Ehrungen Alternativer Nobelpreis für den legendären Whistleblower

Auszeichnungen in Stockholm: Der US-Publizist Daniel Ellsberg, die indische Frauenrechtlerin Ruth Manorama, das kolumbianische Medellin-Lyrikfestival und Whitaker Ferreira, Schöpfer des Weltsozialforums, sind mit dem Alternativen Nobelpreis geehrt worden.


Stockholm – Daniel Ellsberg, 75, hatte als Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums Ende der sechziger Jahre die geheimen "Pentagon-Papiere" an Medien geschleust, mit denen unwahre Angaben der Regierung über den Vietnam-Krieg enthüllt werden konnten. Ellsberg erlangte als klassischer "Whistleblower" (Skandalaufdecker) internationale Berühmtheit.

Daniel Ellsberg: Alternativer Nobelpreis für den Enthüller
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Daniel Ellsberg: Alternativer Nobelpreis für den Enthüller

Zwei weitere alternative Nobelpreise gingen an die indische Frauenrechtlerin Ruth Manorama und das kolumbianische Medellín-Lyrikfestival. Die gemeinsame Preissumme beträgt 220 000 Euro. Der Brasilianer Whitaker "Chico" Ferreira bekam den undotierten Ehrenpreis für die Schaffung des Weltsozialforums sowie seinen Kampf gegen die Korruption in seiner Heimat.

Wie die Stiftung "Right Livelihood Award" ("Preis für richtiges Leben") in Stockholm mitteilte, wird der 1931 geborene Katholik Ferreira für seine "lebenslange Arbeit für soziale Gerechtigkeit" ausgezeichnet, mit der er gezeigt habe, dass "eine andere Welt möglich ist".

So lautete das Motto des 2001 von Ferreira im brasilianischen Porto Alegre organisierten ersten Weltsozialforums, das als politisches Gegengewicht zum Weltwirtschaftsforum für Topmanager und Regierungsspitzen in Davos geschaffen wurde. In den Prinzipien des Weltsozialforums heißt es, man biete eine offene Gesprächsplattform für alle, "die sich dem Neoliberalismus und der Herrschaft der Welt durch das Kapital und jeder möglichen Form des Imperialismus widersetzen".

Der als Architekt ausgebildete Feirreira engagierte sich in den sechziger Jahren gegen die damalige Militärdiktatur in Brasilien und arbeitete im Exil bis 1982 vor allem in Frankreich und Chile für Uno-Organisationen. Nach der Rückkehr in seine Heimat engagierte er sich in Sao Paulo für die Bekämpfung der Korruption und die Durchsetzung der Menschenrechte.

Die 1952 geborene Inderin Ruth Manorama erhielt einen Preis als Frauenrechtlerin und für die Bekämpfung des Kastensystems in ihrer Heimat. Das ab 1991 durchgeführte Poesiefestival im kolumbianischen Medellín wurde ausgezeichnet, weil es unter den Bedingungen stark verbreiteter Gewalt durch Drogenhändler und anderen zeige, dass "Kreativität, Schönheit, freier Ausdruck und Kommunikation inmitten tiefer Angst und Gewalt blühen und beide überwinden können".

Die Alternativen Nobelpreise wurden 1980 vom Deutsch-Schweden Jakob von Uexküll gestiftet. Uexküll sagte über die diesjährigen Preisträger: "Sie rufen uns auf, für Wahrheit, Gewaltlosigkeit und Gerechtigkeit die Stimme zu erheben." Mit den Alternativen Nobelpreisen sollen besondere Leistungen beim Schutz von Frieden, Menschenrechten und Umwelt sowie der Bekämpfung von Armut und sozialer Ungleichheit gewürdigt werden. Die Auszeichnungen werden am 8. Dezember im schwedischen Reichstag überreicht. Letzter deutscher Preisträger war der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer als Pionier der Solarenergie.

asc/dpa

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