Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Einigung über Uran-Tausch: Experten zweifeln an Teherans Atomschwur

Von

Ist es eine Sensation oder nur eine weitere Volte Irans? Brasilien und die Türkei verkünden eine Einigung im Atomstreit mit Teheran. Doch Fachleute sind skeptisch - denn komplett aufgeben will die Islamische Republik die Anreicherung nicht.

Abkommen zu Uran-Tausch: Freudentanz in Teheran Fotos
REUTERS

Hamburg - Sie feierten wie eine Fußballmannschaft nach dem Pokalsieg: Der iranische Staatschef Mahmud Ahmadinedschad, sein brasilianischer Kollege Luiz Inácio Lula da Silva und der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan lachten, fassten sich an den Händen und reckten die Arme in die Luft. Nach 18 Stunden Verhandlungen über das iranische Atomprogramm präsentierten sie der Welt auf einer Pressekonferenz eine Sensation: Iran gibt im Atomstreit nach.

Der Islamische Staat hat sich bereit erklärt, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Ein entsprechendes Abkommen mit Brasilien und der Türkei wurde unterschrieben. Monatelang hatte Iran das Kompromissangebot der Internationalen Atomenergiebehörde strikt abgelehnt. Mit markigen Worten hatte Staatschef Ahmadinedschad die internationale Gemeinschaft immer wieder vor den Kopf gestoßen.

Am Montagmorgen nun die Kehrtwende: Grinsend zeigt der iranische Staatspräsident das Siegeszeichen. Vor den Augen der Journalisten schnappt er sich einen Fotoapparat und schießt Schnappschüsse vom türkischen Premier Erdogan. Das Signal an die Welt: Schaut her, ich spiele weiter mit auf der diplomatischen Bühne.

Dabei wurde für Iran die Zeit knapp. Der Dreiergipfel galt als letzte Chance für Teheran, um drohende Sanktionen zu verhindern.

Beendet Iran die Urananreicherung im eigenen Land wirklich?

Doch während in Teheran gefeiert wird, hält man sich im Westen vorsichtig bedeckt. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA schwieg auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE zunächst zu der Einigung. Die Kontrolleure wollen nicht zu früh jubeln und erst einmal einen genauen Blick auf die Details der Abmachung werfen. Zu oft hat Iran in der Vergangenheit Vereinbarungen nicht eingehalten.

Auch die Bundesregierung wartet ab. Man habe bislang noch keine genaue Kenntnis über das Abkommen, sagte ein Regierungssprecher. Wichtig für Deutschland bleibe, dass Teheran die Forderungen der Vereinten Nationen und der Internationale Atomenergiebehörde IAEA erfülle. "Springender Punkt" dabei sei, ob Iran die Urananreicherung im Land selbst beende.

Ebenfalls skeptisch zeigte sich die französische Regierung. "Der ins Auge gefasste Austausch von Uran ist nur eine vertrauensbildende Maßnahme", erklärte das Außenministerium. "Täuschen wir uns nicht: Eine mögliche Lösung der Frage des Teheran-Forschungsreaktors würde das Problem des iranischen Atomprogramms in keiner Weise regeln", dämpfte Paris die Euphorie. Der Kern des Atomstreits sei die Fortsetzung der Anreicherung in Natans, der Bau des Schwerwasser-Reaktors in Arak, das Verbergen der Anlage in Gom und die bis heute unbeantworteten Fragen der Inspekteure der Atomenergiebehörde.

Ein EU-Diplomat erklärt, erst wenn feststehe, dass Iran wirklich auf den im vergangenen Jahr von der IAEA unterbreiteten Vorschlag eingeht, könne man von einem Durchbruch sprechen.

Teheran soll Uran für medizinische Forschungszwecke erhalten

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy verlangt, dass die iranische Regierung ihre Vorschläge schriftlich bei der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien vorlege. Die Hauptbesorgnis gelte nicht dem Uran für Forschungsreaktoren, sondern dem Atomprogramm selbst, sagte Van Rompuy am Rande eines EU-Lateinamerika-Gipfels in Madrid. Seit sieben Monaten habe Iran dabei versagt, die Bedenken gegen seine wahren Ambitionen auszuräumen.

Auch Russland will die Berichte über die Einigung im Atomstreit ebenfalls erst genau prüfen. "Uns liegen bisher keine offiziellen Informationen vor, daher halten wir uns mit Reaktionen zurück", sagte ein Mitarbeiter des russischen Außenministeriums nach Angaben der Agentur Interfax.

Nach Angaben des iranischen Außenministeriums sieht die Übereinkunft vor, dass in der Türkei 1200 Kilogramm iranisches Uran mit einem niedrigen Anreicherungsgrad von 3,5 Prozent gelagert werden. Im Gegenzug soll Teheran 120 Kilogramm höher angereichertes Uran zu medizinischen Forschungszwecken erhalten.

"Das scheint ein Durchbruch zu sein"

Der Sender CNN Türk berichtete, bereits in einem Monat wolle Iran damit beginnen, schwach angereichertes Uran in der Türkei gegen Brennstäbe zu tauschen. Dadurch sollen Bedenken der USA und ihrer Verbündeten über das iranische Nuklearprogramm ausgeräumt werden. Sie verdächtigen Teheran, heimlich am Bau einer Atombombe zu arbeiten und fordern mehr Transparenz.

Das Angebot der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Uran im Ausland anreichern und zu Brennstäben für seinen medizinischen Forschungsreaktor verarbeiten zu lassen, hatte die Islamische Republik bislang abgelehnt.

Die nun getroffene Vereinbarung zwischen Iran, Brasilien und der Türkei sei eine Sensation, meint Markus Kaim, Leiter der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik. "Das scheint ein Durchbruch zu sein", sagte er SPIEGEL ONLINE. "Das haben wir nicht erwartet." Allerdings warnt auch er vor verfrühter Euphorie. "Wir wollen das Abkommen noch mal sehen. Denn der Teufel steckt im Detail."

Macht Teheran schon wieder einen Rückzieher?

Dass Zweifel berechtigt sind, zeigte sich bereits wenige Stunden nach den Eilmeldungen über die Einigung: Denn der iranische Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast erklärte, trotz des Abkommens werde Iran die Produktion von auf 20 Prozent angereichertem Uran "auf seinem Territorium" fortsetzen.

Teheran habe in den vergangenen Jahren immer wieder Vereinbarungen zugestimmt und sei dann wieder zurückgerudert, sagte Politikwissenschaftler Kaim. Darum sei fraglich, ob das Abkommen auch in drei Wochen noch Bestand habe.

Derzeit könne man nur spekulieren, was den Gottesstaat zum vermeintlichen Einlenken gebracht habe, meinte Kaim. So könnten die Sanktionsdrohungen und Furcht vor Isolation durchaus Wirkung gezeigt haben. Zuletzt waren sogar China und Russland vorsichtig von Iran abgerückt.

Zudem sieht Kaim eine politische Dynamik durch die von US-Präsident Barack Obama vorangetriebene nukleare Abrüstung.

Der iranische Präsident Ahmadinedschad äußerte sich nicht zu den Gründen für die Kehrtwende. Aber er stellte umgehend wieder Forderungen und verlangte die baldige Wiederaufnahme der Atomgespräche mit der Sechsergruppe - die fünf Mitglieder des Sicherheitsrates plus Deutschland. "Jetzt haben sie keine Ausrede mehr", sagte er. "Die Zeit ist reif für die Sechsergruppe, die Gespräche auf der Grundlage von gegenseitigem Respekt wieder aufzunehmen."

Doch was die internationale Gemeinschaft dazu sagt, bleibt abzuwarten. Israel, dem Ahmadinedschad mehrfach das Existenzrecht abgesprochen hatte, glaubt nicht an die guten Absichten Teherans. "Die Frage ist, ob Ahmadinedschad nicht wieder die ganze Welt an der Nase herumführt", warnte der israelische Handelsminister Benjamin Ben-Elieser.

Mit Material von dpa, apn, Reuters

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 36 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. wieso weshalb warum
anbue 17.05.2010
Zitat von sysopIst es eine Sensation oder nur eine weitere Volte Teherans? Brasilien und die Türkei verkünden eine Einigung im Atomstreit mit Iran. Doch Experten sind skeptisch - denn komplett aufgeben will die Islamische Republik die Anreicherung nicht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,695148,00.html
Naja, ich bin auch skeptisch. Wenn Sie aber schreiben "Experten" seien skeptisch, gibt mir das zu denken.
2. Wir werden sehen
derknecht 17.05.2010
Ich denke mal dass es vollkommen egal ist, was der Iran machen wird. Die westlichen Länder, welchen der Iran schon seit langem ein Dorn im Auge ist, werden sich was neues einfallen lassen um einen Krieg starten zu können. Wie war das vor ca. 2 Wochen. Der Superschurke BinLaden soll doch in der Nähe von Theran wohnen :) Die Supermächte sollen erstmal ihre tausende Atomwaffen beseitigen, dann können sie auch die Heiligen spielen. Ich erinnere nur mal wieder an den Irak, welcher ja soviele Massenvernichtungswaffen hatte.....
3. Die Analyse zur Meldung
JDR 17.05.2010
Zitat von sysopIst es eine Sensation oder nur eine weitere Volte Teherans? Brasilien und die Türkei verkünden eine Einigung im Atomstreit mit Iran. Doch Experten sind skeptisch - denn komplett aufgeben will die Islamische Republik die Anreicherung nicht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,695148,00.html
Sehr schöner, journalistisch sauber recherchierter Beitrag. Bei dem iranischen Atomwaffenprogramm geht es nun einmal - zumindest für die meisten - nicht um "headline-diplomacy"...
4. Hinhaltetaktik
Meckermann 17.05.2010
Iran will die Bombe, die meisten anderen Länder wollen aus naheliegenden Gründen nicht, dass er sie bekommt. Solange hier nicht eine von beiden Seiten von ihren Zielen abrückt wird sich nichts wesentliches tun.
5. Warum sollte er?
Klaschfr 17.05.2010
Warum sollte der Iran sich in sein Atomenergieprogramm hineinreden lassen? Ausgerechnet von den USA? Das Spiel mit der Türkei (Lieblingsnatopartner!) ist zu durchsichtig. Ahmadinedschad ist zu klug, um die Strategie der 'Großen' und ihres Wurmfortsatzes (Merkels Regierung) nicht zu durchschauen, man denke an die Taktik des Verbrechers Bush (bzw. seiner Gehilfen, denn dazu war er zu dämlich)auf den Irak-Krieg hin. Wenn die ultima ratio Krieg sein sollte, dann sollten sich einige Länder warm anziehen und nachher nicht jammern.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Iran: Der Streit um das Atomprogramm
Irans Atomprogramm
Streit
AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen
Arak : geplanter Schwerwasserreaktor
Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
Geschichte
1974: Unter Beteiligung von Siemens beginnt bei Buschehr der Bau eines Kernkraftwerks.
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.
Sanktionen
REUTERS
Uno-Sanktionen: Verbot von Waffen- und Nuklearhandel, Einfrieren von Konten, Reisebeschränkungen, verhängt in Resolution 1737 (23.12.2006), Resolution 1747 (24.03.2007), Resolution 1803 (03.03.2008)

Sanktionen der USA: Vollständiger Handels- und Investitionsboykott, beruhend auf Executive Order 12959 von 1995, neue Sanktionen im Juni 2010

Sanktionen der EU: Einschränkungen für Handel und Investitionen, Einfrieren von Vermögen, Reisebeschränkungen, beruhend auf Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates (19.04.2007)

Nahost
dpa
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, das israelische "Besatzungsregime" müsse "aus den Annalen der Geschichte verschwinden".
Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
Personen
Said Dschalili , Atomunterhändler seit Oktober 2007
Yukiya Amano , Generaldirektor der IAEA
Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung
Oktober 2009: Vertreter Irans, Deutschlands und der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat kommen zu Atom-Gesprächen in Genf zusammen.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.

Fotostrecke
Iran: Vom Königreich zur Islamischen Republik
Republik Iran
Land
REUTERS
Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.
Politik
dpa
Seit der Islamischen Revolution von 1979 haben der Revolutionsführer, aktuell Ajatollah Ali Chamenei (Bild), und der Wächterrat die größte Macht im Staat. Der Wächterrat kontrolliert die Kandidaten für Wahlen. Der Regierungschef ist der gewählte Präsident - seit August 2013 Hassan Rohani.
Leute
Corbis
Iran hat rund 75 Millionen Einwohner. Auf dem Uno-Index menschlicher Entwicklung (HDI) für 179 Staaten belegt Iran Platz 76 (Deutschland ist auf Platz 5). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 73 Jahren (zum Vergleich: Die Lebenserwartung in Deutschland liegt bei 80 Jahren).
Wirtschaft
REUTERS
Die Wirtschaftsleistung pro Kopf betrug 2008 laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) rund 5200 Dollar. Begünstigt vom hohen Ölpreis wuchs die Wirtschaft zuletzt um etwa sechs Prozent. Neben der Arbeitslosenquote, die laut inoffiziellen Schätzungen bei etwa 30 Prozent liegt, ist die Inflation eines der größten wirtschaftlichen Probleme. 2008 soll sie bei fast 30 Prozent gelegen haben, für 2009 rechnet der IWF mit 25 Prozent. Im Jahr 2005 machten Teherans Ausgaben für das Militär laut Uno-Statistiken 5,8 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus (Deutschland: 1,4 Prozent).
Menschenrechte
REUTERS
Nach China ist Iran das Land, in dem die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Laut Amnesty International wurden 2009 mindestens 388 Menschen hingerichtet, das waren 42 Hinrichtungen mehr als im Vorjahr. Der Uno zufolge saßen 2007 pro 100.000 Einwohner 214 Menschen im Gefängnis (in Deutschland sind es 95). Korruption ist in Iran weit verbreitet. Auf dem weltweiten Index von Transparency International nimmt Iran 2009 bei 180 beobachteten Staaten den 168. Rang ein (Deutschland: 14).

Uran und Atomwaffen
Uran
Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.
Anreicherung
Uranerz wird nach dem Abbau zunächst zu einem gelblichen Pulver verarbeitet, dem sogenannten Yellowcake. Es dient zur Herstellung von Brennelementen für Reaktoren, kann aber zwecks Anreicherung auch in Uran-Hexafluorid (UF6) umgewandelt werden, das bis 56 Grad Celsius in kristalliner Form vorliegt und darüber gasförmig ist.

Die meisten Anreicherungsanlagen weltweit basieren auf der Gasdiffusion: Gasförmiges Uran-Hexafluorid wird durch halbdurchlässige Membrane gepresst, wobei sich das Uran 235 vom Rest trennt. Das Verfahren gilt inzwischen jedoch aufgrund seines hohen Energiebedarfs als veraltet.

Eine modernere Methode ist die Gaszentrifuge, an der auch in Iran experimentiert wird. Bei ihr macht man sich den Massenunterschied zwischen beiden Uran-Isotopen zunutze: Wird Uran-Hexafluorid in die Zentrifugen gegeben, sammeln sich die schwereren Uran-238-Moleküle bei bis zu 70.000 Umdrehungen pro Minute außen in den Zylindern, die Uran-235-Moleküle bleiben innen.
Einsatz in Atomwaffen
Für den Einsatz in Kernreaktoren genügt es bereits, wenn Uran 235 zu drei bis fünf Prozent in den Brennelementen angereichert ist. Ab 20 Prozent ist von hochangereichertem Uran die Rede. Für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 80 Prozent erforderlich, da sonst eine zu große Uranmenge notwendig wäre.

Uran 235 kam in der ersten jemals eingesetzten Atombombe, die am 6. August 1945 Hiroshima zerstörte, als Sprengstoff zum Einsatz. Die Sprengkraft lag bei rund 13 Kilotonnen TNT. Die Bombe, die drei Tage später auf Nagasaki abgeworfen wurde, erreichte 20 Kilotonnen TNT. In ihr kam allerdings nicht Uran zum Einsatz, sondern Plutonium 239, das per Neutronenbeschuss in Brutreaktoren aus Uran 238 gewonnen wird.

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: