Ehemalige Atommächte: Nuklearer Phantomschmerz

Von , Moskau

Diese nuklearen Gefahren sind gebannt: Weißrussland, Kasachstan, die Ukraine und Südafrika haben ihr gesamtes Nukleararsenal vernichtet. Doch auf die Radikalabrüstung folgte Ernüchterung - mancherorts träumen Politiker wieder von der Bombe.

Früheres Kernwaffentestgelände in Kasachstan: Träumen von der Bombe Zur Großansicht
AP

Früheres Kernwaffentestgelände in Kasachstan: Träumen von der Bombe

Die nukleare Totalentwaffnung dauerte keine zwei Jahre. Im November 1994 besiegelte das Parlament der Atommacht den Beitritt zum Atomwaffensperrvertrag - und schon 1996 war das Land kernwaffenfrei: Als der letzte Sprengkopf die ukrainische Grenze Richtung Russland passierte, war die nominal drittgrößte Atommacht der Welt fast ebenso schnell wieder von der globalen Bühne abgetreten, wie sie zuvor erschienen war.

Sozusagen über Nacht war der Ukraine nach dem Zerfall des Ostblocks das zahlenmäßig drittgrößte Atomwaffenlager weltweit zugefallen. 15 Prozent der sowjetischen Nuklearstreitkräfte waren auf ukrainischem Gebiet stationiert. Ein Arsenal der Zerstörung, das dem jungen Staat gleichsam in den Schoß gefallen war, nachdem er seine Unabhängigkeit erklärt hatte: rund 200 Langstreckenraketen mit 1200 Gefechtsköpfen. Jeder hatte eine Vernichtungskraft, die jene der über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki abgeworfenen Bomben um mehr als das 20-fache übertraf.

Hinzu kamen 600 Sprengköpfe für die 44 strategischen Bomber auf ukrainischem Gebiet. Insgesamt verfügte Kiew damit Anfang der neunziger Jahre über 1800 strategische Nuklearwaffen. Fast doppelt so viel, wie China, Großbritannien und Frankreich zusammen besaßen - und mehr noch, als heute Russland und die USA laut dem neuen Abrüstungsabkommen behalten dürfen, das beide Staaten jüngst in Prag unterzeichnet haben.

Warnung vor "atomaren Monstern"

Auch andere Ex-Sowjetrepubliken klopften Anfang der neunziger Jahre an die Tür des Clubs der Atommächte: Kasachstan erbte 1400 Sprengköpfe, auch in Weißrussland lagern Nuklearwaffen.

Der Westen reagierte alarmiert. Der deutsche General a. D. Gerd Schmückle, als einstiger stellvertretender Oberkommandierender der Nato-Truppen in Europa mit der Bedrohung aus dem Osten vertraut, warnte vor dem Entstehen "atomarer Monster" im postsowjetischen Raum.

"Wir möchten diese Waffen unter einheitlichem Befehl sehen. Wir wünschen keine weitere Ausweitung unabhängiger Nuklearmächte in der Welt", mahnte das US-Außenministerium in Washington. Eduard Schewardnadse, bis 1990 Außenminister der Sowjetunion und später Präsident Georgiens, meinte gar, dass der "Weltfrieden auf dem Spiel steht".

Noch kontrollierte Moskau die operative Steuerung des gesamten Arsenals. Vor allem aber die Ukraine strebte nach einem eigenen "Tschemodantschik", wie das Köfferchen mit dem roten Knopf genannt wird. "Der schwarze Koffer sollte sich in drei Händen befinden", verlangte der damalige Präsident Leonid Krawtschuk.

Die Bombe nährt Großmachtsträume

Dabei waren weder Kiew noch Alma-Ata oder Minsk tatsächlich in der Lage, die Massenvernichtungswaffen dauerhaft zu unterhalten. Es fehlte an Know-how, Infrastruktur, vor allem an Geld. Jahrelang rosteten auf dem Kernwaffentestgelände Semipalatinsk in der kasachischen Steppe drei Atombomben vor sich hin, die noch zu Sowjetzeiten zur Sprengung vorbereitet worden waren, weil sie niemand demontierte.

Kasachen und Weißrussen einigten sich bald mit Russland auf den Abtransport der Sprengköpfe auf russisches Territorium. In der Ukraine, mit rund 50 Millionen Einwohnern mit Abstand die größte Ex-Sowjetrepublik, nährte die Bombe jedoch Großmachtsträume. Ein Abkommen mit Moskau sei "Verrat an diesem Land, der einer Kapitulation gleichkommt", wetterte Oppositionsführer Taras Tschornowil.

Mehrfach drohten die Verhandlungen mit Russland und dem Westen zu scheitern. Im Oktober 1992 grollte der Oberkommandierende der Streitkräfte der Gemeinschaft unabhängiger Staaten, Jewgenij Schaposchnikow, Gespräche mit Kiew seien völlig sinnlos. Die Ukraine solle stattdessen die Karten auf den Tisch legen - und sich als vollwertige Nuklearmacht zu erkennen geben.

Im Dezember 1992 schickte das ukrainische Außenministerium dann gar allen ausländischen Botschaften in Kiew ein "Memorandum zu Fragen der Nuklearpolitik". Darin wurde die Frage nach dem "Eigentumsrecht auf alle Komponenten der Nuklearsprengköpfe, die auf ukrainischem Territorium disloziert sind", gestellt.

Ein Manöver, um den Preis für den Verzicht hochzutreiben. Für Präsident Leonid Krawtschuk waren die Waffen "materieller Reichtum". Es ging um Milliarden von Dollar, um Sicherheitsgarantien der westlichen Mächte für den jungen Staat und Brennstäbe, die Russland für ukrainische Atommeiler liefern sollte.

Südafrika rüstet ab - sechs Bomben

Ein gefährliches Spiel: Es schürte in der Bevölkerung die Illusion, der chronisch klamme ukrainische Staat könne wirklich ein eigenes Nukleararsenal unterhalten. Laut Umfragen wollten 1992 nur knapp ein Fünftel der Bürger die Bombe behalten, 1993 waren es schon doppelt so viele.

Schließlich verzichtete die Ukraine doch auf die Nuklearkeule. Die Sprengköpfe wurden nach Russland transportiert und verschrottet. Das letzte Raketensilo im südukrainischen Perwomaisk, der "Stadt des 1. Mai", wurde 2001 geschlossen.

Damit fügte sich die Ukraine nach Kasachstan und Weißrussland in die Reihe jener Staaten ein, die aus freien Stücken auf bereits vorhandene nukleare Waffenlager verzichteten.

Anfang der neunziger Jahre beerdigte auch Südafrika seine Atomambitionen und ließ sechs fertiggestellte und eine im Bau befindliche Atombombe demontieren. Das Apartheid-Regime hatte seit den siebziger Jahren in Kooperation mit Israel ein eigenes Nuklearwaffenprogramm vorangetrieben.

Die Ukraine treibt heute wie damals die Furcht, mit dem Verzicht auf die Bombe einen Fehler begangen zu haben. "Ich hege Zweifel, ob wir unter den damaligen politischen Bedingungen richtig und der Komplexität angemessen entschieden haben", sagte der ehemalige Präsident und Held der "Revolution in Orange", Wiktor Juschtschenko, 2005. "Was die Ukraine damals tat, wird heute bei weitem nicht hoch genug geschätzt."

Sehnsucht nach dem Zauber der Bombe

Jurij Jechanurow, einst Verteidigungsminister und Premier, rief im Parlament gar zu atomarer Wiederbewaffnung auf. Die Ukraine müsse sich "vor Nachbarn schützen, die uns übermäßig lieben". Das war 2004, als Grenzstreitigkeiten zwischen Moskau und Kiew um die Schwarzmeer-Insel Tusla eskalierten.

Vor allem ukrainische Nationalisten sehnen sich nach der Bombe, nach einem nuklearen Trumpf im Dauerclinch mit dem großen Nachbarn in Osten. Hätte die Ukraine damals nicht abgerüstet, so die Lesart, sie wäre heute eine stolze Großmacht, vom Westen hofiert, von Russland respektiert.

"Das in der ukrainischen Gesellschaft verbreitete Ressentiment gegenüber dem Verlust der Atomwaffen hat einen irrationalen Kern", schreibt der Kiewer Journalist Mykola Rjabtschuk. Es sei "der mystische Glauben an die Kraft eines magischen Gegenstands".

Die Bombe als Zauberstab, der die Probleme des Landes bannt.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Abrüstung - eine realistische Vision?
insgesamt 384 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. „Begrenzung der Atomarsenale“, aber keine Wende in der aggressiven Politik der USA!
Arg-US 09.04.2010
Zitat von sysopVor historischer Kulisse haben US-Präsident Obama und sein russischer Amtskollege Medwedew in Prag ein neues Abkommen zur Begrenzung der Atomarsenale beider Länder unterzeichnet. Obama nannte die Vereinbarung einen "wichtigen Meilenstein". Ist die Abrüstung wieder eine realistische Vision?
Das wäre wünschenswert, doch es steht zu befürchten, dass sich de facto überhaupt nichts an der essentiellen Gefährdung der Menschheit ändern wird. Beide Staaten verfügen trotz der „Begrenzung der Atomarsenale“ immer noch über ein mehrfaches atomares Overkillpotential. Außerdem hat Obama durchblicken lassen, dass die USA stattdessen ihre konventionelle Rüstung aufstocken wollen, obwohl sie bisher schon für Rüstung und Militär alleine mehr ausgeben als die nächsten zehn größten Rüstungsetats anderer Staaten zusammen. Es wird keine Wende in der aggressiven Weltpolitik der USA herbeiführen, denn es findet kein grundsätzliches Umdenken statt und der modus operandi bleibt der alte!
2. Obama - Der Heilige des Weltfrieden
Palmstroem 09.04.2010
Zitat von sysopVor historischer Kulisse haben US-Präsident Obama und sein russischer Amtskollege Medwedew in Prag ein neues Abkommen zur Begrenzung der Atomarsenale beider Länder unterzeichnet. Obama nannte die Vereinbarung einen "wichtigen Meilenstein". Ist die Abrüstung wieder eine realistische Vision?
Warum, wird die Kalaschnikow verboten?
3. Die Rhetorik einer schlichten Gewinn- und Verlustrechnung!
Arg-US 09.04.2010
Zitat von PalmstroemWarum, wird die Kalaschnikow verboten?
Die ist noch weltweit im Einsatz und wird wohl noch auf Weiteres gebraucht werden! Atombomben kamen genau genommen – trotz der darauf verschwendeten Billionen Dollars - nur zweimal zum Kriegseinsatz auf wehrlose zivile Großstädte und das eigentlich nur als zynischer Feldversuch unter Realbedingungen. Unschuldige Menschen degradiert zu hilflosen Versuchskaninchen! ---Zitat--- Der Mensch hat die Atombombe erfunden. Keine Maus der Welt käme auf die Idee, eine Mausefalle zu konstruieren. - Werner Mitsch ---Zitatende--- Er hat keine Kosten gescheut, diese nuklearen Waffen zu vermehren und zu vervollkommnen, so dass er jetzt auf die alten und obsoleten gut verzichten kann. Der Gipfel der Heuchelei besteht wohl darin, dass man dieses Ausmustern von Atomschrott als „Begrenzung der Atomarsenale“ demagogisch geschickt darzustellen versucht, weil die Unterhaltung unnötige Kosten verursachte.
4.
ambergris 09.04.2010
Spannend wird Abrüstung erst da, wo zwei Nationen freiwillig eine militärische Option aufgeben. Auch nach dem Abkommen haben die USA und Russland die Möglichkeiten, die Welt in Grund und Boden zu bomben.
5.
Antje Technau 09.04.2010
Zitat von sysopVor historischer Kulisse haben US-Präsident Obama und sein russischer Amtskollege Medwedew in Prag ein neues Abkommen zur Begrenzung der Atomarsenale beider Länder unterzeichnet. Obama nannte die Vereinbarung einen "wichtigen Meilenstein".
Obama nannte als Ziel eine atomwaffenfreie Welt. Israel verweigert sich dieser Vision und Netanjahu kommt nicht zu der von Obama einberufenen Konferenz: Binyamin Netanyahu pulls out of Washington nuclear weapons summit (http://www.guardian.co.uk/world/2010/apr/09/netanyahu-snubs-nuclear-weapons-summit) Präsident Obamas Reaktion auf diesen Affront durch Israel wird zeigen, wie ernst es Obama mit seinem Plan ist. Oder ob seine "atomwaffenfreie Welt" sich nur auf Staaten wie den Iran bezieht. ---Zitat--- Ist die Abrüstung wieder eine realistische Vision? ---Zitatende--- Wie die Vorredner schon sagten: außer Atombomben gibt es noch genug andere Waffen, mit denen die USA und andere Länder die Welt zerstören können. Auch diese Waffen müssten verschwinden, wenn man dafür sorgen wollte, dass Menschen nicht mehr zu Millionen in Kriegen sterben sollen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Abrüstung
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Nuklearwaffen: Obamas neue Atom-Doktrin

Geschichte der Abrüstung
Nach dem Schock der Kuba-Krise 1962 versuchten die Großmächte, mit Verträgen die Gefahr eines Atomkriegs zu verringern. Die wichtigsten Abkommen - klicken Sie auf die Überschriften...
Atomwaffen-Sperrvertrag (1968)
Danach dürfen die fünf offiziellen Atommächte keine Nuklearwaffen an Dritte weitergeben. Beigetretene "Atom-Habenichtse" dürfen keine produzieren oder erwerben.
Vereinbarung über Atomunfälle (1971)
Bei Zwischenfällen müssen sich die Supermächte sofort benachrichtigen. So soll einem "unbeabsichtigten Kernwaffenkrieg" vorgebeugt werden.
Salt I (1972):
Der auf fünf Jahre befristete Interimsvertrag begrenzte die Zahl der Abschussvorrichtungen für landgestützte Interkontinentalraketen und ballistische U-Boot-Raketen.
ABM-Vertrag (1972)
Er erlaubt nur im Umkreis der Hauptstädte Moskau und Washington die Aufstellung von ABM-Systemen (Anti Ballistic Missiles) zur Abwehr feindlicher Raketen. Die USA kündigen den Vertrag im Dezember 2001 einseitig.
Salt II (1979)
Die Trägersysteme für strategische Atomwaffen werden auf je 2400 (Raketen und schwere Bomber) begrenzt. Der Vertrag - von den USA nicht ratifiziert, aber beachtet - wird 1991 durch Start I überholt.
Mittelstreckenraketen-Vertrag (1987)
Alle landgestützten Raketen in Europa mit Reichweiten zwischen 500 und 5500 Kilometern (darunter Pershing II und SS-20) werden kontrolliert vernichtet.
Start I (1991)
Die Bestände weitreichender Systeme über 5000 Kilometer sollen um durchschnittlich 25 bis 30 Prozent verringert werden. Der Vertrag lief im Dezember 2009 aus.
Start II (1993)
Das Abkommen zwischen den USA und Russland sieht eine weitere Verringerung der Bestände und den völligen Verzicht auf landgestützte Interkontinentalraketen mit Mehrfachsprengköpfen vor. Den USA verbleiben danach noch 3500 Sprengköpfe, Russland noch 3000.
Vereinbarung zur Meldung von Raketenabschüssen (2000)
Auch die amerikanisch-russische Vereinbarung zur Unterrichtung über Raketenstarts und Raumflüge soll die Atomkriegsgefahr verringern.
Sort (2002)
Das zwischen den USA und Russland geschlossene Abkommen zum Abbau nuklearer Angriffswaffen soll die Atomarsenale bis 2012 auf jeweils 1700 bis 2200 Sprengköpfe reduzieren.
Start III
Das am 8. April 2010 von den USA und Russland unterschrieben Abkommen sieht vor, die Zahl der nuklearen Sprengköpfe in den nächsten sieben Jahren um 30 Prozent zu senken - von je 2200 auf je 1550. Die Zahl der Trägersysteme (Interkontinentalraketen, U-Boot-gestützte Langstreckenraketen und Langstreckenbomber) wird dem Start-III-Vertrag zufolge auf je 800 halbiert. Das neue Abkommen soll zehn Jahre gelten.


Fotostrecke
Abrüstung: Das Atom-Arsenal der einstigen Supermächte
Atom-Abrüstung: Die Verträge der USA und Russlands
Start I
In den Start-Abkommen haben Russland und die USA eine nukleare Abrüstung vereinbart. Die Abkürzung Start steht für Strategic Arms Reduction Treaty (Vertrag zur Verringerung der strategischen Nuklearwaffen).

Der Start-I-Vertrag wurde 1991 zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion geschlossen. Nach der allseitigen Ratifizierung trat er im Dezember 1994 in Kraft. Die Vertragsparteien vereinbarten, die Bestände der weitreichenden Systeme (über 5000 Kilometer) um durchschnittlich 25 bis 30 Prozent zu verringern - auf etwa 8500 amerikanische und rund 7000 sowjetische Sprengköpfe. Der Vertrag ist am 5. Dezember 2009 ausgelaufen.
Start II
Der Start-II-Vertrag wurde im Januar 1993 unterzeichnet. Das Abkommen sieht eine weitere Verringerung der Bestände und den völligen Verzicht auf bodengestützte Interkontinentalraketen mit Mehrfachsprengköpfen vor.

Ursprünglich verpflichteten sich die Seiten, die Gesamtzahl der Atomsprengköpfe an bodengestützten Interkontinentalraketen, U-Boot-Raketen sowie Langstreckenbombern bis Januar 2003 in zwei Stufen auf etwa ein Drittel zu reduzieren. Den USA verbleiben danach noch 3500 Sprengköpfe, Russland 3000. Russland ratifizierte den Vertrag erst im Jahr 2000. Im Streit um die US-Raketenabwehrpläne wurde er allerdings durch das Sort-Abkommen ersetzt.
Sort
2002 unterzeichneten der US-amerikanische Präsident George W. Bush und der russische Präsident Wladimir Putin einen Vertrag über die Verringerung der strategischen Atomwaffen. Nach dem bis 2012 gültigen Sort-Vertrag (Strategic Offensive Reductions Treaty) ist eine Begrenzung auf 1700 bis 2200 Sprengköpfe vorgesehen.
Start III
"Es ist der umfassendste Abrüstungsvertrag in nahezu zwei Jahrzehnten", sagt US-Präsident Barack Obama. Er unterschrieb gemeinsam mit Russlands Präsident Dmitrij Medwedew am 8. April 2010 in Prag eine Abmachung, die eine Absenkung der Zahl der nuklearen Sprengköpfe in den nächsten sieben Jahren um 30 Prozent vorsieht - von je 2200 auf je 1550. Die Zahl der Trägersysteme (Interkontinentalraketen, U-Boot-gestützte Langstreckenraketen und Langstreckenbomber) wird dem Start-III-Vertrag zufolge auf je 800 halbiert. Das neue Abkommen soll zehn Jahre gelten.

Experten schätzen allerdings, dass sowohl die USA als auch Russland längst über eine geringere Anzahl von funktionsfähigen Atomwaffen und Trägersystemen verfügen, sie demnach gar nicht abrüsten müssen. Außerdem werden strategische Bomber im neuen Start-Vertrag als eine Atomwaffe gezählt. Im alten Abkommen galten sie als zehn Waffen.