Präsident Rafael Correa: Der Ehrgeizling von Ecuador

Von , Rio de Janeiro

Seine Wiederwahl am Sonntag gilt als sicher, obwohl sieben Kandidaten gegen Ecuadors Staatschef antreten. Doch Rafael Correa dürfte es schnell nicht mehr reichen, nur Präsident eines kleinen Andenlands zu sein. Er könnte schon bald Venezuelas Chávez als Ikone der Linken in Lateinamerika beerben.

Präsidentschaftswahl: Chancenlos gegen Correa Fotos
DPA

Er sitzt auf einem Fass Öl, schimpft über das Imperium im Norden und zwingt alle Fernseh- und Radiosender, seine Reden live und in voller Länge zu übertragen. Sein Mundwerk ist so groß wie sein Ego, die Opposition verfolgt er mit Häme und Zensur. Da enden dann aber auch die Gemeinsamkeiten zwischen Hugo Chávez, dem schwerkranken Caudillo von Venezuela, und Rafael Correa, dem dynamischen Staatschef des kleinen Ecuador.

Denn in Ecuador herrscht keine Mangelwirtschaft wie in Venezuela, die Inflation ist im Griff, der Dollar ist Landeswährung. Correa hat den Mindestlohn angehoben, 7000 Kilometer neue Straßen gebaut und den Etat für Gesundheit und Bildung verdreifacht, überall im Land sind neue Schulen und Krankenhäuser entstanden. Die Hauptstadt Quito soll erstmals eine U-Bahn erhalten.

Einmal monatlich schüttet die Regierung einen "Entwicklungsbonus" an die Armen aus, gerade wurde er von 35 auf 50 Dollar erhöht, eine erkleckliche Summe in einem der eher ärmeren Länder Lateinamerikas. Kein Wunder also, dass Correa, 49, am kommenden Sonntag wohl wiedergewählt wird, wahrscheinlich schon im ersten Wahlgang.

Kreuz und quer fährt er mit seinem "Correamobil" durchs Land, der Indianer-Poncho steht ihm ebenso gut wie ein italienischer Maßanzug. Die Opposition ist zersplittert, sieben Kandidaten treten gegen Correa an, keiner ist ihm wirklich gefährlich.

Der Wirtschaftsexperte aus der heißen Hafenstadt Guayaquil hat die einstige Bananenrepublik, die zwischen 1997 und 2005 drei Präsidenten verbraucht hat, mit einer Mischung aus sozialdemokratischer Wirtschaftspolitik und linker Populisten-Rhetorik auf Vordermann gebracht. Demokratischer ist sie dabei nicht geworden, wohl aber reicher und stabiler.

Correa versteht etwas von Wirtschaft, er hat in den USA und Belgien studiert, das unterscheidet ihn von seinem Freund Hugo Chávez, einem ehemaligen Unteroffizier. Natürlich hat er auch Glück gehabt: Der Ölpreis ist gestiegen, das Einkommen der Regierung hat sich seit 2006 verdreifacht, über die Hälfte stammt aus den Ölexporten. Aber anders als Chávez weiß er den Reichtum auch zu verwalten.

Auf Kritik reagiert Correa empfindlich

Die Frage ist nur, wie lange der Boom anhält: Die Erdölreserven liegen vorwiegend unter dem Urwaldboden des Amazonasbeckens und neigen sich allmählich dem Ende zu. Quito ist mit über drei Milliarden US-Dollar bei China verschuldet, ausländische Investoren scheuen das Land wegen der unsicheren Rechtslage und der hohen Steuerlast. In den Großstädten hat die Kriminalität zugenommen, sogenannte "Express-Entführungen" an Geldautomaten sind Alltag in Quito und Guayaquil.

Correas Gegner fürchten das explosive Temperament des Präsidenten und seinen Hang zur Egomanie. Auf Kritik regiert er empfindlich, kritische Fernsehsender und Zeitungen überzieht er mit einer Prozessflut, gleichzeitig hat die Regierung ein eigenes Medienimperium aufgebaut. Nach einem Wahlsieg könnte er versucht sein, seinem Freund und Vorbild Chávez nachzueifern und noch mehr Macht an sich zu reißen. Er sieht sich als politischer Erbe des venezolanischen Caudillos.

Sein außenpolitischer Ehrgeiz ist ungestillt, auch deshalb hat er Wikileaks-Gründer Julian Assange Asyl in der ecuadorianischen Botschaft in London gewährt. Außerdem strafte er so die verhassten USA ab: Obwohl er dort studiert hat, pflegt er eine tief sitzende Abneigung gegen die Macht im Norden. Sein Vater, der aus sehr armen Verhältnissen stammte, saß drei Jahre in einem amerikanischen Gefängnis. Er war beim Drogenschmuggel erwischt worden - das hat Correa den Amerikanern nie verziehen.

Wenn Chávez aus Gesundheitsgründen die Macht abgibt, könnte Correa versuchen das Vakuum auszufüllen und sich als neuer Leuchtturm der lateinamerikanischen Linken präsentieren. Denn die Republik Ecuador ist für das Ego ihres Präsidenten schon lange zu klein.

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Bevölkerung: 14,865 Mio.

Fläche: 272.045 km²

Hauptstadt: Quito

Staats- u. Regierungschef: Rafael Correa

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