Interview im US-Fernsehen Edward Snowden erklärt sich zum Patrioten

"Ich würde gern nach Hause kommen": Erstmals spricht NSA-Enthüller Edward Snowden im US-Fernsehen über das Leben in Russland und seinen Patriotismus. In Sachen Putin hat er etwas zurechtzurücken.

REUTERS/ NBC News

Von , Washington


Es liegt nun bald ein Jahr zurück, dass die Welt erstmals von den maßlosen Spähaktivitäten der NSA erfuhr. Und natürlich von Edward Joseph Snowden, der da blass und jung in einem Hongkonger Hotelzimmer Auskunft gab über seinen Coup: "Mein Name ist Ed Snowden, ich bin 29 Jahre alt." Diese Videoaufzeichnung soll ihm anfangs nicht recht behagt haben. Schließlich, so meinte er damals, gehe es um die Sache, nicht um die Person.

Seither jedoch ist Snowdens Schicksal ebenso zur Geschichte geworden wie seine Enthüllungen. Und mittlerweile, so steht zu vermuten, liegt ihm durchaus an dem Bild, das sich die Leute da draußen von ihm machen. Vor allem die Leute daheim. So konnte NBC in der Nacht auf Donnerstag das erste große Snowden-Interview im US-Fernsehen ausstrahlen; Moderator Brian Williams war für die einstündige Sendung in Snowdens temporäres Asyl nach Russland gereist.

Da sitzen sie sich dann gegenüber, der Journalist mit der stets in Falten gezogenen Stirn, dem nach vorn geschobenen Unterkiefer - und der Whistleblower, breitbeinig im Stuhl verrutscht, mit dem ewig blaugrauen Hemd unterm dunklen, zu großen Anzug. Unter anderem wegen der "Weitergabe nachrichtendienstlicher Informationen an nichtautorisierte Personen" wird er von den US-Behörden gesucht.

"Ich bin kein Spion"

Im Interview hat Snowden in der Hauptsache zwei Botschaften an seine Landsleute: Er ist weder freiwillig noch gern in Putins Reich; er versteht sich als amerikanischer Patriot und würde gern heimkehren. Tatsächlich möchte Snowden offenbar einiges geraderücken, nachdem er sich im April dummerweise in eine TV-Propagandashow des russischen Präsidenten hatte schalten lassen.

Ob er Kontakte zur russischen Regierung habe, fragt ihn nun Williams.

Nein, sagt Snowden, den Präsidenten habe er noch nie getroffen, "ich bin kein Spion".

Aber, sagt Williams, wenn es andersherum wäre, wenn ein russischer Snowden in die USA fliehen würde, dann bearbeiteten den aber Amerikas Dienste, darauf könne man sich verlassen. Und das machten die Russen etwa nicht mit ihm?

Nein, sagt Snowden, er habe ja keinen Zugriff mehr auf NSA-Dokumente: "Ich habe nichts mit nach Russland gebracht, also kann ich ihnen auch nichts geben."

Und was sage er zu Putins Ruf in der Welt?

Ja, da hat Snowden was zu sagen. Für einen, der so wie er gekämpft habe für die Rechte des Einzelnen und den Datenschutz - für so einen also sei es schon hart, nun an einem Ort festzusitzen, "wo diese Rechte in Frage gestellt werden". Zudem spüre er natürlich eine "kulturelle Kluft", allein die Umstände hätten ihn nun mal nach Russland gebracht. Doch das Schöne am Internet sei ja, dass er auch im Exil "als Amerikaner leben" könne; zum Beispiel schaue er gerade die in Baltimore spielende TV-Serie "The Wire".

Hoffnung auf Rückkehr in die USA

Williams legt die Stirn jetzt noch ein bisschen mehr in Falten: Hoffe er auf Gnade oder Straferlass, um in die USA zurückkehren zu können? Es sei keine Frage, sagt Snowden, "dass ich gern nach Hause kommen würde".

Völlig unklar ist allerdings, wie die Chancen dafür stehen - die US-Regierung gibt sich bedeckt. Snowdens deutscher Anwalt Wolfgang Kaleck hat gerade dem SPIEGEL gesagt, es gebe Verhandlungen. "Alle, die mit der Sache zu tun haben, sind sich bewusst, dass eine einvernehmliche Lösung mit den US-Behörden das Sinnvollste wäre", so Kaleck. Klar ist, dass Snowdens russisches Asyl Ende Juli ausläuft.

Der 30-Jährige seinerseits erklärt sich im US-Fernsehen zum Patrioten: "Ja, das bin ich. Patriot zu sein, das bedeutet ja nicht, den Dienst für die Regierung über alles zu stellen; vielmehr bedeutet es, die eigene Verfassung, die eigenen Landsleute zu beschützen." US-Außenminister John Kerry fällt es dann zu, im Namen der Regierung den harten Hund in der Causa Snowden zu geben. Patriot? Nein, sagt Kerry: "Ein Patriot würde nicht abhauen und Zuflucht in Russland suchen." Snowden sei ein "Feigling" und "Verräter".

Der Geschmähte gibt sich vor der Kamera unbeeindruckt. Mehr noch: Snowden erscheint im Gespräch mit seinem Heimatmedium gelöster als in ähnlichen Interviewsituationen zuvor. Ist diese Selbstsicherheit echt? Oder nur gespielt? Er lässt sich nicht in die Karten schauen. Natürlich sei ihm das Reisen nicht mehr erlaubt, sagt Snowden, aber dafür könne er jetzt ruhig schlafen. Manchmal müsse man eben das Gesetz brechen, um das Richtige zu tun: "Damit geht's mir gut."

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 213 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Michael Strandt 29.05.2014
1. Asyl für Snowden
Ich Halte ihn für einen großen Patrioten.Wir müssen der USA helfen!Man muss nur an Martin Luther Denken dann weiß man was Asyl bedeutet.Wahrheit kann sehr schmerzhaft sein.Sie braucht Zeit,Ist aber sehr reinigend.
laxchris 29.05.2014
2. Komisch
Jetzt will ET doch nach Hause. Was wohl die Riege jener denkt, die dachten, dass Snowden der letzte normale Mohikaner der Amerikanischen Welt ist. Vielleicht ist USA doch das gelobte Land, oder bessert als Moskwa, auch wenn der Sheriff hinter Dir her ist. Das sollte Euch Eddie-Verstehern zu Denken geben.....
Atheist_Crusader 29.05.2014
3.
Ich kann nicht verstehen, dass Snowden zurück in die USA will. Ich meine, ich kann es schon verstehen. Trotz aller Schwächen ist es seine Heimat. Und gerad enachdem Länder wie Deutschland ihm so feige und rückgratlos die Hilfe verweigert haben und sich lieber vor den eigenen Bürgern unmöglich machen als sich mit dem Verletzer ihrer Rechte anzulegen, gehen ihm echt die Optionen aus. Aber eines sollte ihm klar sein: Selbst wenn die US-Regierung irgendwann nachgeben sollte (was ich für höchst unwahrscheinlich halte), würden ihn trotz allem immer noch Millionen Landsleute für einen Verräter halten. In einem Land mit so einem... *hüstel* starken Patriotismus, so geringen Hemmschwellen und so vielen Waffen... als ganz normaler Mensch wird er da nie wieder auf die Straße gehen können.
rolga-75 29.05.2014
4. Was errinnert das?
Patriot? Nein, sagt Kerry: "Ein Patriot würde nicht abhauen und Zuflucht in Russland suchen." Snowden sei ein "Feigling" und "Verräter". So konnte mann in Sowjet Union in den 70ten Jahren hören - keine Halbtone, nur weiß oder schwarz, nur Feind oder Freund - gewönliches Totalitarstaat ist jetzt USA, aber nicht kommunistisch - demokratisch. Demokratisch???
thkarlau 29.05.2014
5. Feigling und Verräter
Ja, da hat Kerry Recht. Wer die eigene Verfassung schützt und Mißbrauch aufdeckt, ist ein Feigling und Verräter. Wie einfach und tumb sind diese Amerikaner doch gestrickt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.