Ägypten Eklat bei Mubarak-Prozess - Richter gibt Vorsitz ab

Der neue Prozess gegen Ägyptens Ex-Präsidenten Husni Mubarak beginnt mit einem Paukenschlag: Der Vorsitzende Richter erklärte sich für befangen und gab den Fall ab. Nun muss ein Berufungsgericht einspringen. Im Saal spielten sich chaotische Szenen ab.


Kairo - Der Mammutprozess gegen den früheren ägyptischen Langzeitpräsidenten Husni Mubarak hatte kaum begonnen, da wurde er schon vertagt. Wenige Minuten nach dem Auftakt sorgte der zuständige Richter, Mustafa Hassan, für eine Überraschung. Er ziehe sich von dem Verfahren zurück und verwies den Fall wieder an das Berufungsgericht, so Hassan. Dieses solle einen anderen Richter bestimmen.

Hassan erklärte sich selbst für befangen. Ihm sei "nicht wohl" dabei, den Fall zu betreuen, so der Richter in seiner Begründung. Im Saal spielten sich chaotische Szenen ab. Viele Prozessbeobachter machten ihrem Unmut über die Entwicklung mit lautem Geschrei Luft.

Der 84-jährige Mubarak war zuvor mit einem Krankenwagen zu dem Gericht gebracht worden, wie im ägyptischen Staatsfernsehen zu sehen war. Mubarak war ganz in Weiß gekleidet und trug eine Sonnenbrille. Auf einer Trage wurde er in die Polizeiakademie der ägyptischen Hauptstadt gebracht, wo der Prozess stattfindet. Mubaraks Gesundheitszustand gilt als kritisch.

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Prozess gegen Mubarak: Vor Gericht hinter Gittern

Mubarak muss sich bereits zum zweiten Mal wegen des Todes von 846 Demonstranten bei den Massenprotesten des Arabischen Frühlings 2011 verantworten. Im vergangenen Jahr war der Ex-Machthaber bereits wegen derselben Delikte zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Urteil wurde jedoch wegen Verfahrensmängeln wieder aufgehoben.

Ein neuer Termin für die Aufnahme des Verfahrens steht noch nicht fest.

jok/dpa



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