Einsatz in Libyen Gaddafis jüngster Sohn stirbt bei Nato-Angriff

Saif al-Arab al-Gaddafi soll bei einem Nato-Luftschlag getötet worden sein, das meldet das libysche Regime. Mit dem jüngsten Sohn Muammar al-Gaddafis starben demnach drei seiner Enkelkinder. Der Despot habe die Attacke unverletzt überlebt. Die Nato kann den Vorfall nicht bestätigen.

REUTERS

Tripolis - Es soll ein gezielter Schlag gegen das Regime gewesen sein: Der jüngste Sohn von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi, Saif al-Arab al-Gaddafi, ist am Samstagabend bei einem Nato-Luftangriff getötet worden. Das teilte ein Sprecher der libyschen Regierung in Tripolis im Staatsfernsehen mit. Zuvor waren aus der Hauptstadt aus dem Stadtteil Bab al-Asisija schwere Explosionen gemeldet worden. Dort befindet sich Gaddafis weitläufige Residenz.

Drei Enkelkinder von Machthaber Gaddafi seien bei dem Angriff auf das Haus von Saif al-Arab al-Gaddafi ebenfalls getötet worden, teilte der Sprecher mit. Weitere Freunde und Verwandte seien verletzt worden.

Machthaber Gaddafi selbst sei auch in dem von dem Luftschlag getroffenen Gebäude gewesen, aber unverletzt geblieben. "Der Führer selbst ist bei guter Gesundheit", sagte Regierungssprecher Mussa Ibrahim. "Auch seine Frau ist wohlauf." Ibrahim sprach von einem gezielten Angriff auf das Leben von Machthaber Gaddafi und verurteilte die Attacke als Verletzung internationalen Rechts. Es sei nun für jeden ersichtlich, dass die Geschehnisse in Libyen nichts mit der Verteidigung von Zivilisten zu tun hätten.

Das einstöckige Haus in einer exklusiven Wohngegend von Tripolis sei von mindestens drei Marschflugkörpern getroffen worden, hieß es. Das Fernsehen zeigte Bilder des stark beschädigten Gebäudes in der libyschen Hauptstadt. Das Dach war teilweise eingestürzt, Betonbrocken und Eisenträger hingen von den Resten der Decke herab.

Nato spricht von militärischen Zielen

Die Nato bestätigte lediglich einen Luftschlag gegen ein Gebäude in der libyschen Hauptstadt Tripolis. Der Angriff am späten Samstagabend (Ortszeit) habe einem "bekannten Kommando- und Kontrollgebäude im Stadtteil Bab al-Asisija" gegolten, heißt es in einer Erklärung, die am frühen Sonntagmorgen auf der Nato-Internetseite veröffentlicht wurde.

"Ich weiß von unbestätigten Medienberichten, wonach einige Mitglieder der Familie Gaddafis getötet worden sein könnten", erklärt darin der Kommandeur des Nato-Einsatzes in Libyen, General Charles Bouchard. Das Bündnis selbst bestätigte die Meldungen nicht.

"Alle Nato-Ziele sind militärischer Natur und stehen in klarer Verbindung zu den systematischen Angriffen des Gaddafi-Regimes auf die libysche Bevölkerung und bewohnte Gebiete", erklärte Bouchard. Die Nato erfülle das Uno-Mandat, Angriffe auf Zivilisten zu stoppen und zu verhindern, mit Präzision und Vorsicht - "anders als die Gaddafi-Truppen, die so viel Leid verursachen".

Gaddafi-Sohn studierte in Deutschland

In der Rebellenhochburg Bengasi, wo der oppositionelle Nationale Übergangsrat seinen Sitz hat, waren nach der Todesnachricht Freudenschüsse zu hören. "Sie freuen sich, dass Gaddafi seinen Sohn verloren hat", sagte der Sprecher des Übergangsrats, Oberst Ahmed Omar Bani. Autos fuhren hupend durch die Stadt und viele Menschen riefen "Gott ist groß". Von einigen Vertretern der Aufständischen wurde die Todesmeldung jedoch auch angezweifelt. Gaddafi könnte versuchen, damit um Sympathien zu buhlen, nachdem sein jüngstes Angebot einer Waffenruhe zurückgewiesen wurde.

Saif al-Arab al-Gaddafi war der sechste Sohn von Muammar al-Gaddafi. Der 29-Jährige wurde 1982 in Tripolis geboren. Im Vergleich zu seinen Brüdern lebte er zurückgezogen. Er hatte in den vergangenen Jahren viel Zeit in Deutschland verbracht. Zeitweise studierte er in München. Das Studium habe Saif al-Arab al-Gaddafi nicht abgeschlossen, sagte Mussa Ibrahim.

In München waren zwischen November 2006 und Juli 2010 zehn Verfahren und ein Vorermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft gegen den Diktatorensohn anhängig, wie das bayerische Justizministerium kürzlich bestätigte. So wurden dem Diktatorensohn Bedrohungen, Fahren ohne Führerschein, Alkoholfahrten, Waffenschmuggel, Anstiftung zum Mord und Körperverletzung vorgeworfen. Anfang des Jahres war Saif al-Arab al-Gaddafi in Deutschland zur unerwünschten Person erklärt worden. Demnach durfte er nicht mehr in die Bundesrepublik einreisen.

Saif al-Arab al-Gaddafi ist möglicherweise bereits der zweite Sohn des libyschen Machthabers, der seit Ausbruch des Aufstandes gegen das Regime getötet wurde. Nach Angaben von Aufständischen war sein Bruder Chamies bereits Mitte März ums Leben gekommen, als ein Pilot der libyschen Luftwaffe seinen Kampfjet absichtlich über Bab al-Asisija zum Absturz brachte. Von der Regierung in Tripolis wurden die Berichte jedoch stets bestritten.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version wurde dieser Artikel mit Gaddafis Sohn Saif al-Islam bebildert. Tatsächlich kam sein Sohn Saif al-Arab bei dem Luftangriff ums Leben. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

ulz/AFP/Reuters/dapd/AP

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