Paris/New York - "Edith Bouvier und William Daniels sind im Libanon in Sicherheit und werden in Kürze unter dem Schutz unserer Botschaft in Beirut stehen." Es war eine gute Nachricht nach Tagen des Bangens und der Ungewissheit, die Frankreichs Staatspräsident Sarkozy am späten Donnerstagabend verkünden konnte. Den beiden Journalisten gelang nach Tagen die Flucht aus der Rebellenhochburg Homs in den Libanon. Ihre Ausreise steht kurz bevor.
Sarkozy äußerte sich am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. Er habe mit Bouvier telefoniert, die Journalistin werde in einer Regierungsmaschine nach Frankreich ausgeflogen, sagte Sarkozy weiter. Bouvier sei "natürlich sehr müde". Sie habe "viel gelitten, aber sie weiß, dass sie frei ist und dass sie bald behandelt wird". Falls die Ärzte einverstanden seien, könnten die beiden Franzosen noch in der Nacht nach Frankreich ausgeflogen werden.
Bouvier war nach Angaben eines mutmaßlichen Mitglieds der sogenannten Freien Syrischen Armee zunächst in der Nacht zum Dienstag mit dem britischen Fotografen Paul Conroy in Richtung libanesischer Grenze unterwegs gewesen. Dort seien beide von Truppen des syrischen Regimes mit Artilleriegeschützen angegriffen worden. Ein Teil der Gruppe habe mit Conroy die Grenze erreicht. Bouvier, die wegen einer Beinverletzung nicht laufen kann, wurde von Begleitern zurück nach Homs gebracht.
Bouvier und Conroy waren in der umkämpften Stadt Homs zusammen mit zwei Kollegen in einen Artillerieangriff geraten. Die amerikanische "Sunday-Times"-Kriegsreporterin Marie Colvin und der französische Fotograf Remi Ochlik kamen dabei ums Leben.
Die Rebellen in Homs sind auf dem Rückzug, sie weichen den Truppen des Despoten Baschar al-Assad. Das Viertel Bab Amr, die Hochburg der Opposition, ist der Nachrichtenagentur AFP zufolge inzwischen unter vollständiger Kontrolle der Armee.
Sicherheitsrat drängt einstimmig auf Visum für Uno-Diplomatin
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen rief am Donnertag einstimmig dazu auf, der Uno-Beauftragten Valerie Amos umgehend die Einreise nach Syrien zu ermöglichen - und demonstriert erstmals Geschlossenheit. Auch Russland und China haben die Erklärung unterzeichnet: Die beiden Ratsmitglieder hatten bereits zwei Mal eine Resolution zum Syrien-Konflikt mit ihrem Veto verhindert.
Seit Tagen wartet Valerie Amos auf ein Visum - doch die syrischen Behörden haben angeblich keine Zeit. Die 15 Mitglieder des Gremiums zeigten sich in einer Erklärung am Donnerstag "tiefst enttäuscht" darüber, dass die Diplomatin "trotz mehrfacher Anfragen und intensiver diplomatischer Kontakte" keine Einreisegenehmigung erhalten habe. Der Sicherheitsrat verlangte zudem den "freien, umfassenden und sofortigen Zugang" von Helfern zu bedürftigen Menschen in Syrien. Weiterhin beklagte er, dass sich die humanitäre Lage in Syrien "rapide" verschlechtere.
bos/dpa/AFP
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Aufstand in Syrien | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH