Ehemaliger Gaddafi-Minister Libysche Rebellen melden Tod ihres Militärchefs

Abd al-Fattah Junis war libyscher Innenminister, lief nach Beginn des Aufstandes zu den Rebellen über und wurde deren Oberkommandierender. Jetzt starb er in Bengasi unter mysteriösen Umständen kurz nach seiner  Festnahme. Er soll noch immer Kontakte zu Gaddafi gehabt haben.


Bengasi - Der Militärchef der libyschen Aufständischen ist offenbar getötet worden. Der Nationale Übergangsrat der Opposition bestätigte den Tod von Abd al-Fattah Junis am Donnerstag wenige Stunden nach seiner Festnahme durch die Rebellen. Mustafa Abd al-Dschalil, der Vorsitzende des Rates, sagte, die Anführer der für den Tod verantwortlichen Gruppe seien festgenommen worden. Er rief eine dreitägige Trauer aus.

Zuvor hatte ein Sprecher der Aufständischen mitgeteilt, General Junis sei in der Einsatzzentrale in Gewahrsam genommen und für ein Verhör in die Rebellenhochburg Bengasi gebracht worden. Es bestehe der Verdacht, dass er über Familienmitglieder noch immer Kontakt zum Regime von Machthaber Muammar al-Gaddafi habe. Dschalil hingegen erklärte, Junis sei einbestellt worden, um Auskünfte über "militärische Angelegenheiten" zu erteilen.

Über die Umstände von Junis' Tod war zunächst wenig bekannt. Eine Gruppe bewaffneter Männer habe den Kommandeur getötet, als er zu der Vernehmung erschienen sei, sagte Dschalil dem arabischen Fernsehsender al-Dschasira. Neben dem Militärchef seien zwei weitere Anführer der Rebellen-Armee erschossen worden. Die Leichen der drei Männer seien von den Angreifern verschleppt worden.

Dschalil nannte Junis "einen der Helden der Revolution". Er warf Gaddafi vor, die Einheit der Aufständischen brechen zu wollen - warf dem libyschen Machthaber jedoch nicht direkt vor, für den Vorfall verantwortlich zu sein. Er sprach aber eine Warnung an "bewaffnete Gruppen" im Einflussgebiet der Rebellen aus. Sie müssten sich dem Kampf gegen Gaddafi anschließen oder würden ihre Festnahme riskieren.

Junis war einst Innenminister unter Muammar al-Gaddafi und galt als die Nummer zwei in dessen Machtapparat. Er sagte sich aber im Februar von der Regierung los und schloss sich den Aufständischen an; für sie übernahm er seither wichtige militärische Aufgaben.

Schüsse in Bengasi, Offensive im Westen

Nach der Pressekonferenz, auf der Junis' Tod bekannt gegeben wurde, waren al-Dschasira zufolge in Bengasi Schüsse zu hören. Zudem erschütterten mindestens drei Explosionen das Zentrum der Hauptstadt Tripolis.

In Libyen liefern sich Rebellen und Regierungssoldaten seit Monaten erbitterte Kämpfe. Den Aufständischen ist trotz Luftunterstützung durch die Nato der entscheidende Durchbruch bislang nicht gelungen. Am Donnerstag starteten sie eine neue Offensive. Der Vorstoß aus dem von den Rebellen kontrollierten Nafusa-Gebirge richtete sich gegen einen wichtigen Stützpunkt in Gazaija. Der Ort wurde von den Rebellen eingenommen, berichtete der Nachrichtensender al-Arabija am Abend.

Die Aufständischen im Westen Libyens kontrollieren bereits den Grenzübergang Wasin nach Tunesien. Doch von Gazaija aus kann die Gaddafi-Artillerie ihre einzige Nachschubroute unter Feuer nehmen.

can/dapd/AP/Reuters/AFP



insgesamt 75 Beiträge
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ranknonsense 28.07.2011
1. boah
wann sind die mal fettich?
Hermes8 28.07.2011
2. .
Zitat von sysopAbdel Fattah Younes war libyscher Innenminister, lief nach Beginn des Aufstandes zu den Rebellen über und wurde deren Oberkommandierender. Jetzt starb er in Bengasi*unter mysteriösen Umständen kurz nach seiner* Festnahme. Er soll noch immer Kontakte zu Gaddafi gehabt haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,777238,00.html
Ein Doppelagent als Anführer? Das wäre eigenartig. Oder frisst die Revolution bereits ihre Kinder? Heterogen genug sind die libyschen Rebellen schließlich schon - da gibt's auch genügend Potential für interne Kämpfe.
onizuka 28.07.2011
3. Hmm...
Ich dachte diese Rebellen kämpfen für Demokratie, Freiheit und Rechtstaatlichkeit. Zumindest haben die Befürworter des Krieges im Forum und Kriegswilligen der westlichen Staaten es immer so dargelegt. Naja mal wieder haben diese Rebellen ihr wahres Gesicht gezeigt. In internen Machtkämpfen töten sie sich jetzt schon gegenseitig.
berteb 28.07.2011
4. Die Revolution
frisst ihre eigenen Kinder.
McBline 28.07.2011
5. Titel
Zitat von sysopAbdel Fattah Younes war libyscher Innenminister, lief nach Beginn des Aufstandes zu den Rebellen über und wurde deren Oberkommandierender. Jetzt starb er in Bengasi*unter mysteriösen Umständen kurz nach seiner* Festnahme. Er soll noch immer Kontakte zu Gaddafi gehabt haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,777238,00.html
"Mysteriöse Umstände" kann man ruhig als Folter übersetzen. Von aufrechten Demokraten die ihre Machtübernahme mit einer Jagd auf Gastarbeiter gefeiert haben, war auch nichts anderes zu erwarten gewesen.
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