NSA-Abhörskandal Snowden will Menschenrechtler in Moskau treffen

Edward Snowden hält sich offenbar noch immer in Moskau auf. Der geflohene Ex-Geheimdienstmitarbeiter will auf dem Flughafen Scheremetjewo am Freitag mit Vertretern internationaler Menschenrechtsorganisationen sprechen.

Whistleblower Snowden: Termin in Moskau
REUTERS/ The Guardian

Whistleblower Snowden: Termin in Moskau


Hamburg/Moskau - Edward Snowden bekommt Besuch. Am Freitag trifft sich der untergetauchte Whistleblower mit den Vertretern mehrerer Menschenrechtsgruppen - darunter Amnesty International. Das Gespräch soll um 17 Uhr Ortszeit (15 Uhr MEZ) auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo stattfinden, wie Airport-Sprecherin Anna Sacharenkowa mitteilte.

Snowden will sich demnach zu seiner internationalen Verfolgung durch die USA äußern sowie zur Kontrolle von Passagierflugzeugen, die unter anderem auf dem Weg nach Kuba seien. Der Flughafen treffe die Vorbereitungen für den Termin, teilte Sacharenkowa mit.

Eingeladen seien auch Vertreter von Transparency International, Human Rights Watch sowie von den Vereinten Nationen, hieß es. Auch der Menschenrechtsbeauftragte der russischen Regierung, Wladimir Lukin, soll an dem Treffen teilnehmen. Ein Anwalt teilte mit, er habe am Donnerstag per Brief eine Einladung zu dem Treffen erhalten.

Vorwürfe gegen Microsoft

Tatjana Lokschina, stellvertretende Chefin von Human Rights Watch in Russland, veröffentlichte die Einladung Snowdens auf Facebook. Darin bezeichnet er das Verhalten der US-Regierung als beispiellos. Snowden verurteilt das Überflugverbot für den bolivianischen Präsidenten Evo Morales, das auf Druck der USA ausgesprochen worden sei. "Diese gefährlich Eskalation ist eine Gefahr nicht nur für die Würde Lateinamerikas und meine eigene Sicherheit, sondern für das Grundrecht eines jeden Menschen, frei von Verfolgung zu leben", schreibt Snowden.

Lokschina sagte SPIEGEL ONLINE, sie sei unsicher, ob sie am Flughafen wirklich von Snowden empfangen werde. Sie werde aber auf jeden Fall zum angegebenen Termin nach Scheremetjewo fahren. Für Amnesty International wird Sergej Nikitin, Chef des Moskauer Büros der Menschenrechtsorganisation, an dem Treffen teilnehmen.

Seit dem 23. Juni hält sich der 30-jährige Ex-Mitarbeiter des US-Militärgeheimdienstes NSA im Transitbereich des Flughafens auf. Er war aus Hongkong eingereist.

Snowden sorgt seit Wochen mit seinen Enthüllungen über Abhör- und Spionagepraktiken amerikanischer und britischer Geheimdienste für weltweites Aufsehen. Zuletzt hatte er dem britischen "Guardian" Dokumente zugespielt, die nahelegen, dass Microsoft seit Jahren mit US-Geheimdiensten zusammenarbeitet.

Die USA haben Haftbefehl gegen ihn erlassen und seinen Reisepass für ungültig erklärt. Sie werfen ihm Diebstahl von Regierungseigentum und Spionage vor. Mehrere südamerikanische Länder haben Snowden Asyl angeboten.

Bei dem Treffen am Freitag könnte Snowden seine weiteren Pläne verkünden. Die nächste Maschine nach Havanna, mit der er Richtung Lateinamerika aufbrechen könnte, hebt jedoch erst am Samstag ab. Möglich wäre jedoch eine Ausreise in ein anderes Land, das den gesuchten IT-Spezialisten aufnimmt.

syd/beb/dpa/Reuters

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insgesamt 231 Beiträge
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Seite 1
NorbertHirsch 12.07.2013
1. Gleichgültigkeit vieler Deutscher
Vielleicht könnte Herr Snowden sich dabei auch zu der vergleichbaren Gleichgültigkeit der Deutschen äußern, die vor einigen Jahrzehnten hierzu Lande bereits grassierte.
Sabi 12.07.2013
2. das Land
Ist das im Land , wo ein im Gefängnis ermordeter Anwalt 3,5 Jahre nach seinem Tod zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wird ?????? Da lacht sich Putin ins Fäustchen, über diese einfältigen Narren.........
staatsräson 12.07.2013
3. Muss Putin alles allein machen
Treffen mit ai geht in Russland im Gegensatz zum Merkelregime. Muss Putin auch noch unser Grundgesetz bei den Amis durchdrücken? Frau Merkel sind sie im Koma, in Ihrer Depriphase oder haben Sie sich gottseidank endlich tot gesoffen?
Dumb Bunny 12.07.2013
4. Gosh
Diebstahl von Regierungseigentum? Hat er USB-Stick aus dem Lager genommen? Warum nicht Copyright-Verletzungen? My dear plaicey, es ist an der Zeit, die Segel einzuholen, liebe Freunde. Mit beiden Händen in der Keksdose, und immer noch den Dicken markieren, was soll das?
tadano 12.07.2013
5. Schafft die Geheimdienste ab
"Sie werfen ihm Diebstahl von Regierungseigentum und Spionage vor." Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen schmeißen!
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