Terror in Kopenhagen Mutmaßlicher Attentäter soll IS-Anführer Treue geschworen haben

Ein Video, das den bewaffneten Dschihad preist: Nur Minuten vor seiner Tat soll der mutmaßliche Attentäter von Kopenhagen auf Facebook dem IS-Anführer Baghdadi die Treue geschworen haben.

Mutmaßlicher Attentäter El-Hussein: Treueschwur auf Facebook
AP/ Copenhagen Police

Mutmaßlicher Attentäter El-Hussein: Treueschwur auf Facebook

Aus Kopenhagen berichtet


Es gibt immer mehr Anzeichen dafür, dass der mutmaßliche Attentäter von Kopenhagen, Omar Abdel Hamid El-Hussein, sich bei seiner Tat von der Terrorgruppe "Islamischer Staat"(IS) inspiriert fühlte.

Nur wenige Minuten, bevor der 22-Jährige vor einem Kulturcafé in Kopenhagen am Samstag einen Menschen erschoss, soll auf seiner Facebook-Seite ein Treueschwur hochgeladen worden sein, der IS-Chef Baghdadi galt. Das berichten die dänische Zeitung "Politiken" und CNN. Inzwischen ist das Profil gelöscht.

El-Hussein hatte Berichten dänischer Medien zufolge außerdem vor seiner Tat ein Video hochgeladen, das den bewaffneten Dschihad preist, sowie Suren aus dem Koran, die zum Kampf gegen Ungläubige aufrufen.

Wann genau er sich zu radikalisieren begann, ist weiterhin nicht klar. Schulkameraden berichten von seinem Hass auf Juden und davon, dass er, wenn es um seine Religion ging, besonders hitzig wurde. Ein Mitschüler will die Polizei bereits vor anderthalb Jahren davor gewarnt haben, dass El-Hussein "etwas Schreckliches" tun könne.

Polizei durchkämmt Wohngebiet

Das vergangene Jahr verbrachte der mutmaßliche Attentäter wegen einer Messerstecherei in Haft, er kam erst vor zwei Wochen - vorzeitig - frei. Im Gefängnis soll er offen geäußert haben, dass er für den IS in Syrien kämpfen wolle. Deshalb haben ihn Berichten zufolge die Gefängnisbehörden auf eine Liste mit 39 anderen radikalisierten Häftlingen gesetzt, die sie auch den Sicherheitsbehörden übermittelt haben sollen.

Die dänischen Ermittler hatten bislang nur erklärt, es gebe keine Hinweise darauf, dass El-Hussein Verbindungen nach Syrien oder in den Irak habe oder dort gewesen sei. Aus Dänemark sind im vergangenen Jahr mehr als hundert junge Menschen in den Dschihad gereist. Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt sagte am Montag, es gebe keine Anzeichen dafür, dass der mutmaßliche Täter Teil einer Terrorzelle war.

Unklar ist auch, ob El-Hussein Helfer hatte - die Polizei hat zwei verdächtige Männer gestgenommen.

Die Stimmung in Kopenhagen ist angespannt - am Montagabend waren ständig Polizeisirenen zu hören. Berichten zufolge haben mehr als 50 Beamte das Wohngebiet Mjølnerparken im Stadtteil Nørrebro durchkämmt. Laut dänischem Rundfunk bestätigte die Polizei, dass den Ermittlern ein junger Mann in Tarnkleidung entkommen war. "Wir suchen nun nach dem, was er weggeschmissen haben könnte, als er vor uns weggelaufen ist", sagte ein Sprecher. Mehrere Kellerräume seien mit Hunden durchsucht worden. Dass die nächtliche Aktion mit den Terroranschlägen zusammenhängt, bestätigte er nicht.

In dem Getto Mjølnerparken wohnte El-Hussein möglicherweise - zumindest flüchtete er nach seiner ersten Tat am Sonnabend hierher. Die Polizei hatte in einer Wohnung seine Kleidung und Waffen gefunden. Mjølnerparken ist für seine kriminellen Jugendgangs berüchtigt, der mutmaßliche Attentäter soll früher in Kontakt mit ihnen gewesen sein.

Nach einem Bombenalarm am ersten Kopenhagener Terror-Tatort am Dienstagmorgen hat die Polizei Entwarnung gegeben. Zuvor war vor dem Kulturcafé "Krudttønden" ein Brief mit verdächtigen Aussagen aufgetaucht. Die Ermittler hatten Sprengstoffexperten zu Hilfe gerufen und das Gelände im Stadtteil Østerbro abgesperrt. "Untersuchung abgeschlossen. Keine Hinweise auf Sprengstoffe. Absperrung aufgehoben", twitterte die Kopenhagener Polizei kurz danach

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mit Material von dpa

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Seite 1
buntesmeinung 17.02.2015
1. Wenn der junge Mann
im Gefängnis offen über Reiseabsichten nach Syrien gesprochen und sich damit zum IS bekannt hat, verstehe ich nicht, warum er vorzeitig entlassen wurde. Gelten in Dänemark andere Bestimmungen für eine Entlassung als in Deutschland (z.B. positive Sozialprognose)?
hermannheester 17.02.2015
2. Erst Al Khaida jetzt IS?
Die Folge von grunsätzlichem Fehlverhalten des Westens, der nicht nur Talibane sondern auch al Khaida munter mit Waffen und Geld gemästet hat, ist nun also IS. Das ist allein schon darin abzulesen, dass die IS Führung früher mal zu Al Khaida gehört hat. Man hat sich "selbständig" gemacht, denn die Anschubfinanzierung aus dem Pentagon war ja so schööön.
Art. 5 17.02.2015
3.
Zitat von buntesmeinungim Gefängnis offen über Reiseabsichten nach Syrien gesprochen und sich damit zum IS bekannt hat, verstehe ich nicht, warum er vorzeitig entlassen wurde. Gelten in Dänemark andere Bestimmungen für eine Entlassung als in Deutschland (z.B. positive Sozialprognose)?
Er wurde vorzeitig aus der regulären Haft entlassen, weil er schon sehr lange in Untersuchungshaft gesessen hatte. Man darf Menschen wegen Reiseabsichten nicht länger im Gefängnis behalten, auch nicht wenn sie sich zum Terroristen ausbilden lassen und uns bekämpfen wollen. Soviel Toleranz muss sein.
Leser161 17.02.2015
4. Hypnose?
Immer wenn ein junger Mann etwas Schreckliches tut wird lang und breit ausgekaut, was er so gemacht hat und das ihn das dazu gebracht hat. Waren es Killerspiele? Death Metal? Nazifackelmärsche? Koranstudium? Ich habe böse Spiele gespielt. Böse Musik gehört. Und sogar schon Nazis und Salafisten gesehen. Hat mich nie zum Killer gemacht. Radikales Gedankengut ist nur eine Anlaufstelle für labile junge Männer mit Problemen. Die Probleme lösen wir nicht durch Verbieten der Anlaufstellen. Wir müssen herausfinden, warum diese jungen Männer keinen Halt haben. Wie die Gesellschaft ihnen sowas geben kann.
walter_de_chepe 17.02.2015
5. Eine weitere Stütze ist weggebrochen
Eine weitere Stütze des Einwanderungsfanatismus ist weggebrochen: Der Junge war ein guter Schüler. Mit mehr Beschulung lässt sich die eingewanderte Minderheit nicht integrieren. Vielleicht wird sich sogar gerade deshalb radikalisieren.
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