Einsätze in Afrika: Frankreich verstärkt Sicherheitsmaßnahmen

Von Stefan Simons, Paris

Hunderte französische Soldaten in Mali, eine misslungene Geiselbefreiung in Somalia - und Drohungen von Islamisten gegen die Regierung in Paris. Angesichts der Lage hat Präsident Hollande die Sicherheitsvorkehrungen in Frankreich verstärkt.

Mali: Der Kampf gegen die Islamisten Fotos
AP/ ECPAD

Die Drohungen der Islamisten in Richtung Frankreich kamen prompt: "Stoppt eure Angriffe gegen uns oder ihr werdet das Grab eurer eigenen Kinder graben", warnte die malische Gruppe Ansar al-Din. Auf Bitten der malischen Führung sind französische Truppen seit Freitag im Einsatz gegen islamistische Rebellen in dem westafrikanischen Krisenstaat.

Auch aus Somalia wurden Drohungen gegen Frankreich ausgestoßen. Dort hatten Soldaten versucht, eine französische Geisel zu befreien. Der seit mehr als drei Jahren von Islamisten festgehaltene französische Agent Denis Allex wurde bei dem Rettungsversuch wahrscheinlich getötet. Zudem kam ein Soldat ums Leben, ein weiterer wird vermisst. Die somalischen Schabab-Rebellen drohten Frankreich mit "bitteren Konsequenzen".

In Frankreichs Verteidigungsrat, den Präsident François Hollande am Samstag einberufen hatte, wurden die Warnungen durchaus ernst genommen. Am Abend erklärte Hollande in einer Fernsehansprache, dass die Sicherheitsvorkehrungen in Frankreich verstärkt, öffentliche Gebäude und Verkehrsmittel stärker bewacht würden. Und zwar "so schnell wie möglich."

Hollande bezeichnete den Einsatz des französischen Militärs in Afrika als "Kampf gegen den Terrorismus" und sagte, dass die ehemalige Kolonialmacht auf dem Kontinent keine eigenen Interessen verfolge. Eine Aussage, die in gewissem Widerspruch zur Äußerung steht, mit der Hollande am Freitagabend den Einsatz öffentlich verkündet hatte. "Es geht um die Rettung eines befreundeten Landes", hatte der Präsident da gesagt.

"Frankreich hat sich gegen eine Aggression engagiert, die ganz Westafrika bedroht", so Hollande weiter. Die Intervention bereite den Boden für die Mobilisierung einer afrikanischen Streitmacht, damit Mali seine territoriale Einheit wiederherstellen könne. Der Einsatz der Soldaten stehe "im Einklang mit der Entscheidung des Uno-Sicherheitsrats", sagte der Staatschef, der die Operation auch zum Schutz der rund 7000 französischen Bürger in Mali anordnete.

Siegesmeldungen aus Konna

Am Tag zwei der "Operation Luchs" verwies Hollande auf die ersten Erfolge: "Dank des Muts unserer Soldaten haben wir den Vormarsch gestoppt", lobte der Präsident, nachdem das Regime in Malis Hauptstadt Bamako bereits am Nachmittag Siegesmeldungen von der Front verbreitet hatte. "Die Armee Malis, unterstützt von den französischen Kräften, hat die völlige Kontrolle von Konna übernommen", so der Generalstab. Nach "heftigen Gefechten", die unter den islamistischen Kämpfern aus dem Norden "rund hundert Tote" gefordert hätte, seien die Dschihadisten vertrieben worden. Angeblich seien Regierungstruppen bereits dabei, eine Gegenoffensive einzuleiten.

Doch der Erfolg ist begrenzt. Vorerst ist nur die strategisch wichtige Stadt Konna, rund 700 Kilometer vor der Hauptstadt Bamako, wieder in Hand der Regierungstruppen, 24 Stunden nachdem sie von den Rebellen überrannt worden war. Wenn sich die Lage stabilisiert, wäre damit auch der Vormarsch des Dschihadistenbündnisses an der schmalen Taille zwischen dem Norden und dem Süden des Landes vorerst gestoppt. Für den Erfolg entscheidend war der Einsatz der französischen Luftstreitkräfte, die unter heftiges Feuer gerieten. Der Pilot eines Kampfhubschraubers starb.

Söldner kehrten aus Libyen in ihre Heimat zurück

Der militärische Anfangserfolg hat symbolische Wirkung. Er ändert jedoch nichts an der strategischen Lage, seit die Islamisten im April den Norden des großen Landes unter ihre Kontrolle brachten. Dort herrscht ein Bündnis heterogener Gruppen, unter ihnen "al-Qaida im Islamischen Maghreb" (AQMI), die Islamisten von Ansar al-Din und Mujao (Bewegung für die Einheit und den Dschihad in Westafrika).

Seither verhängen die Aufständischen in der immensen Wüstengegend an der Grenze zu Algerien, Mauretanien und dem Niger mit eiserner Hand das islamische Recht Scharia. Versorgt durch Sympathisanten in den Nachbarländern und verstärkt durch den Zulauf Hunderter bestens bewaffneter Söldner, die nach dem Fall von Libyens Diktator Gaddafi in ihre Heimat zurückkehrten, konnten die Dschihadisten ihr Basisgebiet von Kidal im Norden Zug um Zug ausweiten.

Der massive und schnelle Vorstoß gen Süden von rund 1200 dieser schwer bewaffneten Rebellen mit Jeeps und Allradfahrzeugen führte Mitte der Woche zu Frankreichs Intervention. Denn nach der Einnahme von Konna war auch Sévaré, 70 Kilometer weiter im Süden in Gefahr. Ein Durchbruch und die Eroberung des dortigen Flughafens hätte den Weg zur benachbarten Regionalbasis Mopti geöffnet und damit direkt Malis Hauptstadt Bamako bedroht: "Die Nationalstraße ist eine Autobahn für den Vormarsch", sagte ein französischer Militärexperte.

Am Donnerstag konstatierte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auf Veranlassung Frankreichs eine gravierende Verschlimmerung der Lage. Noch am selben Abend beobachtete SPIEGEL-ONLINE-Reporter Matthias Gebauer in Sévaré die ersten Landungen von französischen Transalls, die Truppen und Ausrüstung brachten. Schon am nächsten Tag waren acht Teams hochgerüsteter Spezialkräfte einsatzbereit, sie gingen gemeinsam mit den malischen Truppen gegen die Islamisten vor. Aus dem Tschad flogen dazu Rafaele-Kampfhelikopter ein, zudem kreisten Jets vom Typ Mirage über der Region.

Frankreich steht an vorderster Linie in einem vertrackten Konflikt

Mit dem Versprechen, das Engagement würde "dauern, so lange wie nötig" steht Frankreich nun an vorderster Linie in einem vertrackten geopolitischen Konflikt, der den gesamten Sahel destabilisieren könnte - mit innenpolitischen Folgen für den französischen Präsidenten, der sich im Wahlkampf als Mann des Friedens gegeben hatte und den vorzeitigen Abzug der französischen Truppen aus Afghanistan umsetzte.

Zur Stunde kann der Sozialist auf die Unterstützung der rechten und linken Opposition rechnen. Die parteiübergreifende Solidarität könnte jedoch bröckeln, sollte sich der afrikanische Einsatz als blutiger Dauerfeldzug erweisen oder der Konflikt gar zu Anschlägen auf heimischem Gebiet führen.

Der französische Alleingang hat wieder Bewegung in die europäischen und afrikanischen Planspiele gebracht, das Land militärisch gegen die Islamisten zu unterstützen. Sowohl bei der afrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas als auch bei der EU liegen Operationspläne für solche Missionen vor. Konkret will Ecowas 3300 Soldaten aus verschiedenen afrikanischen Ländern und die EU rund 200 Ausbilder für die desolate malische Armee schicken. Mit der Ankündigung der Ecowas, nun schnell zu handeln, wird sich auch für Deutschland die Frage stellen, ob man die Mission finanziell oder logistisch unterstützt. In Berlin rechnet man bereits mit entsprechenden Anfragen.

Das Geld war seit jeher das Hauptproblem der Mission, die für ein Jahr etwa 260 Millionen Dollar kosten soll. Als Geste der Solidarität könnte Berlin Transportmaschinen der Bundeswehr stellen, welche die afrikanischen Truppen nach Mali bringen könnten. Einer solchen Mission würde jedoch eine umfassende Gefahrenanalyse vorausgehen. In der augenblicklichen Lage gelte ein solcher Einsatz von deutschen Transall-Maschinen als ausgeschlossen, heißt es in Berlin.

Mitarbeit: Matthias Gebauer

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1. meinen
martin-z. 12.01.2013
allergrössten respekt vor hollande. er scheint als einer der wenigen, die zeichen der zeit richtig zu deuten. anstatt wie deutschland mit patriots den islamisten in syrien den rücken frei zuhalten, geht er entschieden gegen diese barbaren vor. eine schande für deutschland, dass wir ihn nicht in mali unterstützen.
2. Die Karawane zieht weiter
ANDIEFUZZICH 12.01.2013
Zitat von sysopHunderte französische Soldaten in Mali, eine misslungene Geiselbefreiung in Somalia - und Drohungen von Islamisten gegen die Regierung in Paris. Angesichts der Lage hat Präsident Hollande die Sicherheitsvorkehrungen in Frankreich erhöht. Einsätze in Afrika: Frankreich verstärkt Sicherheitsmaßnahmen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/einsaetze-in-afrika-frankreich-verstaerkt-sicherheitsmassnahmen-a-877212.html)
Das Bild der Kampfjets über der Wüste, das Spon gerade eingestellt hat zeigt die eigentliche Problematik. Da hat man die Kontrolle über praktisch nichts, und man kann auch nicht einfach jede Karawane bombadieren.
3.
Xangod 12.01.2013
Zitat von martin-z.allergrössten respekt vor hollande. er scheint als einer der wenigen, die zeichen der zeit richtig zu deuten. anstatt wie deutschland mit patriots den islamisten in syrien den rücken frei zuhalten, geht er entschieden gegen diese barbaren vor. eine schande für deutschland, dass wir ihn nicht in mali unterstützen.
Du weißt wofür die Patriotssysteme gut sind? Zum Abfangen von Mittelstreckenraketen - damit kann man niemanden den Rücken freihalten. Mal davon abgesehen, bis die Bundeswehr tatsächlich kampfbereit ist, ist der Assad schon längst gestürzt. Wetten?
4. Wie meinen?
ANDIEFUZZICH 12.01.2013
Zitat von martin-z.allergrössten respekt vor hollande. er scheint als einer der wenigen, die zeichen der zeit richtig zu deuten. anstatt wie deutschland mit patriots den islamisten in syrien den rücken frei zuhalten, geht er entschieden gegen diese barbaren vor. eine schande für deutschland, dass wir ihn nicht in mali unterstützen.
Mit was sollten wir auch de französischen Militärkräfte dort unterstützen? Evtl. mit der neuen Superdrohne?
5. wenn
martin-z. 12.01.2013
Zitat von XangodDu weißt wofür die Patriotssysteme gut sind? Zum Abfangen von Mittelstreckenraketen - damit kann man niemanden den Rücken freihalten. Mal davon abgesehen, bis die Bundeswehr tatsächlich kampfbereit ist, ist der Assad schon längst gestürzt. Wetten?
man so naiv ist und glaubt, dass nicht auch eine spionage aufgabe mit dem einsatz verbunden ist, haben sie recht.
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Hauptstadt: Bamako

Staatsoberhaupt:
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