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Ebola in Westafrika: Sierra Leone verhängt dreitägige Ausgangssperre

Die Lage in den von Ebola betroffenen Ländern Westafrikas wird immer dramatischer. Sechs Millionen Bürger in Sierra Leone dürfen an den kommenden drei Tagen ihre Häuser nicht verlassen. Die Lebensmittelvorräte gehen zur Neige.

Krankenhaus in Sierra Leone: Ärzte ohne Grenzen kritisieren Bundesregierung Zur Großansicht
DPA

Krankenhaus in Sierra Leone: Ärzte ohne Grenzen kritisieren Bundesregierung

Hamburg - Die Staaten in Westafrika unternehmen immer drastischere Maßnahmen im Kampf gegen die Ebola-Epidemie. Am Freitag tritt in Sierra Leone eine dreitägige Ausgangssperre in Kraft.Die rund sechs Millionen Bürger des Landes sollen bis Sonntag ihre Häuser nicht mehr verlassen.

Es ist eine der bislang spektakulärsten staatlichen Maßnahmen im verzweifelten Kampf gegen die Seuche. Die Regierung von Sierra Leone will bis Sonntag rund 20.000 freiwillige Helfer von Tür zu Tür schicken, um Infizierte zu identifizieren und Leichen wegzuschaffen. Weitere Isolationszentren, darunter in Schulen, sollen nach Behördenangaben eingerichtet werden. Experten rechnen mit fünf bis 20 Prozent neuer Fälle, die entdeckt werden könnten.

Für den früheren Chef der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, die in Westafrika mit an vorderster Front gegen die Seuche kämpft, ist das ein weiteres Schreckensszenario: Die staatlichen Stellen wären mit großen neuen Patientenzahlen schlicht überfordert, sagt Jean-Hervé Bradol. Ohnehin glaubt Bradol, dass Sierra Leone sich mit der Aktion übernimmt: "Das Land hat nicht die Kapazitäten, in drei Tagen jeden Haushalt zu besuchen."

Steinmeier verspricht weitere fünf Millionen Euro

Für die Helfer sei es zudem äußerst schwierig", "akkurate" Diagnosen im Schnellverfahren zu stellen, kritisiert die Organisation. Aber selbst wenn mutmaßliche Infizierte identifiziert würden, hätte Sierra Leone nicht genügend Behandlungsplätze für diese Fälle.

Die Welthungerhilfe warnte, dass die Epidemie in Sierra Leone zu einer Hungerkatastrophe führen könnte. Einer Mitteilung zufolge gehen die Nahrungsmittelvorräte in den besonders betroffenen Gebieten zuneige. Zugleich sei der Handel und Warenverkehr eingebrochen, während weniger als die Hälfte der Felder noch bewirtschaftet werde.

"Unsere Kollegen in den betroffenen Ländern sind am Ende ihrer Kräfte. Sie haben es mittlerweile mehr mit Toten, als mit Lebendigen zu tun", sagte der Deutschland-Chef von Ärzte ohne Grenzen, Tankred Stöbe, dem Bayerischen Rundfunk (BR). "Wir schaffen das nicht mehr allein. Die deutsche Regierung tut nichts."

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat am Donnerstag entschieden, die Hilfen aus den Mitteln des Auswärtigen Amts für die von dem Ebola-Virus betroffenen Länder um weitere fünf Millionen Euro aufzustocken. "Wir dürfen die betroffenen Menschen in dieser Lage nicht alleine lassen", sagte der SPD-Politiker. Die Bundesregierung hatte bislang rund zwölf Millionen Euro für Hilfsmaßnahmen zur Verfügung gestellt.

Seit Beginn des Ausbruchs haben sich nach Auskunft der Weltgesundheitsorganisation WHO 5335 Menschen mit dem Virus angesteckt, 2622 von ihnen sind gestorben.

syd/AFP/dpa/Reuters

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insgesamt 22 Beiträge
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1. mich beschleicht das Gefühl,
remcap 18.09.2014
Das dieses Geld nicht ausreicht, um diese Krankheit von Europa fernzuhalten. Vielleicht nicht mal ein tropfen auf dem Stein.... Wer letztendlich den Grossteil wieder kassiert, weissam Ende niemand.
2. 17 Mio. € von Deutschland, 39 Mio. € von zwei Privatpersonen
Jakob Licht 18.09.2014
Es ist eine Schande, daß eine der reichsten Industrienationen der Welt bisher nur 17 Mio für diese Epidemie übrig hatte - während Bill und Melinda Gates allein 50 Mio. Dollar spendeten. (Seltsamerweise fehlt diese Meldung auf fast allen deutschen Nachrichtenseiten - etwa aus Rücksicht vor der deutschen Regierung?) Zur Erinnerung: für den Klimaschwindel stiftet die deutsche Regierung 750 (!) Mio. €, für eine der schlimmsten Epidemien der Menschheit (seit 100 Jahren), der unter Umständen bis zu 5 Mio. Menschen zum Opfer fallen könnten (durch Hunger, Anarchie - und andere Krankheiten), ein Vierzigstel. Damit der Rest (733 Mio. €) für die 10.000 Eisbären bleibt, die dem Westen anscheinend wichtiger sind, wie ein paar Millionen Afrikaner.
3. 5 Millionen ????
amidelis 18.09.2014
Ist das ein Witz ????? Was glauben die in Berlin was das dort ist? Ein Tanztee bei dem der Kuchen ausgegangen ist ?!? Oh Mann
4. Langsam frag ich mich was hier nicht stimmt.
arkon_de 18.09.2014
Irgendwer macht mir doch da ein X für ein U vor. Nach offiziellen Zahlen sind es 5000 Infizierte, davon sind 2500 schon gestorben. Aktuell haben wir dann eine Helferquote von 2:1 also 2 Helfer auf 1 Infizierten. Hab ich irgendwas nicht mitbekommen?
5. Geldsorgen?
nachtmensch2014 18.09.2014
Ob es nun 5 Millionen Euro sind, oder 17 Millionen (siehe Kommentare oben) ist eigentlich egal. Beide Beträge sind lächerlich; machen traurig und wütend. Welche Prioritäten setzt unsere Regierung? Am Geldmangel wird es ja wohl nicht liegen. In Deutschland leben jetzt z.B. 123 Milliardäre! Gäben diese (notfalls durch ein im Eilverfahren erlassenes Gesetz) nur 1% (!) ihres Vermögens, könnte Deutschland schon mal mindestens 1230 Millionen Euro zur Hilfe beitragen. Wo hakt es eigentlich? Es geht ja nicht nur darum "irgendwelchen fremden Afrikanern" zu helfen. Es geht ggf. auch um unserer eigenes Überleben. Verdammt noch mal! Wie geldgierig, geizig und borniert kann jemand eigentlich sein?
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