Online-Petition 1,1 Millionen Menschen fordern Asyl für Snowden in Brasilien

Die EU hat Sicherheitsgarantien abgelehnt - doch die Aktivisten gegen die NSA-Überwachung geben nicht auf: Sie überreichten der brasilianischen Regierung jetzt eine Online-Petition mit mehr als einer Millionen Unterschriften für Asyl Edward Snowdens in dem Schwellenland.

AP/dpa

Brasília - Es ist ein symbolischer Akt, der die Stimmen von mehr als einer Million Menschen bündelt: Aktivisten haben bei der Regierung in Brasilien für eine Aufnahme des Ex-US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden plädiert. Bisher hatte das südamerikanische Land sich darauf berufen, es brauche eine formale Asylanfrage Snowdens. Das erklärten die Organisatoren der Online-Petition am Donnerstag in Brasília und sagten: "Bis heute haben mehr als eine Million Menschen in seinem Namen getan, was Snowden selbst nicht tun kann."

Die Aktivisten bezeichnen Brasilien als "weltweiten Anführer im Kampf für ein freies Internet und zum Schutz der Privatsphäre". Das Land sei der ideale Zufluchtsort für Snowden, heißt es unter anderem in der Petition. Sie wurde nach Angaben der Online-Petitionsseite Avaaz von 1,1 Millionen Menschen aus aller Welt unterschrieben. Bereits Ende Januar war die Millionen-Grenze geknackt worden.

Die Unterschriftenaktion hatte David Miranda gestartet. Er ist Brasilianer und der Lebensgefährte des US-Journalisten Glenn Greenwald, der zu den ersten gehörte, die von Snowden Geheimdokumente erhielten und veröffentlichten.

Durch die geheimen NSA-Dokumente wurde bekannt, dass auch Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff - ebenso wie Bundeskanzlerin Angela Merkel - vom US-Geheimdienst NSA belauscht worden war. In den USA greift die NSA willkürlich die Metadaten von Millionen Telefonanrufen ab, speichert sogenannte Metadaten von Telefonaten. Dazu gehören die Nummern und die Dauer der Gespräche.

Ob sie dem Whistleblower Asyl gewähren will, äußerte Rousseff bislang nicht. Snowden kann nur noch für ein halbes Jahr in Russland bleiben, dann endet der dortige Flüchtlingsschutz. Das EU-Parlament hatte sich monatelang als Vorkämpfer für Bürgerrechte präsentiert. Seit Mittwoch ist jedoch klar: In seiner Resolution zur NSA-Affäre wird der Innenausschuss wohl Sicherheitsgarantien und auch Asyl für Edward Snowden in der EU ablehnen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, 1,4 Millionen Menschen haben für die Online-Petition gezeichnet. Es sind jedoch 1,1 Millionen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

vek/AFP/AP



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insgesamt 62 Beiträge
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redbayer 14.02.2014
1. So lobenswert die Initiative ist
sie wird Snowden nicht helfen, der weltweiten Verfolgung durch die USA und ihrer Verbündeten, einschl. Deutschland zu entgehen. Wenn er einmal nach Brasilien kommen sollte, wird er garantiert, entweder entführt, hat einen tötlichen Unfall oder wird anderweitig liquidiert. Natürlich im Namen der Menscherechte und weltweiten Terroristen Verfolgung des Großen Bruders, um ein Zeichen zu setzen, was passiert, wenn man nicht pariert.
fuenfringe 14.02.2014
2. Das ist eine Schande
Zitat von sysopAP/dpaDie EU hat Sicherheitsgarantien abgelehnt - doch die Aktivisten gegen die NSA-Überwachung geben nicht auf: Sie überreichten der brasilianischen Regierung jetzt eine Online-Petition mit mehr als einer Millionen Unterschriften für Asyl für Edward Snowden in dem Schwellenland. http://www.spiegel.de/politik/ausland/eine-million-unterschriften-fuer-snowden-asyl-in-brasilien-a-953420.html
für die Länder der "ersten Welt". Wie kann man sich nur selbst so herabwürdigen, dass ein Schwellenland als Vorbild hinsichtlich Schutz der Privatsphäre gelten muss? Leben wir nicht in einem erbärmlichen Land hier?
Energieelite 14.02.2014
3.
Snowden ist in den USA wegen Diebstahl und Spionage angeklagt, wenn Brasilien politisch motiviert Verbrecher aufnimmt, stellt sich die frage nach der Rechtsstaatlichkeit Brasiliens.
jurinix 14.02.2014
4. Ueberwachungsstaaten
Es kommt doch jetzt deutlich heraus, dass viele EU-Staaten mit der Ueberwachung der USA/NSA sehr zufrieden sind. Auf diese Weise koennen sie das Herrrschaftssystem absichern, wie es noch nie in der Weltgeschichte moeglich war. Wenn es keine Terroristen gaebe, muesste man sie eigentlich erfinden !
Blaumilchvor, 14.02.2014
5. Deutschland sollte sich schämen!
Früher nannte wir solche Länder Bananenrepubliken, heute scheint sich das Verhältnis umzudrehen. Ich schäme mich für dieses Land, für Europa und seine politischen Vertreter. Diese Menschen sind gut beraten mal ihre Einstellung zu den wirklich wichtigen Dingen zu überdenken und dem Unrecht, den Falschspielern dieser Welt die rote Karte zeigen!
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