Von Matthias Gebauer und Shoib Najafizada
Berlin/Kabul - Deutsche Soldaten haben sich erneut schwere Gefechte mit Kämpfern der radikal-islamischen Taliban geliefert. Schauplatz der kriegerischen Auseinandersetzung war erneut das Dorf Isa Khel mitten im Unruhedistrikt Chahar Darreh, der als Hochburg der Aufständischen gilt.
Zuerst hatten die Taliban gegen 6 Uhr Ortszeit eine gemeinsame Patrouille der lokalen Polizei und deutschen Soldaten beschossen, die Deutschen erwiderten umgehend das Feuer. Immer wieder aber wurden sie aus von Bäumen geschützten Stellungen angegriffen und konnten den Gegner schwer ausmachen.
Im Zuge des stundenlangen Gefechts über den Lauf des Kunduz-Flusses hinweg forderte das Feldlager bei der Nato-Schutztruppe Isaf Luftunterstützung für die Bundeswehreinheiten an. Wenig später warf ein Kampfjet jeweils zwei Mal zwei 250 Kilogramm-Bomben auf die Stellungen der Taliban ab.
Bei dem Gefecht wurden nach Angaben der lokalen Polizei drei Taliban-Kämpfer getötet. Der Polizeichef von Chahar Darreh sagte SPIEGEL ONLINE, drei weitere Personen seien ums Leben gekommen, möglicherweise seien zwei davon Zivilisten gewesen. In Bundeswehrkreisen war von zehn getöteten Angreifern die Rede, die Details würden aber noch untersucht.
Auf Seiten der Bundeswehr gab es offiziellen Angaben zufolge keine Verletzten. Zwar verbreitete die Propagandaabteilung der Taliban, die Bundeswehr habe schwere Verluste erlitten. Die Angaben der Sprecher allerdings sind meist völlig übertrieben.
Robuste Schützenhilfe von US-Spezialeinheiten
Das Dorf Isa Khel gilt als ein besonders gefährlicher Ort in der Nähe des Feldlagers in Kunduz. Die kleine Ortschaft mit ihren engen Gassen und geduckten Lehmgehöften gilt als Rückzugsort für Taliban. Anfang April kamen in Isa Khel drei deutsche Soldaten bei einem Hinterhalt der Taliban ums Leben.
Mittlerweile sind mehrere Hintermänner der tödlichen Attacke von US-Spezialeinheiten getötet worden. Symbolisch rückten die Special Forces am Abend der Trauerfeier für die Gefallenen im Camp aus und jagten mehrere durch die Geheimdienste identifizierte Kämpfer, die an der Attacke beteiligt waren.
Die geheim agierenden Spezialeinheiten der US-Armee waren in den letzten Wochen rund um Kunduz fast jede Nacht aktiv und haben nach Schätzungen von deutschen Militärs bis zu 60 Taliban-Kämpfer und Kommandeure aus der mittleren Hierarchie gezielt getötet. Die US-Elitekämpfer agieren stets mit afghanischen Einheiten, die sie ausgebildet haben.
Die Deutschen reagieren intern positiv auf die robuste Schützenhilfe der US-Spezialeinheiten und werden mittlerweile zumindest abstrakt in deren Pläne eingeweiht. Nach den beiden tödlichen Angriffen auf die Deutschen hatten US-Offiziere dem deutschen Isaf-Stabschef in Kabul sogar versprochen, dass man die Täter schnell zur Strecke bringen werde.
Die nächtlichen Durchsuchungs- und Eliminierungsaktionen sorgen hingegen in der Region Chahar Darreh für Unmut unter der lokalen Bevölkerung. Lautstark beschwerten sich erst kürzlich bei einem Treffen mit deutschen Militärs mehrere Dorfanführer über das rigide Vorgehen der US-Einheiten.
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