-Tote in Liberia

Viele Familien in Liberia verstecken Erkrankte in ihren Häusern. Sie glauben, dass sich die Krankheit verschlimmert, wenn sie sich in Quarantänestationen begeben, weil zahlreiche Infizierte trotz Behandlung dort verstarben. Seit Tagen suchen die Behörden etwa nach einem Pastor, der aus einer Krankenstation floh.

Liberia ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO mit bislang 466 Toten am schwersten von der Ebola-Epidemie betroffen. Insgesamt gibt es mittlerweile mehr als 1200 Tote und über 2200 Infizierte.

Das Ebolavirus war zunächst zu Jahresbeginn in Guinea aufgetaucht, im Grenzgebiet zwischen Sierra Leone und Liberia. Es verbreitete sich rasch in den beiden Nachbarstaaten und erreichte schließlich Nigeria. Der Erreger löst hämorrhagisches Fieber aus, das in vielen Fällen zum Tod führt. Medikamente dagegen gibt es nicht, doch steigert eine frühzeitige Behandlung die Überlebenschancen. Von Mensch zu Mensch wird das Virus über Körperflüssigkeiten übertragen.

syd/AFP/AP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
jbond007 20.08.2014
1. apokalytisch
Wie im Horrorfilm. Die liberianische Armee wird moeglicherweise Waffengewalt anwenden muessen, um die Quarantaene durchzusetzen... "Fluechtlinge" handeln verstaendlich, doch sind eine substantielle Gefahr fuer die Oeffentlichkeit. Sie muessen bei Fluchtversuch leider erschossen werden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.