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Wildernde Rebellen in Afrika: Elfenbein für Kalaschnikows

Jagd auf Stoßzähne: Wie Afrikas Rebellen sich bereichern Fotos
REUTERS

20.000 Elefanten werden in Afrika jährlich getötet, Rebellen verdienen daran prächtig. Sie finanzieren ihre blutigen Kriege mit dem Verkauf von Elfenbein - ein Millionengeschäft.

New York - Sie kommen sogar aus der Luft. Einige Wilderer in Afrika schießen Elefanten aus Helikoptern ab, um an die Stoßzähne der Tiere zu kommen. So geschehen im kongolesischen Garamba Nationalpark. Bewaffnete Gruppen gieren nach dem Elfenbein, um ihre Kriege zu finanzieren - die Tiere sind für sie eine wichtige Einnahmequelle.

Zwischen vier und zwölf Millionen Dollar nehmen afrikanische Rebellengruppen jährlich durch den Verkauf von Elfenbein ein, warnt die Uno in einem neuen Bericht. Und das sei nur ein kleiner Teil der alarmierenden Umweltkriminalität in Afrika, die unter anderem auch illegale Fischerei und Bergbau umfasst.

Ganze Regionen sind dadurch bedroht: Milizen können ihre Gewaltherrschaft ausbauen und Zivilisten einschüchtern. Die Bevölkerung verliert durch die Ausbeutung natürlicher Ressourcen ihre Lebensgrundlage, was neue Konflikte auslöst. Zudem stockt die wirtschaftliche Entwicklung in einigen Ländern. "Milliarden Dollar fließen in die Taschen von Kriminellen und berauben einige Entwicklungsländer so ihrer Einkünfte", so Achim Steiner, Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep), das den Bericht zusammen mit Interpol ausgearbeitet hat.

Das Problem müsse unbedingt stärker bekämpft werden, so die Verfasser. Betroffen sind vor allem die Demokratische Republik Kongo und die Zentralafrikanische Republik. Aber auch Rebellengruppen im Sudan, in Niger und im Tschad finanzieren sich mit Elfenbeinhandel. Es sind Organisationen, die für Massenmord, Menschenhandel, Vertreibung oder die Rekrutierung von Kindersoldaten verantwortlich sind.

Jagd auf das "weiße Gold"

Die Zahlen in dem Uno-Papier sind beunruhigend: 20.000 bis 25.000 Elefanten in Afrika werden jährlich getötet, zwischen 2002 und 2011 ist der Bestand um 62 Prozent gesunken. Heute leben Schätzungen zufolge zwischen 420.000 und 650.000 Elefanten auf dem Kontinent.

Warum ist das "weiße Gold" so begehrt? Ein Grund ist auch der wirtschaftliche Aufschwung in China. Noch nie konnten sich so viele Chinesen teure Statussymbole leisten wie heute - darunter fallen auch Kunstobjekte, Schmuck und Deko-Artikel aus Elfenbein. Auf den Straßen von Peking wird das Kilogramm Elfenbein für bis zu 2000 US-Dollar verkauft. Das große Geschäft machen zwar nicht die Jäger im Busch, sondern Schmuggler und Händler auf der langen Reise des Elfenbeins nach Asien. Trotzdem lohnt sich die Jagd in Afrika.

Milizen im Kongo etwa können sich durch den Elfenbeinhandel neue Waffen und Munition sowie Lebensmittel verschaffen. Besonders der Garamba National Park wird regelmäßig angegriffen, heißt es im Uno-Bericht. Dort lebten einmal mehr als 22.000 Elefanten - heute sind es nur noch rund 2000.

Dort attackieren immer wieder bewaffnete Gruppen aus dem Sudan oder von der Lord's Resistance Army (LRA). Der international gesuchte LRA-Chef Joseph Kony versteckt sich seit Jahren in der Wildnis Zentralafrikas. Seine Flucht finanziert der Massenmörder vermutlich auch mit dem lukrativen Elfenbeinhandel.

Die Ranger in den Nationalparks sind machtlos gegen die Wilderer und werden sogar selbst Opfer von Gewalt. Im vergangenen Jahrzehnt sind laut Uno-Papier mehr als tausend Parkwächter in 35 Ländern ermordet worden.

Illegaler Handel mit Holzkohle

Ein weiteres großes Problem, auf das der Bericht hinweist: der illegale Handel mit Holzkohle, mit dem sich die Rebellen bereichern. Damit gehen der Uno zufolge den afrikanischen Ländern Einnahmen in Höhe von fast zwei Milliarden US-Dollar jährlich verloren.

Weil immer mehr afrikanische Haushalte Holzkohle nutzen, bauen die kriminellen Organisationen ihre Kontrolle aus. Sie erheben illegale Steuern, die sie an Checkpoints und in Häfen eintreiben. Besonders die somalische Terrorgruppe al-Schabab nimmt so bis zu 56 Millionen US-Dollar jährlich ein. An einer einzelnen Straßenblockade in der Region Juba konnte sie demnach mindestens acht Millionen Dollar erpressen. Von mehreren Häfen in Somalia aus verschiffen die Islamisten die Holzkohle vor allem nach Ägypten und auf die arabische Halbinsel.

Milizen und Terrorgruppen, die an aktuellen Konflikten in ganz Afrika beteiligt sind, nehmen durch den illegalen Handel mit Holzkohle zwischen 111 und 289 Millionen US-Dollar ein. Auch die nigerianische Terrorgruppe Boko Haram, die am Dienstag erneut Hunderte Menschen als Geiseln nahm, soll in solche Geschäfte verwickelt sein.

kgp

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1.
Stabhalter 25.06.2014
Zitat von sysopREUTERS20.000 Elefanten werden in Afrika jährlich getötet, Rebellen verdienen daran prächtig. Sie finanzieren ihre blutigen Kriege mit dem Verkauf von Elfenbein - ein Millionengeschäft. http://www.spiegel.de/politik/ausland/elfenbeinhandel-in-afrika-rebellen-und-terroristen-toeten-elefanten-a-977376.html
Kriege werden immer dubios finanziert werden,egal wo und wann.
2. Wahnsinn
tinosaurus 25.06.2014
Die Chinesen haben scheinbar ohnehin keine Skrupel, die letzten Elefanten und Tiger zu opfern. Und Afrika versinkt im Chaos. Etliche "failed states" und letztlich ein verlorener Kontinent.
3. Zu schade....
vulcan 25.06.2014
Zitat von sysopREUTERS20.000 Elefanten werden in Afrika jährlich getötet, Rebellen verdienen daran prächtig. Sie finanzieren ihre blutigen Kriege mit dem Verkauf von Elfenbein - ein Millionengeschäft. http://www.spiegel.de/politik/ausland/elfenbeinhandel-in-afrika-rebellen-und-terroristen-toeten-elefanten-a-977376.html
....dass man in den entsprechenden Ländern nicht in der Lage ist, diesem elenden Treiben ein Ende zu setzen. So sind auf lange Sicht Elefanten, Nashörner, etc. schon so gut wie ausgestorben. Man wird es nicht verhindern können. Schade auch, dass Länder wie China und wer (vor allem in Fernost) sonst noch so Großabnehmer ist, nicht willens und/oder in der Lage ist, den Import von Elfenbein & Co. zu unterbinden oder wenigstens drastisch einzuschränken. Das würde auch helfen. Interessiert dort aber anscheinend niemanden, ganz im Gegenteil. Gute Geschäfte halt. Dito Haie - die Chinesen werden's schon noch hinkriegen, bald die ersten Arten auszurotten, aber Hauptsache Haifischflossen. Ist auch wirklich wichtig, was? Warum allerdings in der EU Stierkampf noch erlaubt ist, ist mir genau so ein Rätsel wie die widerliche Wilderei zu Lande und zu Wasser.
4. Fließende Grenzen
correct 26.06.2014
Zwischen Terror, Kriminalität und Wilderei gibt es keine klaren Grenzen. Ein echter Verdienst des Artikels, dies deutlich zu machen. Ausgewiesene Experten wie Nir Kalron von Maisha Consulting warnen seit langem vor den Folgen nicht nur für den Wildbestand, sondern die Stabilität eines ganzen Kontinents.
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