Autonomiebewegung in Libyen Ein Toter bei Angriff auf Demonstranten

Das neue Libyen kommt nicht zur Ruhe: Während einer Kundgebung in der Stadt Bengasi sind Demonstranten von Bewaffneten mit Messern, Steinen und Schusswaffen angegriffen worden. Mindestens ein Mensch starb. Rund 2000 Libyer hatten für die Gründung einer autonomen Region protestiert.

Provinzfürst Ahmad al-Subair al-Sanussi: Anführer im libyschen Osten
DPA

Provinzfürst Ahmad al-Subair al-Sanussi: Anführer im libyschen Osten


Tripolis - Bewaffnete Männer haben Demonstranten in der ostlibyschen Stadt Bengasi attackiert. Mindestens ein Mensch wurde getötet, wie ein Krankenhaussprecher mitteilte. Sechs weitere Personen wurden demnach verletzt, zwei davon schwer.

Mehrere tausend Libyer waren in Bengasi auf die Straße gegangen, um die Gründung einer autonomen Region im Osten des Landes zu fordern. Nach Angaben von Augenzeugen gingen Angreifer mit Messern, Steinen und Schusswaffen auf die Menge los. In Panik seien die Protestierenden von dem Platz geflohen, der anschließend von bewaffneten Männern besetzt worden sei.

Ein Demonstrant sagte, die Kämpfer hätten außerdem ein Büro des Fernsehsenders Libya Al Ahrar angegriffen, um zu verhindern, dass Bilder der Demonstration gesendet würden. Die für die Sicherheit in Bengasi zuständige Miliz habe Einheiten Kämpfer ausgesandt, um nach den Angreifern zu suchen, berichteten Zeugen.

Die ölreiche Region Cyrenaika, zu der fast die gesamte Osthälfte Libyens gehört, hatte in der vergangenen Woche einseitig ihre Autonomie erklärt und Scheich Ahmed al-Subair al-Sanussi zum Oberhaupt bestimmt. Unter Gaddafi war der Osten des Landes stark vernachlässigt worden. Dort hatten sich früh die stärksten Widerstände gegen das libysche Regime gebildet.

Die Zentralregierung in Tripolis befürchtet angesichts der Autonomieerklärung eine Spaltung des Landes - auch wenn es den Demonstranten nach eigenen Angaben nicht um eine Teilung geht, sondern lediglich um weitgehende Selbstverwaltung.

In Bengasi und Libyens Hauptstadt Tripolis war es darüber in den vergangenen Tagen bereits mehrfach zu Auseinandersetzungen gekommen. Die Kundgebungsteilnehmer demonstrierten ihre Unterstützung für die von Stammes- und Milizführern erklärte Autonomie. Mindestens ein weiterer Mensch soll während der Proteste bereits ums Leben gekommen, Dutzende weitere verletzt worden sein

usp/AP/Reuters/AFP



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insgesamt 2 Beiträge
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avalonissimus 17.03.2012
1. Instabile Situation
Ajajaja das scheint ja irgendwie eine ganzschön fragile Situation zu seien. Erinnert mich an Deutschland nach dem 1. Weltkrieg: Machtverhältnisse sind noch nicht austariert im neu geborenen Staat, (noch) keine Demokratietardition und dazu überall im Land bewaffnete Milizen. Da kann man nur hoffen dass sich kein "starker Mann" mit wirren Ideologien durchsetzen wird. Ich jedenfalls drücke den Libyern die Daumen und wünsche mir das unsere Regierungen es ihnen ermöglicht alsbald in stabile Bahnen zu treten. Möglichst ohne direkte Einmischung.
willibaldus 18.03.2012
2. die meisten libyschen Kollegen
Zitat von avalonissimusAjajaja das scheint ja irgendwie eine ganzschön fragile Situation zu seien. Erinnert mich an Deutschland nach dem 1. Weltkrieg: Machtverhältnisse sind noch nicht austariert im neu geborenen Staat, (noch) keine Demokratietardition und dazu überall im Land bewaffnete Milizen. Da kann man nur hoffen dass sich kein "starker Mann" mit wirren Ideologien durchsetzen wird. Ich jedenfalls drücke den Libyern die Daumen und wünsche mir das unsere Regierungen es ihnen ermöglicht alsbald in stabile Bahnen zu treten. Möglichst ohne direkte Einmischung.
haben die Nase noch voll von ihrem letzten starken Mann im Lande. Es mag sein, dass sich das aendert, wenn nach der Annahme einer neuen Verfassung und der Bildung einer dadurch legitimierten Regierung diese sich nicht durchsetzen kann. Im Moment gibt es so viele Meinungen und viele Leute mit wenig Verstand erwarten dass sich sofort alles nach ihren Vorstellungen aendert. Das selbst im besten Fall eines friedlichen Uebergangs zu einer allgemein akzeptierten Regierung es Jahre dauern wird, bis Verbesserungen greifen, scheinen diese Leute nicht verstehen zu koennen. Im Ganzen ist die Gesamtsituation wenig ueberraschend und die wirtschaftliche Situation recht ermutigend.
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