Elend in Griechenland: Athens neue Arme kommen aus der Mittelschicht

Von und Ferry Batzoglou, Athen

Armenspeisung statt Mittagstisch, Obdachlosenheim statt Eigentumswohnung: Die Finanzkrise lässt die griechische Mittelschicht zerbröseln. Die "neuen Armen" bevölkern die Straßen Athens, die überforderten Helfer verzweifeln. Ein Streifzug durch Zentren des Elends in der Hauptstadt.

Schuldenkrise: Unterwegs in Athens Suppenküchen Fotos
AP

Wenn die Krise schon in Piräus angekommen ist, versteckt sie sich gut. Selbst an diesem kalten Februarabend stehen die Luxuskarossen sorgfältig aufgereiht vor den schicken Fischrestaurants im Athener Hafenvorort. Doch Leonidas Koutikas weiß, wo er suchen muss. Keine fünfzig Meter von der Promenade entfernt geht es um zwei Häuserecken - und plötzlich ist das Elend überall. Hinter einem Zeltverhau, an die Wand eines Wohnhauses gezimmert, lebt eine fünfköpfige Familie.

Koutikas und seine Kollegen von der Hilfsorganisation Klimaka werden schon erwartet. Jeden Abend verteilen sie hier ihre Care-Pakete. "Täglich wird die Liste der Bedürftigen länger", sagt Koutikas. Er weiß, wovon er spricht: Bis vor kurzem hat der 48-Jährige selbst auf der Straße geschlafen.

Athen hat schon immer ein Problem mit Obdachlosen, wie jede Millionenstadt. Doch die Finanz- und Schuldenkrise sorgt dafür, dass die Armut langsam aber sicher außer Kontrolle gerät. 20 Prozent mehr Obdachlose haben die Behörden im Jahr 2011 gezählt, je nach Jahreszeit macht das bis zu 25.000 Stadtstreicher. Die Suppenküchen Athens beklagen Rekordzuläufe, 15 Prozent mehr Bürger sind auf kostenlose Mahlzeiten angewiesen.

Doch es sind nicht mehr allein die "Stammkunden", die nachts mit Decken und heißen Mahlzeiten versorgt werden müssen, sagt Effie Stamatogiannopoulou. Sie sitzt in der Zentrale von Klimaka und brütet über Budget- und Dienstplänen. Es war ein langer Tag, wie die meisten in dem überheizten Raum hält sich die 46-Jährige mit Kaffee und Zigaretten wach. Sie zeigt die Bilanz des Tages: 102 Obdachlose haben sich heute bei Klimaka gemeldet.

Darunter sind viele, die sie hier "neue Arme" nennen. "Es hat vor etwa zwei Jahren so richtig angefangen", sagt Stamatogiannopoulou. Plötzlich waren es nicht mehr nur Menschen mit psychischen Problemen oder Drogenabhängige, die an die rote Holztür der Hilfsorganisation klopften. "Die Mittelschicht entwickelt sich immer mehr zu unserer Zielgruppe", so Stamatogiannopoulou.

Die "neuen Armen" sind Menschen wie Lambros Zacharatos, der zusammen mit Leonidas Koutikas Nacht für Nacht den Klimaka-Transporter durch die Straßen von Athen navigiert. Bis vor einem Jahr hat Zacharatos als Dekorateur gearbeitet, in guten Monaten landeten bis zu 4000 Euro in der Gehaltstüte. "Plötzlich hat es peng gemacht, die Krise war da und die Aufträge brachen um 90 Prozent weg", erinnert er sich in seinem Zimmer über dem Klimaka-Büro. Zu dritt schlafen sie hier, mit Hochbett und Furnierschrank erinnert der Raum an eine Jugendherberge.

Dann, so erinnert sich Zacharatos, ging alles rasend schnell: Job weg, kein Geld mehr, um die Wohnung zu finanzieren, binnen weniger Monate stand er auf der Straße: "Nicht mal in meinen düstersten Alpträumen hätte ich mir ausgemalt, dass ich einmal obdachlos werden würde."

Bei Klimaka hat er nun nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch eine neue Aufgabe gefunden. Als Teil eines Wiedereingliederungsprogramms müssen alle Bewohner der Einrichtung einen Alltagsjob übernehmen. Putzen, kochen, oder - wie bei Koutikas und Zacharatos - die abendliche Tour fahren zu den beliebtesten Schlafplätzen im Großraum Athen. Ob an der Edelpromenade von Piräus, einen Steinwurf vom Parlament entfernt oder mitten im Touristenviertel unterhalb der Akropolis: meist genügt ein kundiger Blick und das Klimaka-Team hat "Kundschaft" gefunden. "Wir sehen ständig unbekannte Gesichter", sagt Zacharatos.

Schon 2010 lebten drei Millionen Menschen an der Armutsgrenze

Verlässlich quantifizieren lässt sich das Problem der "neuen Armen" bisher nicht, entsprechende Studien fehlen. Zudem mildert das soziale Netz in den Familien noch immer viele finanzielle Abstürze. Arbeits- oder Wohnungslose kommen bei ihren Angehörigen unter, bevor sie überhaupt in Statistiken erfasst werden können. Das gilt vor allem für jüngere Opfer der Finanzkrise. "Doch bei den vielen neuen Sparmaßnahmen der Regierung, zusammen mit der steuerlichen Belastung, ist fraglich, wie lange sich auch die Familien das noch leisten können", sagt Sozialarbeiterin Effie Stamatogiannopoulou.

Klar ist jedoch, dass im Jahr 2010 knapp 28 Prozent der Griechen an der Armutsgrenze lebten. Das sind 3,03 Millionen Menschen. Diese Zahl gab die Europäische Statistikbehörde (Eurostat) am Mittwoch bekannt. Der Anteil der armen Hellenen dürfte 2011 im Zuge der immer tieferen Rezession weiter gestiegen sein.

Einer dieser Millionen Menschen ist Manos. Seinen Nachnamen will er vorerst lieber nicht nennen. Mit Dutzenden anderen ist der Mittfünfziger am Vormittag zur Kirche Aghia Zoni ("Heiliger Gürtel") gekommen. "Es werden immer mehr. Noch vor ein, zwei Jahren kannten wir hier jedes Gesicht. Das ist heute ganz anders", sagt Pater Emanuel, der seit 20 Jahren die Armenspeisung organisiert. Die Menschen im Kirchenhof warten darauf, dass Georgia endlich die Tür aufmacht. In ihrer Küche in den Kellerräumen des Gotteshauses klappert die Köchin seit Stunden mit den Töpfen, lässt Brottüten rascheln.

Als sie die schwere Stahltür aufschwingt, ist der Ansturm groß. Auch Manos bekommt Nudelsuppe und Brot. Beim Essen erzählt er die bekannte Geschichte von Job- und Wohnungsverlust. Er ist im kleinbürgerlichen Kypseli geboren, nun schläft er bei Kälte auf Bänken. "Ich bin ein guter Verkäufer, wirklich. Ich kann alles verkaufen", sagt er. Dann bittet er den Besuch aus Deutschland um seine E-Mail-Adresse. Wenige Stunden nach dem Gespräch schickt er seinen Lebenslauf "mit Bitte um Weitergabe". Aufgegeben hat er noch nicht.

Zu welch düsteren Gedanken die Krise und ihre Folgen die Athener schließlich treiben kann, berichtet Eleni Bekiari. Für Klimaka besetzt die Psychologin die "1018". Hinter dieser Telefonnummer verbirgt sich die 24-Stunden-Selbstmord-Hotline der Hilfsorganisation. Ihre Statistiken sind eindeutig. 2010 zählten die Seelsorger noch rund 2500 Anrufe. 2011 waren es doppelt so viele. "Uns rufen vor allem Frauen an. Dagegen sind es besonders Männer, die sich tatsächlich das Leben nehmen", sagt Bekiari.

Zwar hat Griechenland traditionell eine der niedrigsten Selbstmordraten in Europa - doch die Entwicklung ist dramatisch: Seit Beginn der Krise hat sich auch die Quote nahezu verdoppelt. Fast sechs Selbstmorde pro 100.000 Einwohner verzeichnete das Land im Jahr 2011. Wenn sie nach den Gründen für die Todesgedanken ihrer Anrufer fragt, bekommt Bekiari dann auch immer öfter nur zwei Worte zu hören: die Krise.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 314 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Gesichter..
aldrevan 09.02.2012
Ich fand es jetzt gut und richtig, dass Spiegel den eigentlichen Opfern dieser Geschichte einfach einmal ein Gesicht verliehen hat.
2. Och nee, schon wieder
Stauss 09.02.2012
Die Tränendrückmethode. Macht mal Fotos in den Seitenstraßen der Fifth Avenue in Manhattan. Sieht genauso ärmlich aus und der Text stimmt auch.
3. ... und ein Ausblick wie es
blackstar2000 09.02.2012
Zitat von sysopAPArmenspeisung statt Mittagstisch, Obdachlosenheim statt Eigentumswohnung: Die Finanzkrise lässt die griechische Mittelschicht zerbröseln. Die "neuen Armen" bevölkern die Straßen Athens, die überforderten Helfer verzweifeln. Ein Streifzug durch die Abgründe der Hauptstadt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814383,00.html
Dank der Banken - Raffgier -Spekulantenlrise unterstützt von unserer Elite auch in diesem unseren Lande über kurz oder lang aussehen wird
4.
bayrischcreme 09.02.2012
Wenn die Griechen ihren Zorn wenigsstens gegen die richtigen richten würden (ihre eigene Oberschicht und die Beamten) und nicht gegen Resteuropa, dann gäbe es: 1. die Chance, dass sich etwas bessert 2. Dann könnte ich auch wirklich Mitleid haben.
5.
recardo 09.02.2012
Zitat von sysopAPArmenspeisung statt Mittagstisch, Obdachlosenheim statt Eigentumswohnung: Die Finanzkrise lässt die griechische Mittelschicht zerbröseln. Die "neuen Armen" bevölkern die Straßen Athens, die überforderten Helfer verzweifeln. Ein Streifzug durch die Abgründe der Hauptstadt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814383,00.html
Was haben GRÜNE/SPD bloß diesem Volk angetan, als sie es in den Euro schoben? Die müssen es doch gewußt haben, oder war ihnen alles egal? Ich glaube, es war ihnen komplett egal, was mit Griechenland geschieht, solange der Euro und die EU nur das "Gute", so vom Himmel, bringen. Und was ist jetzt? Die haben keine Schuld, nein, Angela Merkel hat schuld, das es Griechen so elend geht. Das ist Heuchelei pur, wieder einmal!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Finanzkrise in Griechenland
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 314 Kommentare
Fotostrecke
Griechenland: Nächtlicher Verhandlungspoker

Fahrplan für die Griechen-Rettung
Die Verhandlungen über das zweite Rettungspaket für Griechenland kommen nur mühsam voran. Sowohl auf Seiten der griechischen Regierung als auch bei Euro-Staaten und Internationalem Währungsfonds (IWF) stehen noch etliche Schritte aus. Doch der Regierung in Athen läuft die Zeit davon. Denn Mitte März braucht das Land weitere Milliardenkredite, sonst ist Griechenland pleite. Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Was in Athen derzeit verhandelt wird
Die Troika von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und IWF hat für das zweite, auf 130 Milliarden Euro taxierte Kreditpaket härtere Einsparungen und Reformen verlangt. Diesem muss nicht nur die Übergangsregierung zustimmen. Die Chefs der drei an ihr beteiligten Parteien - der sozialistischen PASOK, der konservativen Neo Demokratia und der weit rechts stehenden LAOS - haben sich inzwischen auf die Einhaltung verpflichtet, damit das Programm nach der im April möglichen Wahl nicht zur Makulatur wird.

Parallel einigte sich der Internationale Bankenverband IIF mit der Regierung über die Beteiligung der Privatgläubiger an einem Schuldenschnitt. Die privaten Investoren sollen nun auf insgesamt rund 107 Milliarden Euro an Forderungen verzichten - damit wurde die ursprüngliche Zielgröße um sieben Milliarden Euro übertroffen. Die Zielgröße für den Forderungsverzicht über 100 Milliarden Euro wurde dabei übertroffen:
Was die Euro-Gruppe entscheidet
Der Euro-Gruppe wird neben dem Prüfbericht der Troika zum Stand der Reformen und Einsparungen eine vorläufige Vereinbarung mit Griechenland über weitere Einschnitte sowie einen Zeitplan zum Nachholen bisher versäumter Gesetzesänderungen vorgelegt. Zugleich wird die griechische Regierung die Eckpunkte des Anleihetauschs präsentieren, mit dem der Forderungsverzicht erreicht werden soll. Die Finanzminister werden EU-Kreisen zufolge wahrscheinlich nur darüber entscheiden, ob Griechenland mit dem Anleihetausch-Prozess Mitte Februar beginnen kann. Eine Entscheidung, ob das 130-Milliarden-Paket erhöht wird, weil sich inzwischen neue Finanzierungslücken aufgetan haben, fällt noch nicht. Die starken Geberländer Deutschland, Niederlande und Finnland fordern, dass die Griechen bis Ende Februar rechtliche Schritte zur Umsetzung der bisher unerledigten Reformaufgaben eingeleitet haben, ehe es grünes Licht für neue Kredite gibt. Die Nord-Länder gehen davon aus, dass es bisher von den Staats- und Regierungschefs kein Mandat gibt, über die 130 Milliarden Euro hinauszugehen. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass erst bei einem Sondergipfel oder dem nächsten EU-Gipfel Anfang März die Entscheidung fällt.
Wie groß das Rettungspakt ist
Das hängt vom Umfang des privaten Schuldenschnitts ab. Die Vereinbarung mit dem IIF lässt nur eine grobe Schätzung der Summe zu. Griechenland muss Mitte Februar ein förmliches Anleihetausch-Angebot unterbreiten und wird bis Ende des Monats Zusagen der Banken, Versicherungen und Fonds sammeln. Die Regierung muss dann entscheiden, ob die Beteiligungsquote hoch genug ist und wenn ja, grünes Licht von der Euro-Gruppe zum Vollzug des Schuldenschnitts einholen. Dann müssen die Euro-Staaten über die Höhe des Kreditpakets entscheiden - nach bisherigen Schätzungen sind es rund 145 statt 130 Milliarden Euro. Über das Rettungsprogramm wird eine bindende Absichtserklärung zwischen den Euro-Ländern und Griechenland abgegeben. Eventuell wird die EZB ebenfalls noch einen Forderungsverzicht signalisieren, eine schriftliche Zusage dazu wird es von der unabhängigen Zentralbank aber nicht geben. Erst dann kann auch der IWF die Beteiligung an dem Kreditpaket beschließen. Bisher übernahm der Fonds ein Drittel davon.
Wie und wann Deutschland zustimmen wird
Bei einer Einigung über die private Gläubigerbeteiligung und das zweite Hilfspaket muss der Bundestag in zwei Schritten zustimmen. Zunächst soll der Bundestag dem Einsatz des EFSF bei der Absicherung der neuen langfristigen Griechenland-Anleihen in einer Höhe bis zu 30 Milliarden Euro zustimmen. Erst wenn die Staaten die IIF-Vereinbarung gebilligt und mit dieser Garantie versehen haben, kann Griechenland die Gläubiger ansprechen. Der Bundestag wird ein zweites Mal abstimmen, wenn eine Einigung über das zweite Griechenland-Hilfspaket erzielt sein sollte. Dann müsste er die Zusage dafür geben, dass sich Deutschland an der Haftung für die neuen Hilfskredite beteiligt, die über den EFSF liefen. Offen ist, ob im ersten Fall nur der Haushaltsausschuss zusammentritt oder in beiden Fällen das gesamte Plenum. Da eine Befassung des Parlaments nun eher in der kommenden Woche erwartet wird, wäre in der sitzungsfreien Woche eine Sondersitzung nötig.

Fotostrecke
Fotostrecke: So funktioniert eine Umschuldung
Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Griechenland-Reiseseite