Ehemalige Farc-Geisel: Betancourt reist erstmals wieder nach Kolumbien

Fünf Monate ist es her, dass Ingrid Betancourt aus der Geiselhaft linker Farc-Rebellen befreit wurde - jetzt reist sie zum ersten Mal wieder in ihre Heimat Kolumbien. Ihre Mission: Die frühere Präsidentschaftskandidatin will sich in Lateinamerika für das Ende der Gewalt einsetzen.

Bogotá - Im Juli wurde die frühere kolumbianische Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt nach mehr als sechs Jahren Geiselhaft bei den linken Farc-Rebellen in einer spektakulären Aktion befreit - jetzt ist sie von Paris aus erstmals wieder in ihre kolumbianische Heimat zurückgekehrt. "Ich bin sehr glücklich, hier zu sein", sagte die 46-Jährige am Samstag (Ortszeit) nach ihrer Ankunft auf dem Flughafen der Hauptstadt Bogotá. Auf einer Reise durch mehrere südamerikanische Staaten wolle sie sich für die Freilassung aller schätzungsweise 3000 Entführungsopfer in ihrem Land einsetzen, sagte sie am Samstag bei einer Pressekonferenz in der französischen Botschaft.

Sie werde die Regierungen von Ecuador, Peru, Chile, Argentinien, Brasilien, Bolivien und Venezuela um Unterstützung bitten. Bereits am Sonntag wollte Betancourt, die Racheakte der Farc gegen sie fürchtet, nach Quito weiterfliegen.

Zuvor war sie vom kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe in einer Kaserne bei Bogotá empfangen worden. Dabei habe sie ihm einen Brief des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy übergeben, in dem dieser seine Bereitschaft zusagt, weiter für die Freiheit der Geiseln zu arbeiten. Uribe sprach anschließend von der gemeinsamen "Sehnsucht nach der Freiheit für alle Kolumbianer und dem Traum, dass künftige Generationen in Freiheit leben können".

Betancourt betonte, sie verstehe sich weder als Wegbereiterin noch als Vermittlerin. "Ich bin einfach jemand, der gelitten hat und es nicht erträgt, dass anderen dasselbe widerfährt wie mir", sagte die 46-Jährige. Das schlechte Verhältnis zwischen Uribe und dem Präsidenten Ecuadors, Rafael Correa, bedauere sie. Uribe sei bereit, alles für die Verbesserung der Beziehungen zu unternehmen, sagte sie.

Correa hatte verärgert auf die Bombardierung eines Farc-Lagers auf seinem Territorium durch die kolumbianische Luftwaffe im März reagiert. Uribe wirft ihm vor, Rebellen Unterschlupf zu gewähren.

Aus Sicherheitsgründen habe sie am Freitag nicht an Demonstrationen für die Freilassung aller Entführten in Kolumbien teilgenommen, sagte Betancourt. Französische und kolumbianische Sicherheitskräfte hätten ihr von einer Teilnahme abgeraten. In Spanien, Frankreich und Kolumbien hatten Zehntausende Demonstranten erneut deren Freilassung gefordert.

Betancourt selbst nahm gemeinsam mit dem spanischen Außenminister Miguel Angel Moratinos an einer Kundgebung in Madrid teil. Familienangehörige der früheren Präsidentschaftskandidatin beteiligten sich an einem Protestzug in Paris.

Betancourt war im Juli nach Frankreich zurückgekehrt, nachdem sie mit 14 anderen Geiseln unter abenteuerlichen Umständen aus sechsjähriger Geiselhaft im kolumbianischen Dschungel befreit worden war. Die Farc hält Schätzungen zufolge weiterhin bis zu 700 Geiseln gefangen.

hoc/dpa/AFP

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