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Eklat in New York: Flughafen-Beamte filzen Venezuelas Außenminister

Das Verhältnis zwischen Venezuela und den USA ist mies - und wird durch einen neuen Vorfall noch mehr belastet. In New York haben Sicherheitsbeamte den venezolanischen Außenminister Maduro am Flughafen festgehalten und durchsucht. Sein Präsident Chávez wetterte: "eine Provokation von Mr. Teufel".

New York - Anlass für den Zwischenfall auf dem New Yorker JFK-Flughafen war offensichtlich, dass der mit einem Diplomatenpass reisende Nicolas Maduro nach einer Sicherheitskontrolle einen bereits überprüften Gegenstand wieder an sich nehmen wollte. Dies habe ihm das Personal verweigert. Als er sich daraufhin als Venezuelas Chefdiplomat zu erkennen gegeben habe, hätte sich die Front gegen ihn verschärft, sagte Maduro dem venezolanischen Privatsender Globovision in einem Telefoninterview. Er sei zur gründlicheren Untersuchung in einen separaten kleinen Raum gebracht und aufgefordert worden, seine Kleidung abzulegen.

Nicolas Maduro (Archivbild): "Mit der Würde venezolanischer Revolutionäre reagiert"
AFP

Nicolas Maduro (Archivbild): "Mit der Würde venezolanischer Revolutionäre reagiert"

Maduro gab zudem an, die US-Beamten hätten ihm Schläge angedroht. "Sie fingen an, mich zu beschimpfen und zu schreien. Dann brachten sie einen Polizisten (..) und begannen, uns mit Schlägen zu bedrohen." Als Vertreter des US-Außenministeriums eingetroffen seien, habe er zunächst aufgeatmet: "Doch dann befahlen sie uns, Beine und Arme auszubreiten, damit die Polizei uns durchsuchen kann". Erst eine Delegation unter Leitung des venezolanischen Uno-Botschafters Francisco Arias Cardenas habe ihn wieder freibekommen.

Der Außenminister sprach von einer "beschämenden Situation" und einem "Angriff auf internationales Recht" und verlangte eine Erklärung. "Wir haben mit der Würde venezolanischer Revolutionäre reagiert", sagte er, "mit Stärke." In einen BBC-Interview sagte er, US-Einwanderungsbeamte hätten ihm erklärt, dass er durch einem Vermerk in seinen Unterlagen als "Fast-Terrorist" abgestempelt war. Uno-Generalsekretär Kofi Annan habe bereits ein Team von Anwälten auf den Vorfall angesetzt. Selbst der Lateinamerika-Experte im US-Außenministerium, Thomas Shannon, habe sich in einem Telefonat befremdet gezeigt.

Der Sprecher im US-Außenministerium, Gonzalo Gallegos, bestätigte und bedauerte den "Zwischenfall". Die US-Regierung habe sich bei Maduro und der venezolanischen Regierung entschuldigt. Dagegen hatte ein Sprecher im Heimatschutzministerium zunächst die Vorwürfe des Ministers zurückgewiesen. Maduro sei lediglich zu einer zusätzlichen Sicherheitskontrolle gebeten worden. Es gebe keine Belege dafür, dass er "angegriffen, festgenommen oder in Gewahrsam genommen wurde, noch wurden seine Reisepapiere beschlagnahmt". Aus Uno-Kreisen verlautete, Maduro sei zu spät und ohne Flugticket gekommen und habe damit den Sicherheitscheck ausgelöst.

"Eine Provokation von Mr. Teufel"

Venezuelas Vize-Präsident José Vicente Rangel bezeichnete die Behandlung des Ministers als "unerhörten Angriff". Er sah ebenfalls einen Zusammenhang mit Chávez Schimpfkanonade während der Uno-Vollversammlung. Am Mittwoch hatte der venezolanische Präsident seinen Erzfeind im Weißen Haus unter anderem als "Teufel", "Lügner" und "Tyrannen" bezeichnet. "Gestern war der Teufel hier, genau hier", hatte Chávez gesagt und auf das Pult gedeutet, von dem Bush zum Auftakt der Generaldebatte 24 Stunden zuvor seine Rede gehalten hatte. "Und es riecht hier noch immer nach Schwefel", hatte er hinzugefügt und sich dabei bekreuzigt.

"Das ist eine Provokation von Mr. Teufel", sagte Präsident Hugo Chávez gestern im staatlichen Fernsehen. Maduro sei offenbar unter dem Verdacht festgenommen worden, dass er an seinem fehlgeschlagenen Putsch vom 4. Februar 1992 gegen den damaligen venezolanischen Präsidenten Carlos Andrés Pérez teilgenommen habe. Vermutlich stehe Maduro auf der Liste des 4. Februars, sagte der frühere Putschistenführer dem venezolanischen Fernsehen. Doch habe Maduro mit der Rebellion nichts zu tun.

abl/AFP/AP/dpa

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